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Sexualität und Sexualisierung

Überblick

 
 
 

Über nichts auf der Welt wird wohl mehr gesprochen, keine Seiten im Internet mehr aufgerufen als die, welche sich mit dem Thema Nr. 1 beschäftigen: Sex bzw. Sexualität. Dabei kam der Begriff erst am Beginn der Moderne um 1800 herum auf, was manche zur Annahme bringt, dass die "Sexualität als Ding“ sogar erst durch ihre Vermarktung im kapitalistischen System aufgekommen sei. (vgl. Caplan 2000, S. 45).
Die Identität, welche der Mensch im Laufe seiner Entwicklung ausbildet, ist in ganz erheblichem Maße geprägt von seiner Sexualität und die Aufgabe junger Menschen, mit der eigenen Sexualität umgehen zu lernen, gehört zu den wichtigsten Entwicklungsaufgaben in der Adoleszenz. Dabei ist Sexualität "in zentrale Entwicklungsprozesse der Personalität und Sozialität des Menschen verwoben", wie Helmut Fend (2003, S.258) betont: "Es geht nicht allein um die Bewältigung eines dranghaften Zustandes, eines Triebes im Sinne einer Beherrschung und Unterdrückung unerlaubter Formen der Sexualität, sondern um den Erwerb eines Einverständnisses mit der eigenen Sexualität und um die Fähigkeit, deren Befriedigung in soziale Bindungen einzubetten. Zu lernen, Liebesbeziehungen einzugehen und zu lösen, könnte deshalb mit Fug und Recht als die übergeordnete Aufgabe angesehen werden. Die Bewältigung der Sexualität wird damit ein Kernaspekt der sozialen Entwicklungsaufgaben im Jugendalter.
Sexualität hat aber auch viel damit zu tun, zu lernen, was einem gemäß und nicht gemäß ist, was man für sich zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer bestimmten Situation mit einem Partner möchte. Sexualität hat also auch mit Authentizität zu tun, ist Teil der eigenen geschlechtlichen Identitätsbildung. (...) " (ebd.) (→Entwicklungsaufgabe: Umgang mit Sexualität lernen)
Postmoderne Identitätsbildung vollzieht sich heute in einem komplexen und widersprüchlichen Prozess im Rahmen einer Gesellschaft, die von der Individualisierung geprägt ist. In dieser ist "die Biographie der Menschen aus vorgegebenen Fixierungen herausgelöst, offen, entscheidungsabhängig und als Aufgabe in das Handeln jedes einzelnen gelegt (Beck 1986, S.216), gehört Identitätsarbeit zum Alltag. Die Menschen sollen und müssen sich aus allen Angeboten des Lebens diejenigen suchen, die sie leben können und wollen. Sie werden zu den Gestaltern ihrer eigenen "Bastelbiografie" (Gross 1985) und schaffen sich im Laufe ihres Lebens eine "Patchwork-Identität" (Keupp 1989, S.63ff., Keupp 1997, S. 13), zu deren wesentlichem Bestandteil Sexualität gehört. Und auch die Identitätsfacetten, die mit Sexualität verbunden sind, ändern sich im Laufe des Lebens, rein biologisch, aber vor allem auch unter dem Einfluss der Gesellschaft, unter dem Einfluss des generalisierten Anderen (Mead 1931). In der individualisierten Gesellschaft, in der jeder einzelne "bei Strafe seiner permanenten Benachteiligung lernen (muss), sich selbst als Handlungszentrum, als Planungsbüro in Bezug auf seinen eigenen Lebenslauf, seine Fähigkeiten, Orientierungen, Partnerschaften usw. zu begreifen"  (Beck 1986, S.217), werden die Individuen umso mehr "darin bestärkt, sich selbst über ihre Sexualität zu definieren, die als Kern des Selbst interpretiert wird. Was aber in einem Kontext sexuell ist, ist es in einem anderen nicht: eine Erfahrung wird erst durch die Verknüpfung mit sozial gelernten Bedeutungen sexuell. Man kann also sagen, dass unsere Köpfe unsere erogenste Zone sind.“ (Caplan 2000, S.45).

Brigitte Wrede (2000, S.26) unterscheidet drei bei den Vorstellungen darüber, was man unter Sexualität zu verstehen habe, drei einander entgegenstehende Definitionen:

29.09.2013

 
 

   

 
 


   Arbeitsanregungen:

 

 
     
 

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