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Kurzgeschichte

Merkmale

Formen erzählender Texte

 
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Literarische Gattungen
Überblick
Gattungskonzepte
Gattungen und Gattungsbegriffe im schulischen Literaturunterricht
Überblick
Merkmallisten und -Kataloge
Prototypen und Exemplare
Historische Gattungen und systematische Gattungsbegriffe
Gattungen unter sozial- und funktionsgeschichtlicher Perspektive
▪ Kohärenzbildung über mentale Modelle, kognitive Schemata und literarische Konventionen (Gattungen)
Der Merkmalkatalog unter didaktischer Perspektive

Es gibt, wie im Übrigen bei nahezu allen anderen • Literaturgattungen bzw. Textsorten keine eindeutig und abgeschlossene Anzahl von Merkmalen oder Merkmalkombinationen, die für alle Texte, die gemeinhin zu den • Kurzgeschichten gezählt werden, gleichermaßen gelten.

Insofern fungiert auch der Begriff Kurzgeschichte im • klassifikatorischen Verfahren der • normativen Gattungspoetik lediglich als Ordnungsprinzip, das sich nicht immer und in jedem einzelnen Fall reibungslos auf einen konkreten Text anwenden lässt. (vgl. Müller-Dyes 1996, S.327)

In der Literaturdidaktik, die sich mit solchen  ▪ Gattungsfragen im schulischen Literarunterricht befasst, konkurriert der Zugang über das Gattungswissen, der auch als • "Literaturwissenschaftsdidaktik" (Köster 2015, S.60 unter Bezugnahme auf Pflugmacher 2014, S. 157f.) bezeichnet wird, mit der so genannten "Literaturdidaktik" (ebd.), die an der Ganzheitlichkeit ästhetischer Erfahrung ansetzt und als • Prototypendidaktik (vgl. u. a. Spinner 2006, Köster 2015), die bildliches Denken und das Finden von selbst generierten Ähnlichkeiten mit all ihren dabei auftretenden Unschärfen in den Mittelpunkt rückt.

Wissenschaftsorientierte Literaturdidaktik agiert bei ihrer Gattungszuschreibung dabei im Allgemeinen mit aus der Fachwissenschaft stammenden • Merkmalskatalogen, die durch Abstraktion gewonnen worden sind. Ihre Annahme, dass durch den Nachweis bestimmter Merkmale für eine Gattung bzw. ein Genre an einem konkreten Text Wesentliches zum Textverstehen beigetragen werde, hat ihr auch die Bezeichnung "Merkmal-Nachweis-Didaktik" eingebracht (Leubner/Saupe/Richter). Auch wenn die "Literaturwissenschaftsdidaktik" von ihren Gegnerinnen und Gegner, • nicht immer angemessen, kritisiert wird, kann sie aber auch überzeugende • Argumente für sich verbuchen, die an anderer Stelle dargestellt werden.

Ohnehin geht wohl niemand bei der Lektüre einer Kurzgeschichte in der Schule voraussetzungslos mit dem um, was er/sie liest. Als Schüler*in hat man sich längst zuvor, im Unterricht oder bei der privaten Lektüre, bestimmte Vorstellungen gemacht, was Themen, Inhalte und Strukturen eines solchen Textes angeht, zumal verschiedene Formen von Kurprosatexten (Fabeln, Märchen und Sagen in der Unterstufe, Kurzgeschichten,  Parabeln und Kürzestgeschichten in der Oberstufe) im Curriculum ihren festen Platz haben (vgl. Bekes 32022, S.166)

Das Wissen um die Merkmale der Gattung "Kurzgeschichte"  stellt dabei eine implizite Vorannahme oder ein Vorurteil dar (vgl. Köppe/Winko 2008, S.2), mit denen die Schüler*innen an solche Texte herangehen. Auch sie nehmen den Text durch die Brille der ▪ Gattungszuschreibung wahr und versuchen, ihn so zunächst einmal kognitiv zu verarbeiten. (vgl. Zymner 2010a, S.2)

Wer von ihnen über Gattungswissen, das ein ▪ großes Transferpotenzial besitzt, verfügt, hat gewöhnlich Vorteile bei der Bedeutungserzeugung und bei der mentalen Repräsentation. Und dies ist unabhängig davon, wie das Gattungswissen erworben worden ist. Allerdings empfiehlt es sich, mit vorgenommenen Gattungszuschreibungen, wie eingangs betont, flexibel umzugehen.

Der Zugang zu Kurzgeschichten kann also auch über das erworbene Gattungswissen erfolgen (Bekes 32022, S.167) spricht in diesem Zusammenhang von der "poetologischer Orientierung"). Das zentrale Lernziel, das damit im Literaturunterricht verfolgt werde, bestehe darin, den Schülerinnen und Schülern über die Vermittlung grundlegender Kenntnisse über Gattungen und Textsorten sowie Gattungsmerkmalen "Schemata und Sinngebungsmuster" zu vermitteln, die "die literarische Kommunikation" steuern und den Schülerinnen und Schülern den Bedeutungsaufbau in kurzen epischen Formen (erleichtern). Das Gattungswissen über die Kurzgeschichte trägt nämlich mit ihren Termini auch "zur rationalen Verständigung" über die Texte bei (Köster 2015, S.61).

Allgemeine Merkmale

Es gibt unterschiedliche Listen zu den Merkmalen von Kurzgeschichten, die keiner verbindlichen Beschreibungsterminologie folgen und oft, neben gemeinsamen, auch unterschiedliche Merkmale ausweisen. Der hier zusammengestellte Katalog stellt die wichtigsten Merkmale der Kurzgeschichte im deutschsprachigen Raum für den Literaturunterricht zusammen. Dabei werden strukturelle, thematische Aspekte und sprachlich-stilistische Merkmale aufgelistet, die sich für die • schulische Textinterpretation von Kurzgeschichten eignen.


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(vgl. u. a. Metzler-Literatur-Lexikon, 1990, S.257; vgl. Baurmann 1986, S.197) )

Sprachlich-stilistische Gestaltung

Die sprachlich-stilistische Gestaltung vieler Kurzgeschichten spiegelt in gewisser Weise die gattungstypische Kürze der Textsorte wider. Dazu gehören häufig Merkmale, wie:

Beispiel

In der Kurzgeschichte "Brief aus Amerika" von Johannes Bobrowski, deren Anfang wir hier wiedergeben, ist ein besonders gutes Beispiel, an dem man die Merkmale von Kurzgeschichten herausarbeiten kann. Dies gilt für thematische Aspekte, Erzähltechniken und sprachlich-stilistische Gestaltung gleichermaßen. Erzählt wird darin, wie eine alte Frau, die allein in ihrem Haus lebt, aus einem Brief ihres nach Amerika ausgewanderten Sohnes erfährt und damit umgeht, dass dieser sie wohl nie mehr besuchen wird.

"Brenn mich, brenn mich, brenn mich, singt die alte Frau und dreht sich dabei, hübsch langsam und bedächtig, und jetzt schleudert sie die Holzpantinen von den Füßen, da fliegen sie im Bogen bis an den Zaun, und sie dreht sich nun noch schneller unter dem Apfelbäumchen. Brenn mich, liebe Sonne, singt sie dazu. Sie hat die Ärmel ihrer Bluse hinaufgeschoben und schwenkt die bloßen Arme, und von den Ästen des Bäumchens fallen kleine, dünne Schatten herab, es ist heller Mittag, und die alte Frau dreht sich mit kleinen Schritten. Brenn mich, brenn mich, brenn mich.
Im Haus auf dem Tisch liegt ein Brief. Aus Amerika. Da steht zu lesen:
Meine liebe Mutter. Teile dir mit, dass wir nicht zu Dir reisen werden. Es sind nur ein paar Tage, sag ich zu meiner Frau, dann sind wir dort, und es sind ein paar Tage, sage ich, Alice, dann sind wir wieder zurück. Und es heißt: ehre Vater und Mutter, und wenn der Vater auch gestorben ist, das Grab ist da, und die Mutter ist alt, sage ich, und wenn wir jetzt nicht fahren, fahren wir niemals. Und meine Frau sagt: hör mir zu, John, sie sagt John zu mir, dort ist es schön, das hast du mir erzählt, aber das war früher. Der Mensch ist jung oder alt, sagt sie, und der junge Mensch weiß nicht, wie es sein wird, wenn er alt ist, und der alte Mensch weiß nicht, wie es in der Jugend war. Du bist hier etwas geworden, und du bist nicht mehr dort. Das sagt meine Frau. Sie hat Recht. Du weißt, ihr Vater hat uns das Geschäft überschrieben, es geht gut. Du kannst deine Mutter herkommen lassen, sagt sie. Aber Du hast ja geschrieben, Mutter, dass Du nicht kommen kannst, weil einer schon dort bleiben muss, weil alle von uns weg sind.
Der Brief ist noch länger. Er kommt aus Amerika. Und wo er zu Ende ist, steht: Dein Sohn Jons.
Es ist heller Mittag, und es ist schön. Das Haus ist weiß. An der Seite steht ein Stall. Auch der Stall ist weiß. Und hier ist der Garten. Ein Stückchen den Berg hinunter steht schon das nächste Gehöft, und dann kommt das Dorf, am Fluss entlang, und die Chaussee biegt heran und geht vorbei und noch einmal auf den Fluss zu und wieder zurück in den Wald. Es ist schön. Und es ist heller Mittag. Unter dem Apfelbäumchen dreht sich die alte Frau. Sie schwenkt die bloßen Arme. Liebe Sonne, brenn mich, brenn mich. [...]"

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Gattungen und Gattungsbegriffe im schulischen Literaturunterricht
Überblick
Merkmallisten und -Kataloge
Prototypen und Exemplare
Historische Gattungen und systematische Gattungsbegriffe
Gattungen unter sozial- und funktionsgeschichtlicher Perspektive
▪ Kohärenzbildung über mentale Modelle, kognitive Schemata und literarische Konventionen (Gattungen)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 23.06.2024

   
 

 
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