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Friedrich Schiller

Das Lied von der Glocke

(1800)

 
FAChbereich Deutsch
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Literaturepoche Weimarer Klassik (1786-1805)
Historischer Hintergrund

Das Lebens- und Liebeskonzept der bürgerlichen Ehe
Frankreichbild in Deutschland vor und nach der Revolution von 1789
Deutsche Intellektuelle und die Französische Revolution 1789-1794

Die hier dargebotene Fassung folgt im Satzspiegel und bei der Stropheneinteilung  »Friedrich Schiller »Musen-Almanach für das Jahr 1800, S. 251–272 , auch als »wikisource verfügbar. Daneben ist aber auch die »Fassung von 1854 verfügbar, die eine andere Strophen- und Verseinteilung vornimmt.)

Das Lied von der Glocke

Vivos voco. Mortuos plango. Fulgura frango.

 

Fest gemauert in der Erden

 

Steht die Form, aus Lehm gebrannt.

 

Heute muss die Glocke werden

 

Frisch Gesellen, seid zur Hand.

5

Von der Stirne heiß

 

Rinnen muss der Schweiß,

 

Soll das Werk den Meister loben,

 

Doch der Segen kommt von oben.

   
 

Zum Werke, das wir ernst bereiten,

10

Geziemt sich wohl ein ernstes Wort;

 

Wenn gute Reden sie begleiten,

 

Dann fließt die Arbeit munter fort.

 

So lasst uns jetzt mit Fleiß betrachten,

 

Was durch die schwache Kraft entspringt,

15

Den schlechten Mann muss man verachten,

 

Der nie bedacht, was er vollbringt.

 

Das ist's ja, was den Menschen zieret,

 

Und dazu ward ihm der Verstand,

 

Dass er im innern Herzen spüret,

20

Was er erschafft mit seiner Hand.

   
 

Nehmet Holz vom Fichtenstamme,

 

Doch recht trocken lasst es sein,

 

Dass die eingepresste Flamme

 

Schlage zu dem Schwalch hinein,

25

Kocht des Kupfers Brei,

 

Schnell das Zinn herbei,

 

Dass die zähe Glockenspeise

 

Fließe nach der rechten Weise.

   
 

Was in des Dammes tiefer Grube

30

Die Hand mit Feuers Hülfe baut,

 

Hoch auf des Turmes Glockenstube

 

Da wird es von uns zeugen laut.

 

Noch dauern wird's in späten Tagen

 

Und rühren vieler Menschen Ohr,

35

Und wird mit dem Betrübten klagen,

 

Und stimmen zu der Andacht Chor.

 

Was unten tief dem Erdensohne

 

Das wechselnde Verhängnis bringt,

 

Das schlägt an die metallne Krone,

40

Die es erbaulich weiter klingt.

   
 

Weiße Blasen seh ich springen,

 

Wohl! Die Massen sind im Fluss.

 

Lasst's mit Aschensalz durchdringen,

 

Das befördert schnell den Guss.

45

Auch von Schaume rein

 

Muss die Mischung sein,

 

Dass vom reinlichen Metalle

 

Rein und voll die Stimme schalle.

   
 

Denn mit der Freude Feierklange

50

Begrüßt sie das geliebte Kind

 

Auf seines Lebens erstem Gange,

 

Den es in Schlafes Arm beginnt;

 

Ihm ruhen noch im Zeitenschoße

 

Die schwarzen und die heitern Lose,

55

Der Mutterliebe zarte Sorgen

 

Bewachen seinen goldnen Morgen –

 -
 

Die Jahre fliehen pfeilgeschwind.

 

Vom Mädchen reißt sich stolz der Knabe

 

Er stürmt ins Leben wild hinaus,

60

Durchmisst die Welt am Wanderstabe,

 

Fremd kehrt er heim ins Vaterhaus,

 

Und herrlich, in der Jugend Prangen,

 

Wie ein Gebild aus Himmels Höh'n,

 

Mit züchtigen, verschämten Wangen

65

Sieht er die Jungfrau vor sich stehn.

 

Da fasst ein namenloses Sehnen

 

Des Jünglings Herz, er irrt allein,

 

Aus seinen Augen brechen Tränen,

 

Er flieht der Brüder wilder Reihn.

70

Errötend folgt er ihren Spuren,

 

Und ist von ihrem Gruß beglückt;

 

Das Schönste sucht er auf den Fluren,

 

Womit er seine Liebe schmückt.

 

O! zarte Sehnsucht, süßes Hoffen,

75

Der ersten Liebe goldne Zeit,

 

Das Auge sieht den Himmel offen,

 

Es schwelgt das Herz in Seligkeit.

 

O! dass sie ewig grünen bliebe,

 

Die schöne Zeit der jungen Liebe!

   

80

Wie sich schon die Pfeifen bräunen!

 

Dieses Stäbchen tauch ich ein,

 

Sehn wir's überglast erscheinen

 

Wird's zum Gusse zeitig sein.

 

Jetzt, Gesellen, frisch!

85

Prüft mir das Gemisch,

 

Ob das Spröde mit dem Weichen

 

Sich vereint zum guten Zeichen.

   
 

Denn wo das Strenge mit dem Zarten,

 

Wo Starkes sich und Mildes paarten,

90

Da gibt es einen guten Klang.

 

Drum prüfe, wer sich ewig bindet,

 

Ob sich das Herz zum Herzen findet!

 

Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.

 

Lieblich in der Bräute Locken

95

Spielt der jungfräuliche Kranz,

 

Wenn die hellen Kirchenglocken

 

Laden zu des Festes Glanz.

 

Ach! des Lebens schönste Feier

 

Endigt auch den Lebens Mai,

100

Mit dem Gürtel, mit dem Schleier

 

Reißt der schöne Wahn entzwei.

 

Die Leidenschaft flieht,

 

Die Liebe muss bleiben,

 

Die Blume verblüht,

105

Die Frucht muss treiben.

 

Der Mann muss hinaus

 

Ins feindliche Leben,

 

Muss wirken und streben

 

Und pflanzen und schaffen,

110

Erlisten, erraffen,

 

Muss wetten und wagen,

 

Das Glück zu erjagen.

 

Da strömet herbei die unendliche Gabe,

 

Es füllt sich der Speicher mit köstlicher Habe,

115

Die Räume wachsen, es dehnt sich das Haus.

 

Und drinnen waltet

 

Die züchtige Hausfrau,

 

Die Mutter der Kinder,

 

Und herrschet weise

120

Im häuslichen Kreise,

 

Und lehret die Mädchen

 

Und wehret den Knaben,

 

Und reget ohn' Ende

 

Die fleißigen Hände,

125

Und mehrt den Gewinn

 

Mit ordnendem Sinn,

 

Und füllet mit Schätzen die duftenden Laden,

 

Und dreht um die schnurrende Spindel den Faden,

 

Und sammelt im reinlich geglätteten Schrein

130

Die schimmernde Wolle, den schneeigten Lein,

 

Und füget zum Guten den Glanz und den Schimmer,

 

Und ruhet nimmer.

 

Und der Vater mit frohem Blick,

 

Von des Hauses weitschauendem Giebel

135

Überzählet sein blühendes Glück,

 

Siehet der Pfosten ragende Bäume,

 

Und der Scheunen gefüllte Räume

 

Und die Speicher, vom Segen gebogen,

 

Und des Kornes bewegte Wogen,

140

Rühmt sich mit stolzem Mund:

 

Fest, wie der Erde Grund

 

Gegen des Unglücks Macht

 

Steht mir des Hauses Pracht!

 

Doch mit des Geschickes Mächten

145

Ist kein ew'ger Bund zu flechten,

 

Und das Unglück schreitet schnell

   
 

Wohl! nun kann der Guss beginnen,

 

Schön gezacket ist der Bruch.

 

Doch bevor wir's lassen rinnen,

150

Betet einen frommen Spruch!

 

Stoßt den Zapfen aus!

 

Gott bewahr' das Haus.

 

Rauchend in des Henkels Bogen

 

Schießt's mit feuerbraunen Wogen

   

155

Wohltätig ist des Feuers Macht,

 

Wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht,

 

Und was er bildet, was er schafft,

 

Das dankt er dieser Himmelskraft,

 

Doch furchtbar wird die Himmelskraft,

160

Wenn sie der Fessel sich entrafft,

 

Einhertritt auf der eignen Spur

 

Die freie Tochter der Natur.

 

Wehe, wenn sie losgelassen

 

Wachsend ohne Widerstand

165

Durch die volkbelebten Gassen

 

Wälzt den ungeheuren Brand!

 

Denn die Elemente hassen

 

Das Gebild der Menschenhand.

 

Aus der Wolke

170

Quillt der Segen,

 

Strömt der Regen,

 

Aus der Wolke, ohne Wahl,

 

Zuckt der Strahl!

 

Hört ihr's wimmern hoch vom Turm?

175

Das ist Sturm!

 

Rot wie Blut

 

Ist der Himmel.

 

Das ist nicht des Tages Glut!

 

Welch Getümmel

180

Straßen auf!

 

Dampf wallt auf!

 

Flackernd steigt die Feuersäule,

 

Durch der Straße lange Zeile

 

Wächst es fort mit Windeseile,

185

Kochend wie aus Ofens Rachen

 

Glühn die Lüfte, Balken krachen,

 

Pfosten stürzen, Fenster klirren,

 

Kinder jammern, Mütter irren,

 

Tiere wimmern

190

Unter Trümmern,

 

Alles rennet, rettet, flüchtet,

 

Taghell ist die Nacht gelichtet,

 

Durch der Hände lange Kette

 

Um die Wette

195

Fliegt der Eimer, hoch im Bogen

 

Sprützen Quellen, Wasserwogen

 

Heulend kommt der Sturm geflogen,

 

Der die Flamme brausend sucht,

 

Prasselnd in die dürre Frucht

200

Fällt sie in des Speichers Räume,

 

In der Sparren dürre Bäume,

 

Und als wollte sie im Wehen

 

Mit sich fort der Erde Wucht

 

Reißen, in gewalt'ger Flucht,

205

Wächst sie in des Himmels Höhen

 

Riesengroß!

 

Hoffnungslos

 

Weicht der Mensch der Götterstärke,

 

Müßig sieht er seine Werke

210

Und bewundernd untergehen.

 

Leergebrannt

 

Ist die Stätte,

 

Wilder Stürme raues Bette,

 

In den öden Fensterhöhlen

215

Wohnt das Grauen,

 

Und des Himmels Wolken schauen

 

Hoch hinein.

 

Einen Blick

 

Nach dem Grabe

220

Seiner Habe

 

Sendet noch der Mensch zurück –

 

Greift fröhlich dann zum Wanderstabe

 

Was Feuers Wut ihm auch geraubt,

 

Ein süßer Trost ist ihm geblieben,

225

Er zählt die Häupter seiner Lieben,

 

Und sieh! ihm fehlt kein teures Haupt.

   
 

In die Erd ist's aufgenommen,

 

Glücklich ist die Form gefüllt,

 

Wird's auch schön zutage kommen,

230

Dass es Fleiß und Kunst vergilt?

 

Wenn der Guss misslang?

 

Wenn die Form zersprang?

 

Ach! vielleicht indem wir hoffen,

 

Hat uns Unheil schon getroffen.

   

235

Dem dunkeln Schoß der heilgen Erde

 

Vertrauen wir der Hände Tat,

 

Vertraut der Sämann seine Saat

 

Und hofft, dass sie entkeimen werde

 

Zum Segen, nach des Himmels Rat.

240

Noch köstlicheren Samen bergen

 

Wir trauernd in der Erde Schoß

 

Und hoffen, dass er aus den Särgen

 

Erblühen soll zu schönerm Los.

 

Von dem Dome

245

Schwer und bang,

 

Tönt die Glocke

 

Grabgesang.

 

Ernst begleiten ihre Trauerschläge

 

Einen Wandrer auf dem letzten Wege.

250

Ach! die Gattin ist's, die teure,

 

Ach! es ist die treue Mutter,

 

Die der schwarze Fürst der Schatten

 

Wegführt aus dem Arm des Gatten,

 

Aus der zarten Kinder Schar,

255

Die sie blühend ihm gebar,

 

Die sie an der treuen Brust

 

Wachsen sah mit Mutterlust -

 

Ach! des Hauses zarte Bande

 

Sind gelöst auf immerdar,

260

Denn sie wohnt im Schattenlande,

 

Die des Hauses Mutter war,

 

Denn es fehlt ihr treues Walten,

 

Ihre Sorge wacht nicht mehr,

 

An verwaister Stätte schalten

265

Wird die Fremde, liebeleer.

   
 

Bis die Glocke sich verkühlet,

 

Lasst die strenge Arbeit ruhn,

 

Wie im Laub der Vogel spielet,

 

Mag sich jeder gütlich tun.

270

Winkt der Sterne Licht,

 

Ledig aller Pflicht

 

Hört der Pursch die Vesper schlagen,

 

Meister muss sich immer plagen.

   
  Munter fördert
275

Seine Schritte

 

Fern im wilden Forst der Wandrer

 

Nach der lieben Heimathütte.

 

Blökend ziehen

 

Heim die Schafe,

280

Und der Rinder

 

Breitgestirnte, glatte Scharen

 

Kommen brüllend,

 

Die gewohnten Ställe füllend.

 

Schwer herein

285

Schwankt der Wagen,

 

Kornbeladen,

 

Bunt von Farben

 

Auf den Garben

 

Liegt der Kranz

290

Und das junge

  Volk der Schnitter

 

Fliegt zum Tanz.

 

Markt und Straße

  Werden stiller,
295

Um des Lichts gesell'ge Flamme

 

Sammeln sich die Hausbewohner,

 

Und das Stadttor

  Schließt sich knarrend.

 

Schwarz bedecket

300

Sich die Erde,

 

Doch den sichern Bürger schrecket

 

Nicht die Nacht,

 

Die den Bösen grässlich wecket,

 

Denn das Auge des Gesetzes wacht.

305

Heilge Ordnung, segenreiche

 

Himmelstochter, die das Gleiche

 

Frei und leicht und freudig bindet,

 

Die der Städte Bau begründet,

 

Die herein von den Gefilden

310

Rief den ungesell'gen Wilden,

 

Eintrat in der Menschen Hütten,

 

Sie gewöhnt zu sanften Sitten

 

Und das teuerste der Bande

 

Wob, den Trieb zum Vaterlande!

315

Tausend fleißge Hände regen,

 

helfen sich in munterm Bund

 

Und in feurigem Bewegen

 

Werden alle Kräfte kund.

 

Meister rührt sich und Geselle

320

In der Freiheit heil'gem Schutz,

 

Jeder freut sich seiner Stelle,

 

Bietet dem Verächter Trutz,

 

Arbeit ist des Bürgers Zierde,

 

Segen ist der Mühe Preis,

325

Ehrt den König seine Würde,

 

Ehret uns der Hände Fleiß.

 

Holder Friede,

 

Süße Eintracht,

 

Weilet, weilet

330

Freundlich über dieser Stadt!

 

Möge nie der Tag erscheinen,

 

Wo des rauen Krieges Horden

 

Dieses stille Tal durchtoben,

 

Wo der Himmel,

335

Den des Abends sanfte Röte

 

Lieblich malt,

 

Von der Dörfer, von der Städte

 

Wildem Brande schrecklich strahlt!

   

 

Nun zerbrecht mir das Gebäude,

340

Seine Absicht hat's erfüllt,

 

Dass sich Herz und Auge weide

 

An dem wohlgelungnen Bild.

 

Schwingt den Hammer, schwingt,

 

Bis der Mantel springt,

345

Wenn die Glock' soll auferstehen

 

Muss die Form in Stücke gehen

   
 

Der Meister kann die Form zerbrechen

 

Mit weiser Hand, zur rechten Zeit,

 

Doch wehe, wenn in Flammenbächen

350

Das glühnde Erz sich selbst befreit!

 

Blindwütend mit des Donners Krachen

 

Zersprengt es das geborstne Haus,

 

Und wie aus offnem Höllenrachen

 

Speit es Verderben zündend aus;

355

Wo rohe Kräfte sinnlos walten,

 

Da kann sich kein Gebild gestalten,

 

Wenn sich die Völker selbst befrein,

 

Da kann die Wohlfahrt nicht gedeihn.

 

Weh, wenn sich in dem Schoß der Städte

360

Der Feuerzunder still gehäuft,

 

Das Volk, zerreißend seine Kette,

 

Zur Eigenhilfe schrecklich greift!

 

Da zerret an der Glocken Strängen

 

Der Aufruhr, dass sie heulend schallt,

365

Und, nur geweiht zu Friedensklängen,

 

Die Losung anstimmt zur Gewalt.

 

Freiheit und Gleichheit! hört man schallen,

 

Der ruhige Bürger greift zur Wehr,

 

Die Straßen füllen sich, die Hallen,

370

Und Würgerbanden ziehn umher,

 

Da werden Weiber zu Hyänen

 

Und treiben mit Entsetzen Scherz,

 

Noch zuckend, mit des Panthers Zähnen,

 

Zerreißen sie des Feindes Herz.

375

Nichts Heiliges ist mehr, es lösen

 

Sich alle Bande frommer Scheu,

 

Der Gute räumt den Platz dem Bösen,

 

Und alle Laster walten frei.

 

Gefährlich ist's, den Leu zu wecken,

380

Und grimmig ist des Tigers Zahn,

 

Jedoch der schrecklichste der Schrecken

 

Das ist der Mensch in seinem Wahn.

 

Weh denen, die dem Ewigblinden

 

Des Lichtes Himmelsfackel leihn!

385

Sie leuchtet nicht, sie kann nur zünden

 

Und äschert Stadt' und Länder ein.

   
 

Freude hat mir Gott gegeben!

 

Sehet! Wie ein goldner Stern

 

Aus der Hülse, blank und eben,

390

Schält sich der metallne Kern

 

Von dem Helm zum Kranz

 

Spielt's wie Sonnenglanz,

 

Auch des Wappens nette Schilder

 

Loben den erfahrnen Bilder.

   
395

Herein! herein!

 

Gesellen alle, schließt den Reihen,

 

Dass wir die Glocke taufend weihen,

 

Concordia soll ihr Name sein,

 

Zur Eintracht, zu herzinnigem Vereine

400

Versammle sie die liebende Gemeine.

 

Und dies sei fortan ihr Beruf,

 

Wozu der Meister sie erschuf:

 

Hoch überm niedern Erdenleben

 

Soll sie im blauen Himmelszelt

405

Die Nachbarin des Donners schweben

 

Und grenzen an die Sternenwelt,

 

Soll eine Stimme sein von oben,

 

Wie der Gestirne helle Schar,

 

Die ihren Schöpfer wandelnd loben

410

Und führen das bekränzte Jahr.

 

Nur ewigen und ernsten Dingen

 

Sei ihr metallner Mund geweiht,

 

Und stündlich mit den schnellen Schwingen

 

Berühr' im Fluge sie die Zeit,

415

Dem Schicksal leihe sie die Zunge,

 

Selbst herzlos, ohne Mitgefühl,

 

Begleite sie mit ihrem Schwunge

 

Des Lebens wechselvolles Spiel.

 

Und wie der Klang im Ohr vergehet,

420

Der mächtig tönend ihr erschallt,

 

So lehre sie, dass nichts bestehet,

 

Dass alles Irdische verhallt.

   
 

Jetzo mit der Kraft des Stranges

 

Wiegt die Glock' mir aus der Gruft.

425

Dass sie in das Reich des Klanges

 

Steige, in die Himmelsluft.

 

Ziehet, ziehet, hebt!

 

Sie bewegt sich, schwebt,

 

Freude dieser Stadt bedeute,

430

Friede sei ihr erst Geläute

 

Public Domain Mark
Dieses Werk (Das Lied von der Glocke von Friedrich Schiller), das durch Gert Egle gekennzeichnet wurde, unterliegt keinen bekannten urheberrechtlichen Beschränkungen. An die moderne Rechschreibung angepasst-

Der Text kann auch als »Audio-Datei (LibriVox.org) angehört werden.

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Literaturepoche Weimarer Klassik (1786-1805)
Historischer Hintergrund

Das Lebens- und Liebeskonzept der bürgerlichen Ehe
Frankreichbild in Deutschland vor und nach der Revolution von 1789
Deutsche Intellektuelle und die Französische Revolution 1789-1794

 Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 12.10.2020

     

   Arbeitsanregung 1
(Untersuchendes Erschließen literarischer Texte - Textinterpretation)

   Interpretieren Sie das Gedicht.

  1. Geben Sie den Inhalt des Gedichts in Form einer Inhaltsangabe wieder.

  2. Beschreiben Sie die äußere Form des Gedichts.

  3. Arbeiten Sie heraus, welche Aussage das Gedicht gestaltet. Wie wirken Form und Inhalt bei der Gestaltung der Aussage des Textes zusammen.

  4. Ordnen Sie das Gedicht in die Literaturepoche der Weimarer Klassik ein.

      →Operatorenkatalog des Landes Baden-Württemberg

 

 

   
 

 
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