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Foucaults Verständnis von Wissen

Wissensbegriff der Wissenssoziologie

« Diskursanalytisches Modell – Einzelne Begriffe und Konzepte (Foucault) – Macht und Wissen

 
Fachbereich Deutsch
● Glossar
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Aus dem Werkzeugkasten der Diskursanalyse

»Michel Foucaults (1926-1984) • Diskursbegriff ist wissenssoziologisch fundiert. Um zu verstehen, was das grundsätzlich bedeutet, muss man sich, zumindest in Form eines knappen Überblicks über den Begriff des Wissens Klarheit verschaffen, ohne sich dabei allzu tief auf Vielfalt der Elemente dieses Diskurses in der Fachwissenschaft einlassen zu können, auf die hier ausdrücklich verwiesen werden soll.

Wissen, wie es die »Wissenssoziologie versteht, geht, so weit herrscht wohl in der Fachdisziplin Einigkeit, von der These der "Sozialität von Wissen und Erkennen" aus. Sie meint damit, dass "Wissen und Erkenntnis (...) nicht nur ein individuelles Vorkommnis, sondern ein soziales Ereignis (ist)" (Knoblauch 32014, S.14), Wissen also seinem Wesen nach sozial ist. (vgl. ebd., S.16) Dabei ist aus Sicht "der Wissenssoziologie [...] alles Handeln grundsätzlich an Wissen gebunden " (ebd., S.356)

Die These von der Sozialität des Wissens bedeutet allerdings nicht, dass das erkennende Subjekt, der Mensch als Individuum also, keine Bedeutung für das Wissen und seine Produktion besitzt. "Wissen setzt", so sieht es Knoblauch (32014, S.353), "Subjektivität voraus." Allerdings dürfe man angesichts der Tatsache, dass Wissen "deswegen wesentlich subjektiv" sei und "zur Konstitution der Identität maßgeblich" beitrage, nicht den Schluss ziehen, dass das menschliche Subjekt quasi eine Art »Wissensspeicher« darstelle. Das subjektive Wissen müsse vielmehr von seiner Funktion her betrachtet werden, die darin bestehe, das Subjekt zu einer Identität zu machen.

Die Wissenssoziologie, wie sie von »Hubert Knoblauch (geb. 1957) und anderen in ihrer »hermeneutischen Ausrichtung vertreten wird, schließt Meinungen (δοξα, doxa) im oben dargestellten Sinne, die den »common sense« darstellen, aus dem Wissen nicht aus. Und auch zahlreiche andere Wissenssoziologen "rücken [...] die »Meinungen« in den Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit, ja manche gehen sogar soweit, alles Wissen zur Meinung zu erklären." (ebd., S.16f.)

Wissen und Meinung werden also nicht immer streng voneinander getrennt und ihre Beziehungen zueinander werden kontrovers betrachtet.

So lässt sich gegen die Gleichsetzung von Wissen und Meinung argumentieren, dass man nur dann etwas wissen kann, wenn man sich eine Meinung gebildet hat: "Der Satz ›Ich weiß, dass es regnet, aber ich bin nicht der Meinung, dass es regnet.‹ wäre ein Selbstwiderspruch." (vgl. »Wikipedia) Unterstellt wird dabei, dass eine Meinung noch nicht hinreichend für Wissen ist, denn falsches Wissen, so diese Auffassung gibt es nicht, falsche Meinungen allerdings schon. Indem Wissen an ›Wahrheit‹ gekoppelt ist, kann eine Meinung nur dann als ›wahr‹ gelten, wenn ihr Anspruch auf ›Wahrheit‹ auch eingelöst bzw. »gerechtfertigt werden kann.

Im Allgemeinen aber lässt sich wohl sagen, dass die Wissenssoziologie das Wissen nicht auf angeblich »wahres« Wissen reduziert. Stattdessen fragt sie stets danach "wer denn welches Wissen für wahr hält. Wahrheit also ist Geltung, und diese Geltung ist sozial bestimmt."  (ebd., S.17)

Wissen setzt also, wissenssoziologisch betrachtet, keinen Wahrheitsbegriff voraus und orientiert sich nicht nur an der Wissenschaft. Damit ist Wissen auch "keineswegs nur das, was in der Schule gelehrt und gelernt wird" (ebd., S.353), sondern "Wissen ist all das, was wir von anderen übernehmen: So bietet uns die Sprache, die ich spreche, ebenso eine vorgefertigte Typologie von Dingen und Prozessen wie die materielle Kultur, die ich handelnd verwende (die aus Laubhütten oder Hochhäusern bestehen kann) oder wie die eingespielten Kommunikationsformen (etwa die Art, die Akzente und Dialekte, in denen meine »Zunge« eine Sprache spricht). Beziehen wir verleiblichtes Wissen ein, dann erkennen wir auch, dass selbst Emotionen (wie etwa der besagte Wutausbruch) auf Wissen beruhen (was der Ausbruch bedeutet und wann er angemessen ist) und aus Wissen bestehen (etwa wie er vollzogen wird). Zum Wissen gehört natürlich auch der Umgang mit Objekten, Materialien und Technologien, deren Sinn ja gerade in diesem Umgang besteht (und als solcher von Kulturen zu Wissen verfestigt wird" (ebd.)

Dass Wissen nicht an Wahrheit gekoppelt ist, wird auch daran deutlich, dass jemand, in seinen Handlungen einem wissenschaftlich als falsch erwiesenen Wissen folgen (z. B. der Glaube, die Erde sei eine Scheibe oder der Klimawandel sei nicht von Menschen gemacht ...) kann, auch wenn dies u. U. dramatische Folgen hat.  (ebd.)

In unserer heutigen, »postindustriellen Gesellschaft, die von vielen als • Wissensgesellschaft bezeichnet wird, weil das Wissen immer stärker zur Grundlage des sozialen und ökonomischen sowie des medialen Zusammenlebens wird, steht die »Wissensproduktion« unter einem ökonomischen Vorzeichen, die Wissen zur Ware macht. Als soziales Wissen wird es von Institutionen, die darauf spezialisiert sind, ebenso produziert wie von der Ökonomie, vom Recht oder auch der Politik. Sie sorgen auf ihre Weise dafür, dass was als gerechtfertigtes Wissen anerkannt wird oder eben nicht. Dabei spielen die Wissenschaften zwar immer noch die Rolle  zentraler Legitimationsinstanzen, allerdings nehmen in der Wissensgesellschaft auch andere Bereiche, in denen Wissen produziert wird, Einfluss auf die Wissenschaft. (vgl. ebd., S.357f.)

Schließlich kann sich die Wissenssoziologie auch mit dem so genannten »verborgenen«, »selbstverständlichen« oder »verdeckten« Wissen befassen. Dieses Wissen kann »in der Kultur« angelegt sein, ist in der Sprache verankert und wird in der Tradition oder den Institutionen verkörpert. (vgl. ebd., S.18)

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Aus dem Werkzeugkasten der Diskursanalyse (Foucault)

Allianzdispositiv der Souveränitätsmacht

Alltags- und bildungssprachlicher Diskursbegriff

Akteure

Analyse von Dispositiven

Archäologische Methode zur Analyse der Wissensordnungen (Episteme)

Archäologisches Vorgehen

Archiv

Aussage(n)

Aussagensystem

Ausschlussmechanismen

Autor

Biopolitik

Biomacht

Diskursbegriff

Diskursexterne Ausschlussprozeduren

Diskursive Praktiken

Diskursiver Wandel

Diskursive Ereignisse

Diskursive Formation

Diskursspezifisches Wissen

Diskurs über Geschlechterbinarität

Dispositiv

Dispositivanalyse

Dispositive der Macht

Dispositiv vom "guten" Amerikaner

Disziplinarmacht und Disziplinargesellschaft

Einzeltextanalyse

Episteme

Genealogie
Gesagtes und Ungesagtes

Gesetzesmacht

Gouvernementalität

Grunddimensionen des diskursiven Regelsystems

Hermeneutischer Zirkel

Horizontverschmelzung

Juridisch-diskursive Machtkonzepte

Klassifikationen

Kontrollgesellschaft

Materialität von Aussagen

Macht-Wissens-Komplexe

Macht und Herrschaft

Medialiät der Diskurse

Normalisierungsmacht

Oberfläche

Polymorphe Techniken der Macht

Praxen

Produktive Seite der Macht

Repressionshypothese

richtiges/falsches Bewusstsein

Sagbarkeitsregeln

Schicht des konstitutiven historischen Wissens

Schwelle der Epistomologisierung

Souveränitätsmacht

Wissen und Ideologie

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 07.08.2026

  

 
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