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Stilistische Besonderheiten

Textbeispiele

Heinrich von Kleist (1777-1811)Der zerbrochne KrugSprachliche Form

 
Fachbereich Deutsch
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Neben dem • Blankvers, den ▪ sprechenden Namen und der besonderen Verwendung von ▪ Gedankenstrichen weist die • Sprache in Heinrich von Kleists (1777-1811)Komödie • ›Der zerbrochne Krug‹ weitere • stilistische Besonderheiten auf.

Die Aufstellung erfolgt ohne Anspruch auf Vollständigkeit, berücksichtigt aber verschiedene Mittel bei der Wortwahl und den Stilmitteln des Wortschatzes und bei Satzbau und Satzbaustilen.

Formulierungen mit religiösen Bezügen

Im Text des Stückes finden sich eine Vielzahl von Formulierungen, die religiöse Bezüge aufweisen. Diese werden mit unterschiedlichen Sprechhandlungen verbunden, sind daher auch mit unterschiedlichen Intentionen verbunden und haben eine unterschiedliche Wirkung.

Spr

Zitat

Haupt-
adressat

Bed

"Gott helf, Herr Richter!"  (2. Auftritt, V 163)

Ad

Ad

"Den Teufel auch!" (2. Auftritt, V 178)

Li

Ad

"Der Teufel soll mich holen" (2. Auftritt, V 190)

Ad, Li

Ad

"Ich flehe dich! Um alle Wunden!" (7. Auftritt, V 521)

Eve

Eve

"Seht dies jetzt schwör ich, / Und Joseph und Maria ruf ich an."  (7. Auftritt, V 794f.)

Alle

Rup

"Ich kann das Abendmahl darauf nicht nehmen" (7. Auftritt, V 922)

Ad, Wa,
(alle)

Ad

"Gib Gotte, hörst du, Herzchen, gib, mein Seel, / Ihm und der Welt, gib ihm was von der Wahrheit. / Denk, daß du hier vor Gottes Richtstuhl bist" (9. Auftritt, V 1098 - V 1100)

Eve

Eve/ MRu

"O Jesus! [...] / "O Jesus! Als ob sie eine Hure wäre. / War's der Herr Jesus?" (9. Auftritt, V 1131- V 1133)

Rup, (alle)

MRu

"Willst du Vater / Und Mutter jetzt, mein Evchen, nach dem vierten / Gebot hoch ehren" (9. Auftritt, V 1154V 1156)

Eve

Wa

"Behüte Gott! Die Eur' ist ja im Feuer, / Wie Sodom und Gomorrha, aufgegangen." (11. Auftritt, V 1846f.)

Ad

Juristische Fachsprache

Der Dramentext enthält immer wieder Ausdrücke und Wendungen aus der ▪ juristischen Fachsprache, die unterschiedliche Wirkungen haben. Als ▪ semantisch-expressive Stilfärbungen wirken sie im Gegensatz zu der sonst in der Gerichtsstube des Dorfrichters ▪ Adam gesprochenen Sprache mitunter ▪ papierdeutsch. Zugleich haben sie zum Teil auch satirische Funktion, da die Sprache des Kommunikationsbereichs des Gerichtswesens, wie sie vor allem der Gerichtsrat ▪ Walter als Repräsentant einer rationalen und formalisierten Rechtspflege spricht, in die Welt von Huisum und ihrer bis dahin feudalen Gerichtsbarkeit nicht so recht passt.

Spr

Zitat

Haupt-
adressat

 

Wa

"Setzt ihren Namen in das Protokoll, / Und schreibt dabei: dem Amte wohlbekannt."  (7. Auftritt, V 589f.)

Li

Wa

"Wenn Ihr die Instruktion, Herr Richter Adam, / Nicht des Prozesses einzuleiten wißt," (7. Auftritt, V 614f.)

Ad

Wa

"Ihr setzt nicht mehr ins Protokoll, Herr Schreiber, / Als nur der Jungfer Eingeständnis, hoff ich, Vom gestrigen Geständnis, nicht vom Facto."  (7. Auftritt, V 825ff.)

Li

Li

"Doch praeter propter wie ein Pferdehuf" (11. Auftritt, V 1741)

Ad, Wa

Ad

"Bevor wir ein Konklusum fassen" (11. Auftritt, V 1749

Wa

Wa

"Schließt Eure Session! " (11. Auftritt, V 1842)

Ad

Ad

"Es gilt / Mir Ehre oder Prostitution" (11. Auftritt, V 1851f.)

Wa

Ad

"Ja, wenn Euer Gnaden / Erlauben, fäll ich jetzo die Sentenz." (11. Auftritt, V 1872f.)

Wa

Befehle, Anordnungen gegenüber Untergebenen

Befehle, oft mit einer Wortwahl, die der ▪ Stilschicht der vulgären Wörter und Redewendungen entstammt, kennzeichnen im Dramentext immer wieder die Kommunikation zwischen dem Dorfrichter ▪ Adam und seinen Bediensteten (Mägden, Büttel), aber auch mit anderen Figuren.

Spr

Zitat

Haupt-
adressat

Ad

"Die Beffchen! Mantel! Kragen!" (2. Auftritt, V 174)

Mägde

Ad

"Margrete! he! Der Sack voll Knochen! Liese!" (2. Auftritt, V 192)

Mägde

Ad

"Halt's Maul jetzt, sag ich –! Fort! schaff mir die Perücke! /Marsch! Aus dem Bücherschrank! Geschwind! Pack dich!" (2. Auftritt, V 199f.)

Mägde

Ad

"Hund, jetzt, verfluchter, schweig, / Soll hier die Faust den Rachen dir noch stopfen!" (7. Auftritt, V 783f.)

Rup

Ad

"Schmeißt sie heraus dort, die verwünschte Vettel!" (9. Auftritt, V 1201)

MRu, Büttel

Höflichkeitsfloskeln gegenüber Höhergestellten

Immer wieder stehen devote Höflichkeitsfloskeln, mit denen die Anrede höhergestellter Figuren gestaltet wird, Beispiele für ▪ semantisch-expressive Stilfärbungen. die meist ▪ gespreizt wirken und den inferioren Status seines Sprechers ausdrücken.

Spr

Zitat

Haupt-
adressat

Li

"Laßt Euern Dank vermelden."  (2. Auftritt, V 168)

Ad

Ad

"Auf meine Ehre, gnäd'ger Herr – " (5. Auftritt, V 372)

Wa

Li

"Wenn Euer Gnaden gütigst / Die Frau, durch den Herrn Richter fragen wollen" (11. Auftritt, V 1619)

Wa

Li

"Bitte ganz submiß, / Die Frau in dem Berichte nicht zu stören." (11. Auftritt, V 1703)

Wa, Ad

Ad

"Ja, wenn Euer Gnaden / Erlauben, fäll ich jetzo die Sentenz." (11. Auftritt, V 1872f.)

Ad

Anbiederungen als semantisch-expressive Stilfärbungen

Die nachfolgenden Beispiele stehen für ▪ semantisch-expressive Stilfärbungen, die eine ▪ Vertraulichkeit ausdrücken sollen, wie diese bei den verschiedenen Koseformen und Diminutiven der Fall sind oder bei anderen Formen einer vertraulichen Anrede.

Spr

Zitat

Haupt-
adressat

Ad

"Gevatterchen!" (2. Auftritt, V 168)

Li

MRu

"Evchen" ( z. B. 6. Auftritt, V 488; 9. Auftritt, V 1155)

Eve

Ad

"Evchen" (z. B. 7. Auftritt, V 509; 9. Auftritt, V 1097) "Herzens-Evchen" (7. Auftritt, V 815),  u

Eve, MRu

Ad

"Seid doch vernünftig, Kinder." (7. Auftritt, V 790)

Eve

Rup

 "Evchen" (12. Auftritt Variant, V 1908)

Eve

Rup

"Ei, du mein goldnes Mädchen, Herzens-Braut!" (12. Auftritt Variant, V 1911)

Eve

Rup

"Dein Pätschchen hol’s der Henker, nimm’s und ball’s" (12. Auftritt Variant, V 1916)

Eve

Wa

"Steh auf, mein Kind." (12. Auftritt Variant, V 1951)

Eve

Wa

"Mein liebenswertes Kind!"  (12. Auftritt Variant, V 1955)

Eve

Sprichwörter, Redensarten, Lebensweisheiten, Sentenzen

Sprichwörter und Redensarten kommen im Dramentext vor allem in der dramatischen Rede der Figuren vor, die der ▪ Dorfwelt und ihren Repräsentanten zugerechnet werden.

Spr

Zitat

Haupt-
adressat

Ad

"So nimm, Gerechtigkeit, denn deinen Lauf!" (7. Auftritt, V 573)

Ad

Rup

"Stockfinster war's, und alle Katzen grau" (7. Auftritt, V 923)

Ad, (alle)

Rup

"Das ist nicht hin, nicht her, nicht Fisch, nicht Fleisch" (7. Auftritt, V 932)

Ad, (alle)

MRu

"Dir weis ich noch einmal, wenn wir allein sind, / Die Zähne!" (7. Auftritt, V 951f.)

Rup

MRu

"Du weißt noch nicht wo mir Die Haare wachsen" (7. Auftritt, V 952)

Rup

MRu

"Als ob ein Stück von meinem Hornvieh spräche" (6. Auftritt, V 433)

Rup, (alle)

MRu

"Ist was für dich, der würd'ge Holzgebein / Der seinen Stock im Militär geführt" (6. Auftritt, V 471f.)

Eve

Vulgärsprache, Schimpfwörter, Flüche

Die nachfolgenden Beispiele lassen sich der der ▪ Stilschicht der vulgären Wörter und Redewendungen zuordnen lassen. Sie können als ausgesprochen grob empfunden werden. Sie werden daher in der Regel vermieden, weil sie auch ausdrücken, dass man seine Affekte nicht unter Kontrolle hat und von daher oft eine unbeabsichtigte Selbstcharakterisierung der Person darstellt, die sie verwendet.

Unter dem Aspekt der ▪ Stilfärbung geht es um "die Art der emotionalen Bewertung von Personen, Sachen oder Sachverhalten". (Hoffmann 2017, S.225f.) Die dabei vorgenommene ▪ Bewertung erfolgt auf der Grundlage von Konnotationen, die gewissermaßen als Nebenbedeutungen mit bestimmten Wortschatzeinheiten verbunden sind und auf diese Weise ihre stilschichtliche Bedeutung ergänzen kann. Stilfärbungen nutzen dabei die über den reinen Begriffsinhalt (Denotat) hinausgehenden, meist emotional geprägten Vorstellungen, die mit einem Wort oder einer Wortschatzeinheit verbunden sind, um einen Text emotionaler zu gestalten.

Die nachfolgenden Beispiele stehen für ▪ semantisch-expressive Stilfärbungen, die ▪ abwertend (pejorativ), ▪ spöttisch, oder derb wirken oder  ▪ Schimpfwörter darstellen.

Spr

Zitat

Adressat

Ad

"Den Teufel auch!" (2. Auftritt, V 178)

Li

Ad

"Der Teufel soll mich holen" (2. Auftritt, V 190)

Ad, Li

Ad

"Zum Henker!" (2. Auftritt, V 178)

Ad, Li

Ad

"Margrete! he! Der Sack voll Knochen! Liese!" (2. Auftritt, V 192)

Mägde

MRu

"Ihr krugzertrümmerndes Gesindel, ihr!" (6. Auftritt, V 414)

Rup, Vei

MRu

"Seht doch. Den Klugschwätzer." (6. Auftritt, V 417

Rup, (alle)

Vei

"Was geifert Sie?" (6. Auftritt, V 430)

MRu

MRu

"Als ob ein Stück von meinem Hornvieh spräche" (6. Auftritt, V 433)

Rup

Rup

 "Der Drachen!"  (6. Auftritt, V 439)

MRu

MRu

"Der eitle Flaps!" (6. Auftritt, V 445)

Rup

MRu

"dort der Maulaffe" (6. Auftritt, V 473)

Rup

Rup

"Verflucht bin ich, wenn ich die Metze nehme." (6. Auftritt, V 444)

Eve

Ad

"der vierschröt'ge Schlingel" (7. Auftritt, V 498)

Rup

Ad

"Schmeißt sie heraus dort, die verwünschte Vettel!" (9. Auftritt, V 1201)

MRu, Büttel

Wa

"Blödsinnig Volk, das!"  (11. Auftritt, V 1699)

MRu, Rup, Vei, Bri

Rup

"Der Lebrecht denk’ ich, Schafsgesicht, und geh." (12. Auftritt Variant, V 1920)

(alle)

Dialektausdrücke

Wörter, die aus einem ▪ Dialekt stammen oder zumindest eine regionale Gebundenheit aufweisen, sind immer wieder in ihre dramatische Rede verschiedener Figuren eingestreut und werden von diesen mit unterschiedlichen Intentionen verwendet.

Spr

Zitat

Adressat

Rup

"wo alles von der Faust ihr ging, / Und ihr das Heu man flog, als wie gemaust / Da sagt' ich: willst du? Und sie sagte: ach! Was du da gakelst"  (7. Auftritt, V 877 - V 880)

Eve, (alle)

Rup

"Sag ihm, daß du kein Braten bist für ihn" (7. Auftritt, V 929)

Eve. (alle)

Ad

"Willst du mir hier von einem andern trätschen" (9. Auftritt, V 1110)

Eve

Rup

"Die spricht: ich glaub, du schierst mich" (7. Auftritt, V 931)

Eve. (alle)

Ad

"Ein twatsches Kind. Ihr seht's. Gut, aber twatsch." (9. Auftritt, V 1238)

Wa

Lateinische Fremdwörter

Fremdwörter gelten unter dem Aspekt der ▪ Stilistik als "ein besonders auffälliges Stilmittel jedes Textes und jeder Sprechweise. Durch ihre Art und ihren Anteil können der jeweilige Gesamtteil eines Textes wie auch die Sprechart einzelner Personen in bestimmter Weise charakterisiert werden." (Sowinski 1978, S.252)

Spr

Zitat

Adressat

Ad

"Als eines Domdechanten auf der Kanzel" (11. Auftritt, V 1832

Wa

Ad

"Den Honoratioren beizumischen" (11. Auftritt, V 1838

Wa

 

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 07.08.2026

 

 
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