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Kommunikation

Kommunikation

Metzler Lexikon Sprache, 1993 (gekürzt)

 

Kommunikation (lat. communicatio >Mitteilung>, con >gemeinsam>, munus >Aufgabe, Leistung<) Ausdruck, der von verschiedenen wiss. Disziplinen [...] in Anspruch genommen wird. Insbes. findet er Verwendung in der Journalistik- und Medienforschung, der Erforschung der Massenkommunikation und ihrer Mittel; in der Ökonomie für den Bereich der Waren-, aber auch der Nachrichten-Transporte [...]; in der Kommunikationswissenschaft als einer Disziplin,. die sich mit den physikal.-techn. Aspekten von Nachrichtenübermittlung befasst; in der Kybernetik als einer Disziplin, in der K. zu einem Grundbegriff einer allgemeinen Theorie von Systemen gemacht wurde [...]. Die Verwendung des Ausdrucks »K.« seit dem ersten Drittel des 20. Jh., mit einer ständig steigenden Tendenz nach 1945, ist vor allem auch dadurch bestimmt, dass ein reger Metaphorisierungs- und Übertragungsprozess von einer in die andere Disziplin stattfindet [...]. Zugleich decken die engl. AUsdrücke »communication« und »to communicate« ein breites semant. Feld ab und finden auch Verwendung für >übermitteln< und >vermitteln< bis hin zu >verstehen< im umgreifenden Sinn, >sich verständigen>. Insebsondere aber bildete die nachrichtentechn. und kybernet. Fassung von K. den Spender-Bereich für Übetragungen; z. T. war die Ling. Übergangsbereich für die Übertragung in neuere philosophische Theoriezusammenhänge (Habermas, Luhmann). - In der Ling. wird der Ausdruck vor allem im Zusammenhang mit Versuchen verwendet, die immer stärker eingeengten Objektbegriffe der Ling. wieder in Richtung auf die umfassende Phänomenfülle von Spr. und ihrer Verwendungen zu öffnen [...]. In der nachrichtentechn. bestimmten Theorie-Variante wird [...] in einem so genannten »Kommunikationsmodell« beschrieben ((vgl. Shannon & Weaver 1949): Eine aus einer >Quelle> (»source«) stammende Information wird von einem >Sender< (»transmitter«) als Signal durch einen >Kanal< (»channel«) an einen >Empfänger< (»receiver«) übermittelt, der das >Bestimmungsziel< (»destination«) der Nachricht ist; der Übertragungsprozess kann im Kanal durch >Rauschen< (»noise«) gestört werden. Dieses für den Prozess der Nachrichtenübertragung unmittelbar einleuchtende Modell wurde auf das menschl. Verständigungshandeln insgesamt übertragen und zum Teil als Grundmodell u. a. auch für die Literatur eingesetzt (Jakobson). Es weist gegenüber reduktionist. ling. Grundkonzepten den Vorteil auf, dass nicht nur die Strukturen des sprachl. »Systems« thematisiert werden, sondern auch die Bedingungen seines Gebrauchs und die Einbeziehung der verschiedenen am Gebrauch beteiligten Instanzen. [...] Kaum beachtet wurden dabei die nachrichtentechn. bedingten Verkürzungen menschl. Verständigung, vor denen bereits K. Bühler (1879-1963), einer der ersten Verwender der »Sender«-»Empfänger«Metaphorik, gewarnt hatte. Insbesondere wird Sprach so leicht zu einem Signalsystem, einem Kode, verkürzt. [...] Das nachrichtentechn. Modell erlaubt unter dem Stichwort »Kanal« auch die Einbeziehung unterschiel. Formen und Verständigung, insbesondere paralinguistische und nonverbale K. Auch dieser Aspekt wurde ling. verallgemeinert. In diesem Sinn ist >K.< weiter als >Sprache<; kommunikatives Handeln umfasst das sprachl. Handeln als eine - ausgezeichnete - Form von Verständigungshandelm. [...] Aus der Sicht einer konstruktivist.-relativist. Psychotherapie legten Watzlawick u. a. (1967) eine gleichfalls sehr einflussreiche Theorie der menschl. K. vor, in der zwei Modalitäten von K., beziehungs- und sachbezogene, voneinander unterschieden werden. [...]

(aus: Metzler Lexikon Sprache 1993, S.315f., gekürzt)

     
 
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