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Hofmannswaldau: Die Wollust - Die Tugend

Interpretation

Paul Stöcklein (1956)


 

Hofmannswaldau schrieb ein bekanntes Gedicht "Die Wollust". Blättert man in dem alten Band von 1679, so entdeckt man das folgende Gedicht "Die Tugend", das genau diesselbe Länge, dasselbe Versmaß und viele anspielungsreiche Ausdrucksgleichheiten mit jenem aufweist. Es ist ein Pendant. Sein "Gegen-Satz". Solches gibt es unzählige Male im Barock. Es streiten z. B. Mars und Vernus: Taten-Mut und Liebe. Oder Vergänglichkeitsklage und Ewigkeitshoffnung. Zwei konträre, spiegelbildliche Gedichte nehmen die Wahrheit zwischen sich in die Schwebe. So wird die ungesagte Wahrheit, oder die kaum sagbare Wahrheit, dennoch verlautbart, ja in den höchsten Fällen sogar anschaulich gestaltet. Sie wohnt, wie gesagt, in der Mitte, doch meistens einem Partner näher. (Gestaltungsweisheit: der Don Quixote wird durch Sancho, Julia durch die Amme "ergänzt".) Dies gilt - und auf diesen Analogieschluss kommt es an - nicht nur für Pendant- und Zyklusstücke, sondern es gilt für die meisten barocken Gedichte, vorzüglich die meisten weltlichen Gedichte.

(aus: Stöcklein, Paul (1956): Hofmannswaldau und Goethe: "Vergänglichkeit" im Liebesgedicht, in: Hirschenauer/Weber (Hg.)1956, S.77-98, h: S.78)
 

 
 
   Arbeitsanregungen:
  1. Arbeiten Sie die zentrale Interpretationshypothese von Paul Stöcklein zu dem Gedicht »Die Wollust - Die Tugend« von Hofmannswaldau (1616-1679).heraus.
  2. Belegen Sie seine These am Gedichttext.
  3. Ausstrahlung eines geselligen Lebens und des allgemeinen Weltbildes, aber auch Rollenbildung sind nach Ansicht von Paul Stöcklein wesentliche Merkmale eines barocken Kunstganzen. Erläutern Sie den Zusammenhang am vorliegenden Gedicht von Hofmannswaldau.
    Stöcklein, Paul: Das barocke Gedicht als Teil eines Kunst-Ganzen (1956)

  

 
  
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