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Christliche Sexualmoral, Sexualstrafrecht und Policey-Ordnungen

Von der mönchischen Askese zur allgemeinen christlichen Sexualmoral

Frühe Neuzeit (1350-1800)  « –  Einzelne sozial- und mentalitätsgeschichtliche AspekteSexualleben

 
GESCHICHTE
Grundbegriffe der Geschichte Europäische Geschichte Frühe Neuzeit (ca. 1350-1800) Zeitalter der Renaissance (ca.1350-1450) Reformation und Glaubenskriege (1517-1648) Zeitalter der Entdeckungen (1415-1531) Absolutismus und Aufklärung (ca. 1650-1789) Beginn des bürgerlichen Zeitalters   Aspekte und RahmenthemenÜberblick Verschiedene Aspekte Rahmenthemen Einzelne sozial- und mentalitätsgeschichtliche Aspekte Überblick Bevölkerungsentwicklung Landleben Stadtleben • Familienleben FrauenlebenKinderlebenLeben der Alten Berufsleben Sexualleben in der frühen Neuzeit Didaktische und methodische Aspekte Überblick [ Christliche Sexualmoral, Sexualstrafrecht und Policey-Ordnungen in der frühen Neuzeit Überblick Von der mönchischen Askese zur allgemeinen christlichen Sexualmoral Innereheliche Sexualität als Notlösung gegen das Begehren Sakramentalisierung und Klerikalisierung der Ehe Die christliche Einmischung in sozio-sexuelle Praktiken Christliche Moral und staatliches Recht Rechtsprechung bei Sexualdelikten Bausteine ] Die Ehre von Frauen als Sittlichkeitsnorm und soziale Zwangsstruktur  Sexuelle Gewalt Altersungleiche Paarbeziehungen Die Entwicklung sozial konstruierter Scham in der frühen Neuzeit und im BarockLeben des Adels Soldatenleben Studentenleben KlosterlebenRäuberleben Mode und KleidungReisen Kranke und Gesunde Lesen Deutsche Geschichte
 

Sozialdisziplinierung als Mittel der Staatsentwicklung
Überblick
Aspekte der Sozialdisziplinierung (Oestreich/Schulze)
(Literaturgeschichte:) Die höfische Form der Erotik im Barock

Sexuelle Repression, Unterdrückung, Kanalisierung und Sublimierung sexueller Bedürfnisse beginnen schon vor der Frühen Neuzeit (1350-1800) und haben eine ihre eigene Geschichte.

Schon im frühen Christentum forderten Mönche dazu auf, in sexueller Enthaltsamkeit zölibatär zu leben, aber erst nach dem »Konzil von Trient (1563) konnte der schon 400 Jahre zuvor auf dem »Zweiten Laterankonzil (1139) für höhere geistliche Würdenträger und Priester geforderte Zölibat durchgesetzt werden.

Die Vorstellungen der mönchischen Askese waren darauf ausgerichtet, einen als Einsiedler lebenden Mönch vom "Geist der Begehrlichkeit" (Foucault 1992, S.26) zu befreien. Über verschiedene Stufen sollte er mit Hilfe bestimmter Selbstbeeinflussungstechniken zur Keuschheit und »Schamhaftigkeit« gelangen, die am Ende weder im Schlaf noch im Wachzustand unzüchtigen Gedanken und den daraus folgenden körperlichen Erregungszuständen (z. B. eine nächtliche, sonst kaum steuerbare »Pollution (Samenerguss)) Raum lässt:

"Das wird das untrügliche Kennzeichen und der vollständige Beweis dieser Keuschheit sein," formulierte der Abt »Johannes Cassianus (etwa 360-435 n. Chr.), "wenn uns während der Ruhe und des Schlafes kein Trugbild vor die Seele tritt" oder "wenn uns während der Ruhe kein Reiz der Wollust berührt und die durch die Gesetze der Natur bedingten Ausscheidungen unreiner Stoffe ohne unser Wissen vor sich gehen." (zit. n. Foucault 1992, S.33).

Der Katalog von acht »Lastern, mit denen Cassian an noch ältere Lasterkataloge und an antike Auffassungen des »Stoizismus und »spätantike des »Neuplatonismus anschloss, zählte neben der Unkeuschheit weitere sieben Hauptlaster (Unmäßigkeit, Habsucht, Zorn, Traurigkeit, Überdruss, Ruhmsucht, Hochmut) auf, die später in der christlichen Morallehre als Kapitalsünden fungierten.

Aber auch andere Regeln klösterlicher Moral wie die Aufforderung zur sexuellen Enthaltsamkeit an den zahlreichen christlichen Feiertagen und in den langen Fastenzeiten vor Ostern und im Advent wurden Elemente der offiziellen katholischen Ehedoktrin und sollten dafür sorgen, dass die christliche Ehe, die neben ihrer Funktion zur Zeugung legitimer Nachkommenschaft ohnehin nur als Notlösung gegen die Wollust betrachtet wurde, sexuell nicht aus dem Ruder lief.

Folgt man den zeitgenössischen Abhandlungen namhafter christlicher Moraltheologen, den Sammlungen von Gewissensfällen in solchen Fragen und den einschlägigen Beichtbüchern der Frühen Neuzeit (1350-1800), stellt sich die christliche Sexualmoral, auch wenn sie sich von der vorausgegangenen nicht so massiv unterscheidet, wie allgemein angenommen wird (vgl. Foucault 1992, S.38), nach Flandrin (1992, S.147f.) wie folgt dar:

"Im Mittelpunkt der christlichen Moral steht ein tiefes Misstrauen gegen alle sinnlichen Freuden, weil sie den Geist zum Gefangenen des Körpers machten und ihn daran hinderten, sich zu Gott zu erheben. Man muss essen, um zu leben, doch vor den Freuden des Gaumens gilt es sich zu hüten. Ebenso sind wir verpflichtet, uns mit dem anderen Geschlecht zu vereinigen, um Kinder zu zeugen; aber wir dürfen uns nicht dem sexuellen Vergnügen hingeben. Die Sexualität hat zum alleinigen Zweck die Fortpflanzung;  wer sie mit anderen Interessen verknüpft, etwa dem Genuss, der treibt Missbrauch mit ihr."

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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 17.08.2026

 

 
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