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Konjunktiv II

Überblick

 
FAChbereich Deutsch
Glossar
Kompetenzorientierter Deutschunterricht Literatur Linguistik (Sprachwissenschaft) Rechtschreibung Grammatik / Syntax Wortgrammatik Veränderliche Wortarten Verb Überblick Klassifikationen des Verbs ▪ Stammformen Finite Verbformen (Konjugationsformen) Überblick Möglichkeiten der Abwandlung des Verbs  Konjugation Tempus ● Modus Überblick Indikativ Konjunktiv Überblick Konjunktiv I [ Konjunktiv II Überblick Die Bildung des Konjunktiv II ] Stilistische Probleme Bausteine   Imperativ Konditional Bausteine Schwierige Verbformen   Verb und Satz Bausteine Unveränderliche Wortarten ▪ Bausteine Satzgrammatik Rede- bzw. Textwiedergabe Häufig gestellte Fragen Semantik Pragmatik Soziolinguistik Textlinguistik Gesprächsanalyse Schreibformen Rhetorik Operatoren im Fach Deutsch
 

Der ▪ Konjunktiv II ist der ▪ Modus der ▪ finiten Verbformen, mit dem man im Allgemeinen ausdrückt, dass der Sprecher das, was er sagt, nicht für wirklich hält oder meint, dass die dafür nötigen Bedingungen nicht erfüllt sind.

1. Konjunktiv II als Ausdruck der Irrealität und Ungewissheit

Die Äußerung des Mannes zeigt, dass er sich lediglich vorstellt, wie es wäre, wenn seine Partnerin sich über den Kauf eines Autos freuen würde.

Die Frau bringt ihre Aussage  im gleichen Sinn und damit auch gleichen Modus der Nichtwirklichkeit (Irrealität) als Antwort zum Ausdruck.

Der Konjunktiv II steht damit hauptsächlich für das nur Vorgestellte, bloß Gedachte und damit letztlich Irreale.
2. Der Konjunktiv II als Ausdruck der Höflichkeit und Unverbindlichkeit

Neben der oben dargestellten Verwendung taucht der Konjunktiv II auch in Formulierungen auf, die als besonders höflich gelten sollen:

  • Ich wünschte, dass Sie mir jetzt einmal alle genau zuhörten.

  • Es wäre so auf jeden Fall zu überlegen.

  • Wir würden uns glücklich schätzen, wenn wir Sie als Gäste begrüßen dürften.

  • Hätten Sie vielleicht noch ein Stückchen Kuchen für mich?

Setzt man die obigen Sätze in den ▪ Indikativ (z.B. Wir sind glücklich, wenn wir sie als Gäste begrüßen dürfen), so spürt man gleich, dass sie irgendwie direkter, schroffer und härter klingen und ankommen. (vgl. DUDEN Grammatik 1973, S. 103)

3. Der Konjunktiv II als Understatement

Noch eine weitere Verwendung findet der Konjunktiv II:  Wenn man etwas in seiner Wichtigkeit zurücknehmen will, kann der Konjunktiv II verwendet werden.

Dies erkennt man beispielsweise an den folgenden Äußerungen:

4, Der Konjunktiv II als Ersatzform bei der indirekten Rede (Ersatzregel)

Der Konjunktiv II spielt auch als Ersatzform bei nicht eindeutigen und missverständlichen Formen des Konjunktiv I in der indirekten Rede eine große Rolle.

In den Fällen, in denen sich in der Regel die Indikativ-Präsens-Formen nicht von den Konjunktiv-I-Formen unterscheiden, übernehmen die entsprechenden Konjunktiv-II-Formen die Aufgabe, die indirekte Wiedergabe kenntlich zu machen.

Die folgenden Beispiele verdeutlichen diesen Sachverhalt:

  • Die Bedienung beklagte, dass die Kunden bei den hohen Getränkepreisen kaum noch Trinkgeld geben.

  • Die Bedienung beklagte, dass die Kunden bei den hohen Getränkepreisen kaum noch Trinkgeld gäben.

Der Unterschied zwischen beiden Äußerungen ist nicht unerheblich. Nur im zweiten Beispiel ist klar ausgedrückt, dass es der Sprecher eine Äußerung der Bedienung wiedergibt. Im ersten Beispiel könnte es sich genau so gut um die Meinung des Sprechers handeln, die zwar mit der der Bedienung übereinstimmt, aber nicht in jedem Fall so von der Bedienung geäußert worden ist. Grundsätzlich betrachtet sollte man daher in solchen Fällen die entsprechenden Ersatzformen verwenden.

Und trotz alledem muss auch einschränkend gesagt werden, dass die Anwendung dieser Ersatzregel nicht wirklich zwingend (obligatorisch) ist. Bei der indirekten Wiedergabe werden nämlich meist zusätzlich zur Kennzeichnung der indirekten Wiedergabe durch den Konjunktiv noch weitere Signale (Wiedergabeindizes) verwendet (z. B. redeeinleitende Verben und Formulierungen, Parenthesen etc.), so dass man, wenn dies der Fall ist auch auf die Ersatzformen verzichten kann. (vgl. Engel (1996, S. 112)

Allerdings sollte man bei allem Streben nach grammatikalischer Richtigkeit hier wohl die Kirche im Dorf lassen, wie Ulrich Engel (1996, S. 423) betont: "Allgemein muss gesagt werden, dass die 'Ersatzregel'  (Konjunktiv II für nicht-eindeutigen Konjunktiv I) zwar im Fremdsprachenunterricht gelehrt werden sollte, dass sie aber faktisch nicht immer strikt befolgt wird. Einerseits werden immer wieder nicht-eindeutige Konjunktiv-I-Formen verwendet, andererseits werden Konjunktiv-II-Formen auch dann verwendet, wenn die entsprechende Konjunktiv-I-Form durchaus eindeutig wäre.

Nach Bausch (1975, S.179) ist der Unterschied zwischen Konjunktiv I und Konjunktiv II nicht semantischer Art, sondern hängt davon ab, in welchem Kontext er jeweils verwendet wird: "Der Konj I wird mehr in öffentlichen, der Konj II mehr in nicht-öffentlichen Situationen verwendet, er ist die Form des informellen Sprechens."

Ein weiteres Problem kompliziert den Konjunktivgebrauch. Auch der Konjunktiv II ist nämlich (wie schon angedeutet) nicht immer eindeutig: in wiedergegebenen Texten ist häufig unklar, ob die Primäräußerung selbst schon im Konjunktiv II oder aber in einer anderen finiten Verbform stand."

Das folgende Beispiel verdeutlicht diesen Sachverhalt. Bei der dargestellten Sekundäräußerung im Konjunktiv II (Ersatzform für die mit dem Indikativ identische Form des Konjunktiv I fragen/fragen) ist nicht klar, auf welche der beiden dargestellten Primäräußerungen sie zurückgeht.

 Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 17.12.2023

  
 

 
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