"In den
zwangsrekrutierten Heeren des 18. und zum Teil auch noch
der ersten Hälfte des 19. Jh., die sich für die
Interessen ihrer großen und kleinen Herren schlagen
mußten, war der Deserteur eine charakteristische
Erscheinung."
(Steinitz 1972, S.151f.) Das nachfolgende Lied ist
wohl um die Jahrhundertwende 1800 entstanden.
1.
Zu Straßburg auf der Schanz,
Da fing mein Unglück an;
Da wollt ich den Franzosen desertier'n,
Und wollt es bei den Preußen probier'n,
Ei, das ging nicht an.
2.
Eine Stund wohl in der Nacht
Haben's mich gefangen bracht;
Sie führten mich vors Hauptmanns Haus:
O Himmel, was soll werden daraus!
Mit mir ists aus!
3.
Früh morgens um zehn Uhr
Stellt man mich dem Regimente vor;
Da soll ich bitten um Pardon
Und werd ich kriegen mein Lohn,
Das weiß ich schon.
4.
Ihr Brüder allzumal,
Heut seht ihr mich zum letztenmal.
Unser Corporal, der gestrenge Mann,
Ist meines Todes Schuld daran,
Den klag ich an!
5.
Ihr Brüder alle drei,
Ich bitt, schießt allzugleich
Verschont mein junges Leben nicht,
Schießt, daß das rote Blut 'rausspritzt,
Das bitt ich euch!
[6.
O Himmelskönigin,
Nimm meine Seel dahin!
Nimm sie zu dir in Himmel hinein,
Allwo die lieben Englein sein,
Und vergiß nicht mein!]
(aus:
Steinitz 1972, S.156f.)