Was zur »Persönlichkeit
eines Menschen gehört, wird von den unterschiedlichen Wissenschaften anders
oder mit einer jeweils anderen Akzentsetzung beantwortet.
Fast immer aber
spielt Gegensätzliches hinein, denn, wenn wir von Persönlichkeit sprechen,
geht es häufig um die Spannung zwischen dem äußeren Schein, den wir
erzeugen, und den Rollen, die wir spielen, einerseits und dem, was wir als
authentisches Selbst oder als unser eigentliches bzw. "wahres Ich"
verstehen.
Was wir von unserer Persönlichkeit in Interaktionen mit anderen
willentlich oder unwillkürlich einbringen, ist damit Teil unserer
Persönlichkeitsdarstellung.
Dabei hat der
Begriff der Selbstdarstellung, der eher die beabsichtige
Außenwirkung einer Person bezeichnet, im Alltagssprachgebrauch
eher einen negativen Beigeschmack, selbst wenn das Performen der
eigenen Person in den sozialen Netzwerken unserer Zeit
Ein/e Selbstdarsteller*in ist, im Jargon der
Bühnensprache ausgedrückt, eine "Rampensau", jemand der/die sich gerne einem
Publikum präsentiert. Wer gerne vorne an der Rampe der Bühne steht, traut
sich zu, den Eindruck, welchen er/sie auf das Publikum macht, auch zu
kontrollieren. Dazu sendet er/sie bestimmte •
Signale aus.
Soziologisch ist die •
Singularisierung, bei der postmoderne Subjekte "nach Einzigartigkeit und
Außergewöhnlichkeit" (Reckwitz
(2017/2019, S.9) streben und z. B. in den sozialen Medien ihre Profile zur
Schau stellen, Ausdruck eines gesellschaftlichen Strukturwandels, der auch den
Umgang mit der bewussten idealisierenden Selbstdarstellung verändert und beeinflusst. "Den
eigenen Style", die eigene Besonderheit zu "performen", ist in diesen zentralen
Arenen mit ihrem "umfassenden sozialen Attraktivitätsmarkt" (ebd.)
zu einem "Kampf um Sichtbarkeit" (ebd.)
geworden, in dem bestimmte Charaktereigenschaften bzw.
Persönlichkeitsmerkmale nachgefragt
werden.
Allerdings weiß das Publikum aber auch, dass
derartige Selbstdarsteller*innen ein oft völlig idealisiertes Bild ihrer Persönlichkeit
erzeugen wollen Es sieht, sofern es sehen kann und will, dass diese Art von
Selbstdarstellern wie hinter einer Maske agiert. Insofern kann eine solche
Selbstdarstellung auch in einer Art stillschweigender Übereinkunft zwischen
"Darsteller*innen" und Publikum erfolgen.
Gelingt es den
Selbstdarsteller*innen auch ihr nonverbales Verhalten so zu
kontrollieren, dass es mit seiner Rolle weitgehend im Einklang steht, dann
können Selbstdarstellungen dieser Art aber auch so überzeugend wirken, dass
sie die anderen manipulieren und täuschen können.
Kommunikation und Selbstdarstellung stehen bei der
Körpersprache in einem besonders engen Zusammenhang.
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
27.01.2026