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Textfunktion

Funktionstypen

Heinemann/Viehweger 1991

 
FAChbereich Deutsch
Glossar Linguistik (Sprachwissenschaft)
Rechtschreibung Grammatik / Syntax Semantik Pragmatik Soziolinguistik Textlinguistik Überblick Textbegriff ▪ Syntaktisch-systemlinguistischer Ansatz Pragmatischer Ansatz [ Textfunktion ÜberblickIndikatoren der Textfunktion Funktionale Texttypen (Große 1976) Funktionstypen (Heinemann/Viehweger 1991) Textuelle Grundfunktionen (Klaus Brinker ] Textmuster Textsorten Text und Stil Textanalyse Bausteine  Gesprächsanalyse Schreibformen Rhetorik Operatoren im Fach Deutsch
 
 

 

Im Gegensatz zu eindimensionalen Funktionstypologien von Texten, die sich vor allem ausgehend von einem einzigen Basiskriterium um die Klassifikation von Texten bemühen oder wie »Klaus Brinker (1938-2006) (92018, S.97-132) mit seiner pragmatisch-kommunikativen "Linguistischen Textanalyse" (Integrative Textanalyse (Brinker 92018) den Text als Ganzes zum Ausgangspunkt der Analyse machen, geht der sogenannte Mehr-Ebenen-Ansatz anders heran.

Er geht davon aus, dass die Klassifikation von Texten in Texthierarchien "als Resultate des Zusammenwirkens von Merkmaltypen und Komponenten mehrerer Typisierungsebenen, als Merkmalbündel, als 'Ensembles' relevanter integrierter Eigenschaften von Interaktionseinheiten unterschiedlicher Stufe"  (Heinemann/Heinemann 2002, S.159) zu verstehen ist.

Die Zuordnungen, mit denen die Kommunikationspartner bestimmte Prototypen von Texten einem bestimmten Textmuster zuordnen, können nach Heinemann/Viehweger (1991, S.148-169), auf fünf unterschiedlichen Typologisierungsebenen erfolgen.

Diese Ebenen sind: ▪ Funktionstypen, ▪ Situationstypen, ▪ Verfahrenstypen, ▪ Text-Strukturierungstypen und ▪ prototypische Formulierungsmuster.

Hier soll die Ebene der Funktionstypen betrachtet werden.

Vier Primärfunktionen des Kommunizierens

Auf der  Ebene der ▪ Funktionstypen, bei der es um die Zuordnung von Texten aufgrund ihrer kommunikativen Funktion im Rahmen von Interaktionen geht, lassen sich Texte mit vier Primärfunktionen unterscheiden, zwischen denen es auch fließende Übergänge gibt. In solchen Fällen gelingt die Abgrenzung nur durch die Bestimmung einer dominanten Textfunktion.

Die vier kommunikativen Primärfunktionen sind:

SICH AUSDRÜCKEN

Die kommunikative Primärfunktion SICH AUSDRÜCKEN umfasst sämtliche Formen, die darauf zielen, sich psychisch zu entlasten. Im Grunde genommen ist sie unterschwellig in allen anderen Primärfunktionen enthalten. Die reine Affektentladung ist damit aber nicht gemeint.

Dazu gehört aber die Selbstdarstellung und die sogenannte "interfunktionale Meinungskundgabe" (Große) (vgl. ebd., S.150) mit der ein Textproduzent zugleich zum Ausdruck bringt, was in ihm vorgeht. Gewöhnlich ist sie mit anderen Funktionen wie z. B. INFORMIEREN oder KONTAKTIEREN verbunden (z. B. "Erlauben Sie mir, in dieser mich tief bewegenden Stunde auch allen Anwesenden dafür zu danken, dass sie mich rückhaltlos unterstützt haben.")

Die Funktion des SICH AUSDRÜCKENS wird dabei auch bei Texten besonders deutlich, mit denen sich z.B. eine bestimmte Gruppe von anderen abheben will (Vorlieben im Bereich der populären Musik wie z. B. Hip Hop, Rap, Pop oder bei sonstigen Gruppenlieder sowie jugendsprachlichen Texten)

KONTAKTIEREN

KONTAKTIEREN als "die Bereitschaft zu und die Realisierung von Kooperation" (ebd., S.150f.) kennzeichnet Texte wie Grußpostkarten, Begrüßungen, Small-Talk in allen möglichen Situationen. Auch wenn sie inhaltlich gesehen meist vergleichsweise unbedeutend sind, sind sie für die Pflege und den Ausbau sozialer Kontakte sehr wichtig. Das zeigt sich auch darin, dass Kontaktformeln und Textteile, die Kontaktfunktion haben, auch in Informations- und Steuerungstexten vorkommen, z. B. bei Begrüßungen oder direkten Ansprachen während eines Vortrags oder zur Kontaktmarkierung am Ende (z. B. Weiterhin gute Unterhaltung! Tschüss!) (ebd., S.151)

INFORMIEREN

INFORMIEREN ist eine Funktion, die sowohl der Informationsermittlung als auch Informationsvermittlung dient und der wohl die größte Anzahl aller Texte zugeordnet werden kann. Zudem lassen sich Informationstexte dazu noch in verschiedene Hauptklassen (Texte zur Gewinnung neuer Kenntnisse und Erkenntnisse, Texte zur Kontrolle von Wissensbeständen des Partners ) unterteilen und dazu noch nach der Art der vermittelten Informationen.

STEUERN

STEUERN zielt als Funktion darauf, als Textproduzent unmittelbar Einfluss auf das Handeln des jeweiligen Adressaten zu nehmen. Die Texte mit dieser Funktion sollen ihren Adressaten als handlungssteuernde Texte i. e. S. zu bestimmten Handlungen veranlassen. Dazu zählen z. B. Arbeitsanweisungen, Befehle, Aufforderungen, bei denen der Rezipient kaum eine andere Wahl hat, als ihnen zu folgen, aber auch Appelle, Ratschläge oder Vorschläge, bei denen der Rezipient entscheiden kann, was er mit der Handlungsaufforderung zu tun gedenkt. (vgl. ebd., S.152)

ÄSTHETISCH WIRKEN

ÄSTHETISCH WIRKEN ist eine weitere Funktion von Texten, in denen eine fiktionale Welt erzeugt wird. Solche Texte können alle zuvor genannten Funktionen überlagern.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 17.12.2023

 
 

 
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