teachSam- Arbeitsbereiche:
Arbeitstechniken - Deutsch - Geschichte - Politik - Pädagogik - PsychologieMedien - Methodik und Didaktik - Projekte- So navigiert man auf teachSam - So sucht man auf teachSam - teachSam braucht Werbung


deu.jpg (1524 Byte)

 

Aspekte zur Analyse und Interpretation der Figur Maria Stuarts

Maria Stuart als "schöne Seele"

Friedrich Schiller, Maria Stuart

 
FAChbereich Deutsch
Glossar Literatur Autorinnen und Autoren Friedrich SchillerBiographie
Werke Dramatische WerkeDie Räuber  Maria Stuart Entstehungsgeschichte Historischer Hintergrund StoffgeschichteHandlungsverlauf Figurenkonstellation Einzelne Figuren Maria Stuart Überblick Auftritte im Szenenschema [ Aspekte zur Analyse und Interpretation der Figur Aspekte der literarischen Charakteristik Maria Stuart als tragische Heldin   Maria Stuart als "schöne Seele" ] Bausteine Elisabeth Robert Dudley, Graf von Leicester Georg Talbot, Graf von Shrewsbury Wilhelm Cecil, Baron von Burleigh Mortimer Amias Paulet Hanna Kennedy Melvil Wilhelm Davison Graf von Kent Graf Aubespine Graf Bellievre Margareta Kurl Drugeon Drury Burgoyn Okelly Sprachliche Form Aufführungsberichte und - kritiken BausteineLinks ins Internet Lyrische Werke Sonstige Werke Bausteine Links ins Internet  Quickie für Eilige: So analysiert man eine dramatische Szene W-Fragen zur systematischen Szenenanalyse Schreibformen Operatoren im Fach Deutsch
 

 

Strukturen dramatischer Texte
Quickie für Eilige: So analysiert man eine dramatische Szene
Überblick
Strukturbegriffe der Dramenanalyse
Überblick
Alles auf einen Blick: ›Sprungbrett‹
ABC der schulischen Dramenanalyse

Überblick
Figurengestaltung
Kontrast- und Korrespondenzbeziehungen 
Überblick
Fragenkatalog zur Analyse

Figurenkonstellation »
Figurencharakterisierung »

Eine dramatische Szene analysieren und interpretieren
Überblick
Allgemeiner Fragenkatalog zur Szenenanalyse

Leitfragen für die systematische Szenenanalyse
Eine Interpretation schreiben
 Die Korrespondenz- und Kontrastbeziehungen einer Figur analysieren
Eine Figur charakterisieren (Literarische Charakteristik)

Methodenrepertoire zur szenischen Erarbeitung von Dramentexten

Arbeitstechniken und Schreibaufgaben (Surfbrett)

teachSam-YouTube-Playlist Dramatische Texte und Theater
Friedrich Schiller, Die schöne Seele (Textauszug aus "Über Anmut und Würde,1793)

docx-Download - pdf-Download

Die Figur der • Maria Stuart verkörpert wie kaum eine andere Figur in Friedrich Schillers (1759-1805) Dramen das "Zeitideal der Schönen Seele" sein, "die ihre Pflicht aus Neigung, das Vernünftige aus Gefühl tut". (Kaiser 1976a, S.37)

Der Begriff der "schönen Seele" stammt aus der Ästhetik der • Weimarer Klassik (1786-1805) und wurde vor allem von ▪ Friedrich Schiller (1759-1805) geprägt. In seiner Abhandlung ▪ "Über Anmut und Würde" (1793) (▪ Text (Auszüge) hat er sich ausführlich mit ihr befasst (▪ Die schöne Seele (Textauszug) Wofür sich Schiller darin gegen Kant stark machte, war, den kantischen Dualismus zwischen der physischen und der geistig-vernünftigen Natur des Menschen in einer Synthese der "schönen Seele“ zu versöhnen, bei der Pflicht und Neigung harmonierten und in der "sich das sittliche Gefühl aller Empfindungen des Menschen endlich bis zu dem Grad versichert hat, daß es dem Affekt die Leitung des Willens ohne Scheu überlassen darf". Im Hinblick auf die Doppelnatur des Menschen als Gefühls- und Vernunftwesen war es Schillers Anliegen vor allem, den Dualismus zwischen der physischen und der geistig-vernünftigen Natur des Menschen, den »Immanuel Kants (1724-1804) Vernunftethik propagierte, in der Synthese als "schönen Seele" so versöhnen, dass Pflicht und Neigung miteinander harmonierten.


Für größere (740px) oder große Ansicht (1100px) bitte an*klicken*tippen!

Die "schöne Seele" steht bei Schiller für eine im Allgemeinen ▪ weibliche Person, bei der moralisches Gefühl und sittliches Handeln in harmonischem Einklang stehen. Was sie tut, tut sie aus einer einer inneren Überzeugung heraus. Sie handelt  moralisch richtig, ohne dass äußere Zwänge oder Konflikte diese Entscheidung bestimmen. Schiller definiert sie wie folgt:

"Eine schöne Seele nennt man es, wenn sich das sittliche Gefühl aller Empfindungen des Menschen endlich bis zu dem Grad versichert hat, dass es dem Affekt die Leitung des Willens ohne Scheu überlassen darf und nie Gefahr läuft, mit den Entscheidungen desselben im Widerspruch zu stehen. Daher sind bei einer schönen Seele die einzelnen Handlungen eigentlich nicht sittlich, sondern der ganze Charakter ist es." (Anmut und Würde 1793)

Die "schöne Seele" handle, ohne dass sie sich der"Schönheit ihres Handelns" bewusst sei und könne sich gar nicht vorstellen, "dass dass man anders handeln und empfinden könnte" als sie es • quasi instinktiv tue.

Alles, was sie tue oder wie auch immer sie sich verhalte (▪ "Bewegungen"), werde in ihrer "unwiderstehliche(n) Grazie" Ausdruck finden, geprägt von Leichtigkeit, Saftmut, Heiterkeit, und ohne künstliche Verstellung und zwanghafte Anspannung.

Im Affekt müsse sich die schöne Seele " in eine erhabene verwandeln", was sie von Personen unterscheide, die einfach nur ein gutes Herz besäßen oder ihrer "Temperamentstugend" folgten. Während die Temperamentstugend, wenn es darauf ankommt, den Trieben wieder den Vorrang gebe und die Sittlichkeit opfere, sei es bei einer schönen Seele die Vernunft selbst, die die die Triebe und Neigungen in die Pflicht nehme und  sich nur solange der Sinnlichkeit überlässt, solange die Triebe nicht das Regiment übernehmen und die ihnen gewährte Vollmacht als Steuerungsinstanz missbrauchten. "Die Temperamentstugend" behauptet Schiller weiter, "sinkt also im Affekt zum bloßen Naturprodukt herab; die schöne Seele geht ins Heroische über und erhebt sich zur reinen Intelligenz."

Wie Gert Sauermeister (1971, S.209ff.) betont, werde • Maria Stuart erst im Angesicht des Todes zu einer schönen Seele, weil in dieser Situation zur äußeren die innere Schönheit hinzukomme und sich auf diese Weise eine ▪"ideale Koinzidenz von Wesen und Erscheinung" einstelle. Dabei sei der Tod in der Tragödie "der Preis, der für die idealidyllische Koinzidenz zu bezahlen" sei, wenn er "dem Leben für Augenblicke die ideale Schönheit zuteil" werden lasse. In dieser Extremsituation "wetteifern die königliche Schönheit ihrer Gestalt und der Adel ihrer Menschlichkeit harmonisch miteinander" (Sautermeister 1992, S.320) Und: Unmittelbar vor der Vollstreckung des Todesurteils gelange Maria damit in eine Seinssphäre, welche das Auseinanderstreben von Sinnlichkeit und Vernunft überwinde und den Menschen zur schönen Seele mache (vgl. ebd.).

Die ursprünglich gegeneinander streitenden Kräfte von Trieb und Vernunft sieht Sautermeister jetzt bei • Maria im Einklang miteinander, "nachdem sie sich vom Stau verdrängter Aggressionen entlastet hat" (ebd., S.321). So, meint Sautermeister, sei der Weg für Maria frei, das von Schiller formulierte Ideal zu veranschaulichen, das sich in ihrem Übertritt zur schönen Seele vollziehe. Dabei sei, so fährt er fort, sei die schöne Seele "weder Resultat einer kontinuierlichen Verinnerlichung des Sittengesetzes noch eine heroische Abweisung der Naturkräfte  [...] Sie fällt vielmehr einem Menschen zu, der sich zu seinem unterdrückten, 'unedlen' Selbst bekennt und es dadurch überwunden hat" (ders. 1992: 321f.). Dieser Zustand ermögliche es Maria, ohne Rachegelüste und aus freiem Willen mit Elisabeth Frieden zu schließen.

Auch auf der Bühne, so Sauermeister (1971, S.209ff.) weiter, hat Schiller die "ideale Verwandlung" Marias, die ein"geistig-seelischer Vorgang" sei szenisch umgesetzt, um die Zuschauer*innen durch Anschauung und Identifikation mit der Figur, Gelegenheit zu geben, an dieser Verwandlung mit Herz und Verstand teilzuhaben. Dazu habe er diesen Verwandlungsprozess "durch sinnliche Details konkretisiert: die neue Idealität im Bewusstsein und in der Seele Marias wird durch äußere Prachtentfaltung versinnlicht." So werde das Theater "zum »heitern Tempel«, worin der Betrachter selber einen idealen Mitvollzug des Geschehens, einen geistig-erkennenden und zugleich sinnlichen Mitvollzug" leiste und die Kunst könne, so Schillers Anspruch, "vollbringen, was die Politik aus sich selbst heraus nicht vermag: die Verwandlung des Zuschauers durch das Schöne." Die Kunst versetze den Zuschauer im Theater dadurch  "in einen idyllischen Zustand des Freiseins und des Glücks", in dem "seine »sinnlich-vernünftige Natur« harmonisch tätig ist und er durch Anschauung und durch Empfindung den »Geist der Wahrheit« zu ergreifen lernt." Damit verwirkliche die Figur der • Maria Stuart am Ende "das vollständige Ganze der ästhetischen Erziehung"(Sautermeister 1992, S.320f,), wie sie sich Schiller vorstellte. (vgl. auch: Harm-Torsten Reinke (o. J., 2002?) : Kritik an der Synthesis-Konzeption Sautermeisters)

Harm-Torsten Reinke (o. J., 2002?) hat das die so genannte • Synthesis-Konzeption Sautermeisters kritisiert und dezidiert zu einzelnen Thesen Stellung genommen.

docx-Download - pdf-Download

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 23.03.2026

    
   Arbeitsanregungen:
  1. Erläutern Sie die Darstellung mit Gert Sautermeisters Konzeption der schönen Seele und dem Kritikansatz von Harm-Thorsten Reinke.

  2. Nehmen Sie kritisch Stellung zu der Frage:
    Maria Stuarts Ende - Erhabenheit oder schöne Seele?
    Ziehen Sie dazu auch Schillers eigene Aussagen "Über das Erhabene" (um 1794) heran.

 
 
 

 
ARBEITSTECHNIKEN und mehr
Arbeits- und ZeitmanagementKreative ArbeitstechnikenTeamarbeit ▪ Portfolio ● Arbeit mit Bildern  Arbeit mit Texten Arbeit mit Film und VideoMündliche KommunikationVisualisierenPräsentationArbeitstechniken für das Internet Sonstige digitale Arbeitstechniken 
 

   
  Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA)
Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von
externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de
-
CC-Lizenz