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Als Freie E-Petitionsportale bieten Advocacy Networks eine Vielzahl von Angeboten, die von formelllen E-Petitionsangeboten wie der →E-Petition des Deutschen Bundestags naturgemäß nicht offeriert werden können. Sie bieten z. B. über die Zeichnung einer Petition hinaus E-Mails und Newsletter an, sammeln Spenden, um die Zeichnung einer E-Petition mit Anzeigen auf anderen Webseiten bewerben zu können und unterstützen die Petenten mit ihrem Braintrust, dem in Blogs und Wikis dafür gesammelten Wissen. Zudem bieten sie auch die Möglichkeit, sich international zu vernetzen und schaffen damit eine translokale und transnationale zivilgesellschaftliche Öffentlichkeit. Agieren Sie international, sind sie Teil der globalen Netzwerkgesellschaft und einer der Agenten der fortlaufenden Globalisierung der Medienkommunikation. Angesichts der globalen Probleme der Menschheit eine Möglichkeit also, sich z. B. in Europa mit den Klimaflüchtlingen aus Ozeanien zu vernetzen und gemeinsam die Stimme für den Klimaschutz zu erheben. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Online-Petitionsportalen im Internet, die ihren Nutzern bestimmte Partizipationspfade anbieten. Dazu zählen u. B. »Aavaz.org, »Campact.de, »Change.Org, »MoveOn.org oder »OpenPetition.org. Sie konkurrieren miteinander um registrierte Mitglieder, Spenden und letztlich um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Wie im übrigen auch die formellen E-Petitionsangebote können und wollen sie herkömmliche Formen der politischen Partizipation nicht ersetzen und sie tun es offensichtlich auch nicht. Wer sich öfters an Online-Petitionen beteiligt, legt sich nämlich keineswegs auf die faule Haut, wenn sich andere in den klassischen Offline-Formen politischer Partizipation engagieren, in Parteien mitmachen, Bürgerinitiativen gründen, Info-Stände gestalten oder an Demonstrationen teilnehmen. Im Gegenteil, wer sich online politisch betätigt, das haben Studien ergeben, der ist auch mit einer nahezu doppelt so großen Wahrscheinlichkeit bei solchen Offline-Aktionen dabei. (vgl. Richter/Bürger 2014, S.255) Wer eine Petition auf einer der freien E-Petitionsportalen einstellt, kann dafür - wie bei den formellen E-Petitionen auch - unterschiedliche Motive haben, über die mangels empirischer Erkenntnis sich nur Vermutungen anstellen lassen.
Natürlich kann hier zu den Motiven nichts Abschließendes gesagt werden, da auch die empirische Forschung, wie schon oben erwähnt, darüber derzeit noch am Anfang steht. Freie Petitionsportale, insbesondere jene, die weiter oben aufgeführt
sind, bemühen sich durchaus, Petitionen, die irgendwie anstößig sind, Gewalt
verherrlichen oder extremistischen Anschauungen Vorschub leisten wollen,
einen Riegel vorzuschieben. Allerdings kommen auf diesen Portalen doch auch
immer wieder Petitionen vor, die nur spärlich ihren extremistischen, in der
Regel rechtsextremistischen Hintergrund verdecken. Der Versuch, möglichst
"seriöse" Informationskanäle zu nutzen, passt dabei in das aktuelle Konzept
von Tarnen und Täuschen, mit dem sich Rechtsextremisten an die "bürgerliche
Mitte" heranmachen, um dort vorhandene Ressentiments und Vorurteile mit
rechtsradikalen Überzeugungen zu vermengen (z. B. das seit Herbst 2014
auftretende rechtspopulistische und rechtsextreme Demonstrationsbündnis »PEGIDA
(= Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes). Mehr
noch: Ins Visier genommen haben Rechtsextremisten mit dieser Strategie vor
allem Jugendliche, denn soziale
Netzwerke bieten den Rechtsextremisten einen idealen
Kommunikationsraum, um an diese Zielgruppe zu gelangen. Dabei
nutzen sie alle Plattformen und Möglichkeiten des Web 2.0. Sie twittern, posten, sharen und liken so wie Millionen anderer Nutzer
und Nutzerinnen auch. Mit einer bis dahin nicht möglichen Reichweite
tragen sie so ihre menschenverachtenden und demokratiefeindlichen
Positionen in den letzten Winkel des Internets.
Selbstverständlich kann und soll nicht jeder, der sich heutzutage für höhere Strafen für sexuellen Missbrauch von Kindern einsetzt, hier in einen Topf geworfen werden, mit denen die ihren vermeintlichen "Kampf gegen Kinderschänder" dafür nutzen wollen, rechtsradikale Einstellungen "salonfähig" zu machen, aber Portalbetreiber und ihre Nutzer sind aufgefordert, sich für diese rechtsextremistische Strategie zu sensibilisieren und ihr entgegenzutreten. Das gilt insbesondere unter dem Blickwinkel des Jugendmedienschutzes. So könnten es auch viele junge Leute, die gewohnt sind, zu twittern, zu posten, zu sharen und zu liken, dem trügerischen Gefühl folgen, etwas Richtiges und Gutes beim Unterzeichnen solcher E-Petitionen zu tun. (»Slacktivism) (→Gert Egle (2014): Neonazis im Web. Tarnen und Täuschen) Und ebenso wichtig ist auch der kritische Blick auf die Formen des so genannten Clicktivism, d. h. mit der Offerte der sozialen Medien, die auch in früher "abgeschirmten" Partizipationspfade politischer Willensbildung eindringen, mit einem Mausklick eine Sache zu unterstützen. Die "Like-Kultur" der sozialen Medien, die geringe Verbindlichkeit solcher Zustimmungsakte stellen so in gewisser Weise auch eine Gefahr für die intendierte Wirkung von E-Petitionen ein. Letzten Endes stehen Freie E-Petionsportale aber auch unter Erfolgsdruck. Ihr "Geschäftsmodell" funktioniert so lange, so lange sie mit Erfolgsmeldungen aufwarten können, die eine im günstigsten Fall positive Reaktion der Adressaten auf eine Petition dokumentiert. Zumindest aber müssen sie unter Beweis stellen, dass es ihnen gelingt, Aktivistinnen und Aktivisten bei ihren Kampagnen wirkungsvoll zu unterstützen, indem sie die von ihnen erreichbare Öffentlichkeit für das Anliegen der Petenten mobilisieren und zur Vernetzung ihrer Nutzer und Nutzerinnen auf ihrer Plattform und darüber hinaus beitragen. Gert Egle, www.teachsam.de, 24.3.04) |
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Arbeitsanregungen:
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