Brecht, Bertolt: Dramen- und Theatertheorie

Geschichtsdrama und Parabeltyp

Jan Knopf

 
 
  Brechts Dramen pflegen im allgemeinen entweder dem »Geschichtsdrama« (z.B. Galilei) oder dem Parabeltyp (z.B. Guter Mensch von Sezuan) gattungsmäßig zugeordnet zu werden. Beide Zuordnungen sind inzwischen vieldiskutiert und weisen ihre spezifischen Probleme auf. Beim Geschichtsdrama ist es vor allem die Frage der Aktualisierung bzw. als Pendant der »Historisierung«: wie kann ein historischer Stoff aktualisiert werden, ohne dass er historisch verfälscht wird […]? Andererseits: wie kann sichergestellt werden, dass das vorgeführte historische Geschehen den Zuschauer veranlasst, seine eigene Zeit zu historisieren, aus der Geschichte ein Bewusstsein von seiner Gegenwart zu entwickeln? - Beim Parabeltyp ergeben sich Schwierigkeiten vor allem im Hinblick auf die Realitäts»abbildung«: inwieweit ist die Parabel nicht bloßes Konstrukt, das die Wirklichkeit »überspringt«, anstatt sie zu beschreiben? Ist das, was die Parabel darstellt, nicht eine zu stark vereinfachende »Wiedergabe« von Wirklichkeit? Und erfüllt sich ihr Sinn nicht darin, schon Gewusstes lediglich »bildhaft«, und das heißt didaktisch, einzukleiden, so dass sie sich in illustrierender Lehre erschöpft? [...]

(aus: Knopf  1996, S.405ff.)
 

 
 
   Arbeitsanregungen:
  1. Arbeiten Sie in einer tabellarischen Gegenüberstellung heraus, welche Probleme bei der Inszenierung und Rezeption der beiden Dramentypen auftreten können.

  2. Versuchen Sie die aufgeworfenen Fragen mit eigenen Beispielen zu erläutern.

  3. Zeigen Sie, wie Brecht diese Fragen zu seiner  Dramen- und Theatertheorie in einzelnen Stücken beantwortet hat.
     

 
     
   
 
 

 

 


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