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Jugendliche ordnen sich, verglichen mit der Gesamtbevölkerung, traditioneller Weise "etwas weiter links ein". (Schneekloth 2010., S,134) Und: je höher ihr angestrebter Schulabschluss, desto eher tun sie das, je niedriger dieser ist, desto eher streben Jugendliche der Mitte zu. (ebd., S,134) "Ich wusste nicht, dass man die, die halt nicht gegen Ausländer sind, links nennt" Wenn man unter Jugendlichen weiter nachfragt, ist oft in keiner Weise klar,
was Links-Sein eigentlich bedeutet bzw.
bedeuten könnte.
Jugendliche ordnen sich ungern auf der Links-rechts-Skala ein Unter Jugendlichen besteht eine "hochgradige Unsicherheit im Gebrauch der beiden Begriffe »links« und »rechts«". Zugleich betonen sie auch immer wieder, dass sie in ihrem "großen Unbehagen im Gebrauch der Links-Rechts-Skala" damit "ihre eigene politische Selbstbeschreibung" nicht vornehmen können oder wollen. (Wächter 2004, S.15ff., Hervorh. d. Verf.)
Aber nicht nur Jugendliche wissen
oft nicht, was sie mit der Raummetaphern links und rechts genau anfangen
sollen. Manche Erwachsene, die vor einiger Zeit noch glaubten, dass die
Begriffe links und rechts zu den "grundlegenden und bedeutungsstiftenden Kriterien des politischen Diskurses" gehörten,
zählen sie schon seit längerem "zum ideologischen Schrotthaufen", der
eigentlich schon längst "ins große Wachsfigurenkabinett" müsste. (Marco
Revelli 1990, zit. n.
Bobbio
1994/20046, S.7) Was gilt als eher links, was als eher rechts? Trotz ihres Unbehagens im Umgang mit der Rechts-links-Polarität
wissen Jugendliche "derzeit noch" mit dem politisch
etablierten Links-rechts-Code in Gesellschaft und politischer Kultur
etwas anzufangen. Sie verfügen auch über ein breites Bedeutungsspektrum dazu (vgl. Wächter
2004,
S.16). Studierende, die Mitte der 1990er Jahre befragt wurden, was für sie links und rechts sei, beantworteten die Fragen besonders häufig damit (vgl. Demirovic 1997) :
Zwischen den beiden Lagern wird dadurch eine deutliche Polarität erkennbar: "Der sozialen, fortschrittlichen, ökologischen, weltoffenen Position auf der Linken wird die konservative, traditionalistische, besitz- und machtorientierte sowie nationalistische und fremdenfeindliche Position auf der Rechten gegenübergestellt. Der konventionelle Gegensatz wird vor allem durch den linken Wertakzent, den die Ökologie erhält, erweitert." (ebd.) Wie werden die Elemente der Linken oder Rechten zugeordnet? Was die Studierenden in der obigen Befragung für eher links oder eher rechts hielten, ist einfach linear aufgelistet. Interessant wird es aber vor allem, wenn man die Angaben in gruppenbezogene und themenbezogene (ideologische) Merkmale unterteilt.
Ausländerfeindlichkeit und Ausländerfeindlichkeit sind oft die wesentlichen Anker in der Links-rechts-Polarität Eine besondere Bedeutung für Jugendliche hat die Bipolarität von Ausländerfeindlichkeit und Ausländerfreundlichkeit. Sie gewinnen den Begriff der Multikulturalität oft aus dem ex negativo zu Ausländerfeindlichkeit gebildeten Begriff der Ausländerfreundlichkeit. Weitaus wichtiger ist allerdings, dass "ausländerfeindlich" zum "wesentlichen Anker bei ihrer Beschreibung der Links-Rechts-Skala [...] und ihr Ausgangspunkt für Erklärungen" dessen ist, was als rechts gilt. (ebd., S.15) Wenn ein befragter Hauptschüler erklärt: "Hauptsache, ich kenn mich bei rechts aus, Mann. Ich weiß gar nicht, was links bedeutet." (Jagodzinski/Kühnel 1994, S.321, zit. n. ebd), dann bringt diese Aussage eine überraschende Tatsache zum Ausdruck: Jugendliche verstehen eher, was "rechts", Erwachsene dagegen eher, was "links" bedeutet. (vgl. ebd.) So zieht Franziska Wächter (2004, S.15) das folgende Resümee, bei dem sie einmal mehr die jungen Leute selbst zu Wort kommen lässt: "Jugendliche bestehen auf einer differenzierten, themenbezogenen Betrachtung und Bewertung von Politik. Sie empfinden die Verwendung von »links« und »rechts« als »ungebräuchlich«, akzeptieren zwar, dass Politik sich nun mal - wenn auch zunehmend verschwommen - dieser Begriffe bedient, für sie selbst und das Ausdrücken der eigenen politischen Meinung eignen sich »links« und »rechts« jedoch nicht. »Also für mich macht diese Unterscheidung in links und rechts so wenig ... ist so wenig aussagekräftig. Wenn ich jetzt ein Thema hab und, ähm, ich stell mich auf eine Seite, dann ist es mir egal, ob das die linke oder die rechte Seite ist, sondern die, mit der ich mich identifizieren kann. Und das ist oft ... das ist sowieso schon schwierig, weil's Themen gibt, bei denen man so oder so argumentieren kann, wo man mich dann so oder so überzeugen kann. Und deswegen ist es wirklich schwierig." In der Tat: Wer sich als links einschätzt, "gibt also - wie die Gegensätzlichkeit der Bedeutungen zeigt - zunächst einen deutlichen Hinweis auf die Ablehnung von rechten Ideologemen." (Demirovic 1997) Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 28.07.2016
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Arbeitsanregungen:
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