teachSam- Arbeitsbereiche:
Arbeitstechniken - Deutsch - Geschichte - Politik - Pädagogik - PsychologieMedien - Methodik und Didaktik - Projekte - So navigiert man auf teachSam - So sucht man auf teachSam - teachSam braucht Werbung


 

 

Bevölkerungsentwicklung

Strukturelle Faktoren

Frühe Neuzeit (1350-1789 Absolutismus und Aufklärung (ca. 1650–1789) AufklärungAspekte der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung

 
GESCHICHTE
Grundbegriffe der Geschichte Europäische Geschichte Frühe Neuzeit (1350-1789) Didaktische und methodische Aspekte Überblick Zeitalter der Renaissance (ca.1350-1450) Zeitalter der Entdeckungen (1415-1531) Reformation und Glaubenskriege (1517-1648) Absolutismus und Aufklärung (ca. 1650-1789) Die Aufklärung Didaktische und methodische AspekteÜberblickswissen Begriff und Diskurs um Wesen und Bedeutung der Aufklärung Aufklärer (Auswahl) Aufklärerinnen (Auswahl) Aspekte der politischen und  gesellschaftlichen Entwicklung Überblick [ Bevölkerungsentwicklung Überblick Strukturelle Faktoren] Ökonomische Verhältnisse Bausteine Textauswahl Bausteine Fragen und Antworten (KI) Links ins Internet Die Entstehung des frühmodernen Territorialstaates im Absolutismus Repräsentation von Macht im höfischen AbsolutismusDer Beginn des bürgerlichen Zeitalters mit der Französischen Revolution 1789Einzelne sozial- und mentalitätsgeschichtliche Aspekte Bausteine Beginn des bürgerlichen Zeitalters Deutsche Geschichte
 

Das Reich im Zeitalter des Absolutismus (1648-1806)
Kontinuität und Wandel im Deutschen Reich (1763-1806

Baustein: teachSam-Quiz Bevölkerungsentwicklung 2 (docx-Download - pdf-Download)

Nach den Krisen des 17. Jahrhunderts mit seiner "demographischen Schrumpfungsphase" (Schilling 1994a, S.480) in seiner ersten Hälfte war das 18. Jahrhundert europaweit ein Jahrhundert des Bevölkerungswachstums, das in unterschiedlichen Regionen aber sehr unterschiedlich ausfiel. Am stärksten wuchs die Bevölkerung in Ost- und Ostmitteleuropa, weniger stark in Italien und im Gebiet des Heiligen Römischen Reichs bzw. des Alten Reichs, wo die großen • Bevölkerungsverluste im • Dreißigjährigen Krieg (1618-1648 erst allmählich ausgeglichen werden konnten. Hier  es in Deutschland wohl drei bis vier Generationen bis etwa zu Beginn der 1740er Jahre der Bevölkerungsstand von 1618 wieder erreicht wurde. (vgl. Schmidt 2009, S.23)

Die Gründe für das europaweite Wachstum der Bevölkerung in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts sind vielfältig. Dabei sind es auch strukturelle Faktoren, die das Bevölkerungswachstum im 18. Jahrhundert beeinflussen.

Heiratsalter und die Bedingungen für Eheschließung und Familiengründung

Das Heiratsalter und die Bedingungen, die für die Eheschließung und die Familiengründung galten, sind wohl mit die wichtigsten strukturellen Faktoren, die auf die Bevölkerungsentwicklung Einfluss genommen haben.

Das Heiratsalter war in den frühneuzeitlichen Gesellschaften Europas hoch. Bei Männern lag durchschnittlich etwa zwischen 27 und 28 Jahren, bei Frauen zwischen 25 und 26 Jahren. (vgl. Schmidt 2009, S.28) Im 17. und 18. Jahrhundert könnten im Alter von 30 Jahren maximal ein Drittel der Männer und weniger als die Hälfte der Frauen verheiratet gewesen sein. (vgl. Schilling 1994a, S.87)

Das hohe Heiratsalter der Frauen nahm entscheidenden Einfluss auf die Fertilität der Bevölkerung. Es verkürzte die Fertilitätsphase der Frauen und führte dazu, dass eine Frau entsprechend weniger Kinder bekam, wobei dennoch 15 Geburten für eine Frau gar nicht so außergewöhnlich waren. (Schmidt 2009, S.25) Da verheiratete Frauen in der Regel entweder schwanger waren oder ihre Säuglinge längere Zeit stillten, was "unter den frühneuzeitlichen Ernährungslagen zu einer verminderten Fruchtbarkeit bis hin zu einer temporären Sterilität" (ebd., S.24 )führen konnte, wurden im Allgemeinen in einer in einer durchschnittlichen Ehe etwa alle zweieinhalb Jahre ein Kind geboren (vgl. Schilling 1994a, S.88). Doch selbst in Familien, deren Mütter sehr viele Geburten erlebten, saßen angesichts der hohen Säuglings- und Kindersterblichkeit und dem Beginn des Arbeitslebens mit 12 bis 14 Jahren selten mehr als fünf Kinder an einem Tisch (Schmidt 2009, S.25) , und das jüngste und älteste Kind einer Familie lagen oft 20 bis 30 Jahre, also eine ganze Generation auseinander. (vgl. Schilling 1994a, S.88).

So wirkte die "verzögerte Heirat" wie eine "kollektive Geburtenplanung" (ebd., S.24) bzw. eine "folgenreiche Familienplanung" (Schorn-Schütte 2009, S.28) der ländlichen und städtischen Bevölkerung in Europa. Zugleich hemmte das hohe Heiratsalter nicht zuletzt auch wegen der ohnehin geringen Lebenserwartung das Bevölkerungswachstum, reichte aber angesichts des vorhandenen Geburtenüberschusses für das kontinuierliche Anwachsen der Bevölkerung als Ganzes. (vgl. Schilling 1994a, S.86)

Wer in der Frühen Neuzeit in Mittel- und Nordeuropa heiraten wollte, konnte dies nur tun, wenn Eltern und vor allem Landesordnungen und Gemeinden ihre Zustimmung gaben.

Materielle Voraussetzung dafür "war die Existenz einer zur Ernährung der zu erwartenden Familie ausreichenden Erwerbsstelle, das war entweder ein Hof oder ein Handwerksbetrieb." (Schorn-Schütte 2009, S.28) Wer dies nicht vorweisen konnte, musste ehelos leben und konnte sich nicht legitim fortpflanzen.

Die meisten Kinder wurden ehelich geboren, der Anteil unehelich geborner Kinder war regional unterschiedlich hoch und schwankte in den Städten sehr. Allgemein könnte in Städten 10:1 und auf dem Land 16:1 betragen haben. Dabei muss allerdings eine hohe Dunkelziffer eingerechnet werden, "da Abtreibung und Kindesmord als Reaktion auf kirchliche, gesellschaftliche und staatliche Sanktionen, zum Beispiel öffentliches Auspeitschen, keine Seltenheit blieben." (Schilling 1994a, S.87)

Allerdings zeigt auch die seit Mitte des 18. Jahrhunderts sprunghaft angestiegene Zahl unehelich geborener Kinder (Illigitimitätsquote), dass sich viele jungen Leute bei ihrer Aufnahme sexueller Beziehungen "nicht mehr um eheliche Eheverbote oder Einsprüche der Gemeinde" (Gestrich 2003, S.486) kümmerten und neue Arten gesellschaftlich ansonsten nicht gewünschter Liebesbeziehungen eingingen.

Ob die voreheliche Sexualität gesellschaftlich akzeptiert wurde, hing dabei auch von der Schichtzugehörigkeit der jungen Menschen ab. Während voreheliche Sexualität im bäuerlichen Bereich als Teil einer Art Kontrakt unter bestimmten Regeln "ganz allgemein weitgehend akzeptiert" (Gestrich 2013, S.32) war, war die legitime Sexualität im Bürgertum völlig an die Ehe gebunden und unehelich Kinder für bürgerliche Frauen eine Katastrophe.

Als Knechte, Mägde, Gesellen, aber auch als zweite oder dritte Söhne, wenn nur der erste Sohn den Besitz erbte (»Anerbenrecht), musste ca. 10 bis 20 Prozent eines Jahrganges ganz auf die Ehe verzichten, es sei denn Kriege, Missernten, Teuerungen oder Seuchen verbesserten zeitweilig die Situation dieser "demographischen Reservearmee" (Schmidt 2009, S.24)

Die hohen Mortalitätsraten nach solchen "bevölkerungsgeschichtlichen Krisen" (Schorn-Schütte 2009, S.29), in denen die Heiratsraten und die Zahl der Geburten drastisch sanken, hatten damit "»segenreiche« Folgen für die Gesamtheit der Bevölkerung; denn für einen längeren Zeitraum wurden Hofstellen und Handwerksbetriebe früher frei als erwartet, die Neugründung von Familie war sehr viel leichter möglich. Zugleich stieg in dieser Phase die eheliche Fruchtbarkeit, denn angesichts der zahlreichen Vollerwerbsstellen konnte sowohl das Heiratsalter sinken als auch die erzwungene Ehelosigkeit abnehmen." (ebd.)

Die Partnerwahl

Die Bindung der Ehe an die Gründung eines eigenen Hausstandes, Eigentum und Besitz bestimmte auch die Regeln der Partnerwahl. Ehen wurden im Allgemeinen über die verschiedenen gesellschaftlichen Stände hinweg arrangiert und ließen den Partnern selbst wenig Entscheidungsspielräume (vgl. Gestrich 2003, S.488ff.) Dabei stiegen in Europa über alle Schichten hinweg die Verwandtschaftsehen zwischen Cousins und Cousinen deutlich an. (vgl. ebd., S.493)

Im Allgemeinen waren im 18. Jahrhundert die strukturellen und weltanschaulichen Voraussetzungen für die nicht-arrangierte Ehe nach einem liberalen Modell der Partnerwahl wie die "Entkoppelung der Lebens- und Zukunftssicherung der Kinder vom Besitz der Eltern, die Mobilität der jungen Generation, das frühe und mehr oder weniger dauerhafte Verlassen des Elternhauses und der Gemeinde in der Jugend" (ebd., S.498) noch nicht gegeben.

Das Reich im Zeitalter des Absolutismus (1648-1806)
Kontinuität und Wandel im Deutschen Reich (1763-1806

Baustein: teachSam-Quiz Bevölkerungsentwicklung 2 (docx-Download - pdf-Download)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 20.08.2025

    
   Arbeitsanregungen
  1. Welche Regionen Europas verzeichneten im 18. Jahrhundert das stärkste Bevölkerungswachstum, und wo fiel es geringer aus?
  2. Wie wirkte sich das hohe Heiratsalter von Männern und Frauen auf die Fertilität und das Bevölkerungswachstum aus?
  3. Welche Rolle spielten Eltern, Gemeinden und Landesordnungen bei der Genehmigung von Eheschließungen?
  4. Warum war die Zahl unehelicher Kinder im 18. Jahrhundert regional unterschiedlich, und welche Faktoren führten zu einer hohen Dunkelziffer?
  5. Was versteht man unter der "demographischen Reservearmee" und welche Ereignisse konnten deren Lage verbessern?
  6. Warum waren im 18. Jahrhundert meist arrangierte Ehen üblich, und weshalb waren die Voraussetzungen für eine freie Partnerwahl noch nicht gegeben?
 
   
 

 
ARBEITSTECHNIKEN und mehr
Arbeits- und Zeitmanagement Kreative Arbeitstechniken Teamarbeit ▪ Portfolio ● Arbeit mit Bildern  Arbeit mit Texten Arbeit mit Film und VideoMündliche Kommunikation Visualisieren PräsentationArbeitstechniken für das Internet Sonstige digitale Arbeitstechniken 

 
  Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA)
Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von
externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de
-
CC-Lizenz