Dass es bei •
sexualisierter Gewalt nicht primär um
Sex geht, sondern um das Ausüben von Macht und Unterdrückung (vgl.
Gysi
2018, S.19)
ist eine heute in der Forschung unbestrittene Erkenntnis.
So ist auch ▪
Sexismus ist ein Problem, das sich nicht nur in den Beziehungen der
Menschen und in ihrem aufeinander bezogenen Handeln und Verhalten zeigt.
Denn außer dieser interaktionellen Ebene des Sexismus ist der Sexismus
auch tief in patriarchalen Strukturen unserer Gesellschaft verankert und ist also
immer auch ein strukturelles Problem. Entscheidend ist der
Faktor Macht, der hinzukommt. Berücksicht man ihn
mit, dann "(lässt sich) Sexismus (...) auf die plakative Formel bringen: Sexismus = geschlechterbasierte Vorurteile + ungleiche
Machtverteilung." (Schiff
2018, S.3)
Dabei ist es besonders wichtig zu verstehen, dass stereotype
Merkmalszuschreibungen für die Geschlechter
keineswegs immer mit einer
negativen Tönung daherkommen. Dies gilt in besonderer Weise für
Stereotype von Frauen. Sie erleben Sexismus oft auf der einen Seite
eindeutig diskriminierend, bekommen aber auch "positive
Gesamtbewertungen, häufig sogar positivere Gesamtbewertungen als Männer
(»women-are-wonderful«Effekt);" (Eckes
2010, S. 182) Aber: Sexistische Äußerungen sind eben keine
Komplimente.
Dieses "Diskriminierungs-Zuneigungs-Paradox"
(ebd.) ist aber nur die andere Seite der gleichen Münze, denn Vor- und
Rückseite der Münze ergeben zusammen "eine duale Bewertungsstruktur, die
sich aus ablehnenden, feindseligen (hostilen) Einstellungen und
subjektiv positiven, wohlmeinenden (benevolenten) Einstellungen
zusammensetzt." (ebd.,
S.183)
Wo Männer das Sagen
haben und die Strukturen entsprechend sind, findet der
hostile Sexismus ideale Bedingungen. Dazu
passen Äußerungen wie "Die meisten Frauen merken doch gar nicht mehr,
was Männer alles für sie tun" oder "Frauen sind einfach zu emotional ...
zu schnell beleidigt" etc.
Wenn Männer aber in engeren Beziehungen zu Frauen stehen, von denen sie
auf irgendeine Weise abhängig sind, zeigt sich eher der
benevolente
Sexismus. Typische Beispiele dafür sind Äußerungen wie "Frauen sollten
von Männern umsorgt und beschützt werden" oder "Frauen haben
einfach ein Gespür in moralischen Angelegenheiten."
Was man früher gerne als Ritterlichkeit oder Kavalierstum und
Kavalierverhalten bezeichnete, ist, trotzdem es männlichen Akteuren also
wohlmeinend vorkommt, sexistisch. Auch wenn dies auf den ersten Blick
nicht immer leicht zu durchschauen ist.
"Frauenfreundlich"
bleibt diese Selbstdarstellung von Männern aber nur solange die Frauen "mitspielen"
und die entsprechenden Rollenerwartungen erfüllen, z. B. als tüchtige
Hausfrau oder sonstwie typische Frau, aber nicht als "Karrierefrau", die
dafür den feindseligen (hostilen) Sexismus stets zu gewärtigen hat. (ebd.,
S.183)
Auch wenn es bei •
sexualisierter Gewalt um das
Ausüben von Macht und Unterdrückung handelt, (vgl.
Gysi
2018, S.19) halten sich
in der Gesellschaft aus unterschiedlichen Gründen weiterhin • Vergewaltigungsmythen
und wirken sich zum Teil vollkommen unbewusst auf das Denken und
Handeln der Menschen (Subjekte) aus. Sie ordnen sich im Sinne »Michel
Foucaults (1926-1984) in das Wirken der •
depersonalisierten zirkulierenden Kraft
ein, die zahlreichen Objekten (Körpern) eingeschrieben ist und
die für die Einhaltung dessen sorgt, was der (patriarchalen) Macht gelegen kommt.
Diese •
polymorphe
Macht verschränkt sich mit dem •
Wissen
zu "machtstrategische(n) Verknüpfungen von Diskursen und Praktiken" (Fink-Eitel
1989, S.80), die die Vorstellungen über Sexualität zu einem so
genannten • ›Dispositiv‹
vereinheitlichen und bestimmen, "was in einer Gesellschaft für wahr
gehalten, als richtig erachtet und als erstrebenswert angesehen
wird." (Rosa/Strecker/Kottmann
32018, S. 295)
Ohne dass die »
Machtanalyse von Michel Foucaults an dieser Stelle ausgebreitet
werden kann, gilt es aber zu verstehen, das Macht nach Foucault nie
alles umfassen kann, aber "von überall kommt" (Foucault
1983/192012, S.95).,
S. 94), und deshalb "überall (ist)" (ebd.,
S. 94, weil sie sich in allen Bereichen und Kräfteverhältnissen
immer wieder reproduziert. Daher kann man in den Machtbeziehungen auch
kein Netz sehen, das sich "als etwas Äußeres" über "andere
Typen von Verhältnissen" (ebd.)
wie z. B. soziale oder ökonomische Prozesse oder auch
"Erkenntnisrelationen" oder "sexuelle Beziehungen" wie eine Art
Spinnennetz darüber legt (vgl.
Sich
2018, S.70). Macht ist, so Foucault, dagegen als etwas zu begreifen, dass diesen
"immanent" (Foucault
1983/192012, S.94) bzw. eingeschrieben ist. Daher
kann man Macht bzw. die "Machtbeziehungen" auch nur von ihren Wirkungen, den
»Funktionsweisen der Macht« her analysieren, rekonstruieren und
beschreiben.
Selbst wenn man
diesen Vorstellungen im Allgemeinen zustimmen mag, die
patriarchalische Macht in unserer Gesellschaft hat eben, so •
polymorph
man sie auch verstehen mag, Gesichter. Dort, wo sie mit
sexualisierter Gewalt ausgeübt wird, sind eben auch Täter am Werk,
und diese sind meistens Männer. Und der Ruf von Frauen, die sich
nach den »Epstein-Files
und der • Dunkelfeldstudie der
Bundesregierung verzweifelt fragen: "Wie sollen wir mit Männern
eigentlich noch zusammenleben?" (Monika Schwarz in der Wochentaz vom
14.- 20.Februar 2026), macht deutlich, dass sie ihre Hoffnung nur
noch darauf richten können, die Männer wirklich zu entmachten, sei
es als Individuen oder als kollektives Geschlecht, um sich gegen die
geschlechtsspezifische sexualisierte Gewalt zu wehren, die Frauen
überall treffen kann.
Auch wenn vereinfachende
•
Täter-Opfer-Dichotomien ("männlicher Täter – weibliches
Opfer") empirisch und analytisch unzureichend sind, muss der Blick
aber stets drauf gerichtet sein, dass Macht und Gewalt in patriarchalischen
Systemen grundsätzlich mit den
gesellschaftlichen Vorstellungen von Männlichkeit verknüpft ist. Es
sind die hegemonialen, aber
auch die Konzepte der komplizenhaften Männlichkeit, die patriarchale Machtverhältnisse
stabilisieren. Der Kampf um die Auftrechterhaltung des Patriarchats
ist eine der wesentlichen Konstanten innerhalb der
Geschlechterbeziehungen.
Die »hegemoniale Männlichkeit stellt mit
ihren Elementen, die ausdrücken, was ein Mann sein soll, ein kulturelles Leit- und Idealbild
dar, dem die wenigsten Männer entsprechen. Dennoch hat es eine
zentrale Bedeutung für Ungleichheit und Gewalt in der
patriarchalischen Gesellschaft. Das Leitbild orientiert sich meist
am •
traditionellen Sexismus, der Geschlechtsunterschiede betont, die
sich an traditionellen Stereotypen orientieren. Zugleich ist er vom
Glauben an die Minderwertigkeit von Frauen im Vergleich zu den
Männern geprägt und tritt oft mit biologistischen und
evolutionistischen Argumenten für die Beibehaltung herkömmlicher
Geschlechterrollen ein. Wenn er dies tut, zeigt sich darin auch
die enge ideologischer Verwandtschaft zum »Rassismus,
der ja auch von einer quasinatürlichen Höherwertigkeit bestimmter Rassen
ausgeht.
Das
soziologische Konzept der hegemonialen Männlichkeit soll im Rahmen der »soziologischen
Geschlechterforschung (Gender Studies) erklären, "wie und warum
Männer ihre soziale Dominanz gegenüber Frauen und anderen »Geschlechtsidentitäten,
aber auch gegenüber als "schwächer" wahrgenommenen Männern
(beispielsweise Homosexuellen) erreichen und aufrechterhalten." (Wikipedia)
Mit ihren Elementen wie z. B. Durchsetzungsfähigkeit, Kontrolle und
Rationalität, Heterosexualität, wirtschaftliche und soziale Macht
sowie emotionale Zurückhaltung sorgt sie dafür, dass bestimmte
Machtverhältnisse in ihren jeweiligen historischen, kulturellen und
gesellschaftlichen Kontexten als "normal" wirken.
Welches Konzept von
Männlichkeit die hegemoniale Stellung erlangt, hängt letzten Endes
davon ab, wie sehr es ihm gelingt, die patriarchalischen Strukturen
aufrechtzuerhalten, männliche Dominanz abzusichern und für die
Unterordnung von Frauen zu sorgen.
Dabei zeigt sich
die hegemoniale Männlichkeit als durchaus wandelbar. Ändern sich die
Bedingungen, unter denen die Verteidigung des Patriarchats
stattfindet, verändern sich auch die (idealen) Vertreter der
hegemonialen Männlichkeit, stützen das patriarchalische System aber
unvermindert durch ihren Anspruch auf Autorität.
Direkte Ausübung
von Gewalt wird eher vermieden, ist aber auch niemals gänzlich
ausgeschlossen. Macht und Erfolg der hegemonialen Männlichkeit
beziehen sich in erster Linie auf ein Kollektiv, d. h. ein einzelner
Vertreter dieser Konfiguration verfügt in der Gesellschaft nicht
unbedingt über die größte Autorität und nicht jeder mächtige Mann
realisiert die hegemoniale Männlichkeit, oftmals sind es eher
Filmschauspieler oder Filmfiguren, aber auch "weiße Männer" in hohen
Managementpositionen. (vgl.
Spies 2023,
S.129)
Männer wie die
einstmals mächtigen und mittlerweile als Sexualstraftäter
verurteilten »Harvey
Weinstein (geb. 1952) und »Jeffrey
Epstein (1953-2019) stellen dabei lediglich die in den letzten
Jahren prominentesten Fälle dar, die solche Positionen verkörpert
haben. Dabei wirkte z. B. Epstein auf seine Opfer zunächst gar nicht
wie ein hegemonialer "Macho" oder Playboy, wie eines seiner Opfer,
Lisa Philipps (geb. 1977), in einem Interview mit Caroline
Schwarz in der
wochentaz (2026) erklärt, "sondern viel eher wie ein
einfühlsamer Mentor", bis alles irgendwann "kippte", als sie auf
seiner Insel zu einer Massage Epsteins gerufen wurde und eine
polnische Kollegin zu ihr gesagt habe: "Hör mal, wenn Jeffrey sagt,
dass er von dir massiert werden will, dann musst das machen."
Philipps hat nach eigenen Worten von Epsteins Insel abreisen wollen,
aber kein Boot zur Verfügung gehabt. So nahmen die Dinge ihren Lauf:
"Aus der Massage wurde ein Übergriff", den Philipps weiter so
schildert: " Das andere Mädchen und ich mussten und ausziehen und
gegenseitig berühren. Irgendwann berührte auch er uns, penetrierte
uns mit einem Vibrator. Es dauerte alles nicht lange, aber es war
extrem verletzend. Ich habe die ganze Zeit versucht, meine Tränen
zurückzuhalten. [...] Ich wusste ja nicht, welches System dahinter
steckte. [...] Ich hatte Angst vor ihm. Ich hatte seine dunkle Seite
gesehen." Der Epstein-Skandal hat verdeutlicht, wie tief verstrickt
zahlreiche reale oder "Möchtegern-Alphamännchen" aus der Welt der
reichsten und mächtigen Männer der Welt in Epsteins System des
Menschenhandels gewesen sind. Und bis heute (Anfang 2026) ist außer
dem durch Suizid aus dem Leben gegangen Epstein nur dessen weibliche
"Zutreiberin" junger Mädchen und Frauen, »Ghislaine
Maxwell (geb. 1961), kein einziger männlicher Täter verurteilt
worden. Auch der 47.US-Präsident »Donald
Trump (geb. 1946), der wie zahlreiche andere (einfluss-)reiche
Personen des öffentlichen Lebens zu den erklärten Freunden »Jeffrey
Epsteins (1953-2019) gehört, geriet unter Verdacht, an den
"wilden Partys" auf Epsteins Insel teilgenommen zu haben. Allerdings
lieferten auch die (nicht vollständig) vom US-Justizministerium
veröffentlichten »Epstein-Akten
trotz darin enthaltener Anschuldigungen keine handfesten Beweise für
seine Beteiligung an strafbaren Missbrauchsdelikten. (vgl.
Moll 2026,
S.02) Es ist, wie der Leitartikler der wochentaz weiter ausführt,
kaum zu erwarten, dass "sein Justizministerium die Sache weiter
verfolgt." Und auch seine harte Wählerschaft schert sich einen Dreck
um die mögliche Verwicklung "ihres Präsidenten" in den
Missbrauchsskandal. Seine MAGA-Bewegung habe sich eben schon bisher
nicht "um Trumps unverhohlene Frauenfeindlichkeit geschert" und
werde dies auch in dieser Situation nicht tun. "Wie Trump Frauen
sieht, ist spätestens seit der berüchtigten
»Hollywood-Acces«-Aufnahme bekannt, in der er geprahlt hat, er
könne sie einfach ungestraft begrapschen." Was er auch immer
öffentlich erklärt, wie menschenverachtend er sich über Frauen, die
sich gegen ihn und seine Politik stellen, auch immer wieder geäußert
hat, bei seiner Anhängerschaft hat ihm seine offensichtliche
Mysogenie nicht geschadet, sondern im Gegenteil stets genutzt.
Mysogenie ist, wie das das
New York Magazine
so treffend formulierte, gewissermaßen zu seiner Marke. Auch die
Tatsache, dass es sich bei den auf Epsteins Insel missbrauchten
jungen Frauen, um Minderjährige, Kinder und Jugendliche, gehandelt
hat, lässt die MAGA-Fans offenbar kalt. Denn auch beim
Kindesmissbrauch, so betont Moll weiter, "verhält es sich so wie bei
Trumps anderen Tabubrüchen. Sie sind unter seinen Anhängern populär,
weil sie sich auf eine pubertäre Art und Weise gegen bürgerliche,
liberale Normen auflehnen. Und je krasser der Tabubruch, desto mehr
Lust bereitet er." (ebd.)
Tabubruch als Mittel des Kulturkampfes gegen eine "woke"
Gesellschaft ist das eine, die dahinter stehende Popularisierung der
Menschenverachtung das andere, die, sieht man einmal von anderen
Autokraten ab, kaum ein anderer so exponiert im Sinne hegemonialer
Männlichkeit repräsentiert wie Donald Trump. (vgl.
ebd.)
Auch wenn sich die Gewalt vor allem gegen Frauen richtet, dient sie gleichzeitig auch dazu,
bestimmte Männlichkeitskonzepte unterzuordnen und damit eine
Binnenhierarchie von Männlichkeit herzustellen. "Insofern lässt sich
Gewalt sowohl als Ausdruck von ungleichen Machtverhältnissen als
auch als Mittel verstehen, um diese Ungleichheit abzusichern", wie
Spies (2023,
S.130) im Anschluss an Ergebnisse des soziologischen Erklärungsansatzes zum
Zusammenhang von Gewalt und Geschlecht von »Raywyn
Conell (geb. 1944) (2006)
betont.
Die
Männlichkeitskonzepte sollen also auch gegen bestimmte Konzepte von Männlichkeit
wirken, die die hegemoniale
Männlichkeit untergraben könnten. Hier geht es vor allem um
Männlichkeiten, die in einer gefährlichen Nähe zur Weiblichkeit
gesehen werden. Das betrifft vor allem die
männliche Homosexualität,
kann aber auch andere Gruppen untergeordneter Männlichkeit treffen.
Es kann sich aber dabei auch um einzelne Praktiken von Männern
handeln, wenn sie aus Sicht der hegemonialen Männlichkeit als
typisch weiblich gelten. Dann müssen diese Männer auch nicht zu den
untergeordneten Gruppen gehören.
Aber auch andere
Unterordnungen werden mit weiteren Strategien vorgenommen. So hat
sich seit den Ereignissen während der Kölner Silvesternacht 2015/16
ein Ethnosexismus (Gabriele Dietze)
verbreitet, der sexualisierte Gewalt kulturalisiert und rassifiziert
hat. Auf diese Weise wurde sie den "Anderen" zugeschrieben und aus
der Mehrheitsgesellschaft ausgelagert (vgl.
Spies 2023,
S.135) Solche "Othering"-Prozesse
dienen im Allgemeinen dazu, dass u. a. das "Bild des »sexuell
übergriffigen und gewalttätigen fremden Mannes«" verbreitet wurde,
mit dem der Mantel des Schweigens über "(sexualisierte) Gewalt im
sozialem Nahraum, der eigenen Familie oder ›Wir‹-Gruppe" leichter
ausgebreitet werden kann (ebd.,
S.136) Zugleich wird damit die "kolonial-rassistische Rhetorik (re-)aktiviert,
die ›eigenen‹ ›weißen‹ Frauen* vor den ›anderen‹ ›schwarzen‹ Männern
zu schützen." (ebd.,
S.136f.)
Die meisten Männer handeln hingegen nach dem Konzept, das als
komplizenhafte Männlichkeit beschrieben wird.
Männer in dieser
Position verkörpern selbst nicht die dominante (hegemoniale)
Männlichkeit, tragen sie aber mit, akzeptieren sie und profitieren
davon. Es sind, wenn man so will, Mitläufer, die die "patriarchale
Dividende" (Conell
2006, S.133) einstreichen, ohne sie an vorderster Front zu erstreiten.
Im Alltagshandeln üben diese Männer im Allgemeinen keine direkte
Macht oder Gewalt aus. Sie gehen, wo notwendig, Kompromisse mit
Frauen ein, was auch dazu führt, dass das von ihnen repräsentierte
Bild von Männlichkeit widersprüchlich erscheint und die Dominanz im
Geschlechterverhältnis damit nicht in vollem Umfang reproduziert
wird. Solche Männer entsprechen daher auch nicht vollständig dem hegemonialen Ideal.
Trotzdem
profitieren sie indirekt von einer Gesellschaft, in der Männer
insgesamt Vorteile haben. Sie stabilisieren die hegemoniale
Männlichkeit mit ihrer Zustimmung oder ihrem Schweigen.
Man lacht
bei einem sexistischen Witz mit oder sagt nichts dazu, man nimmt die
ungleiche Bezahlung im Beruf (»Gender-Pay-Gap), die ungleiche Aufgabenverteilung im
Haushalt und bei der Kindererziehung und andere Vorteile hin und stellt sie
nicht in Frage.
Mit diesem Nicht-Eingreifen wird die
hegemoniale Männlichkeit aber aktiv stabilisiert. Zugleich
grenzt man sich von anderen Formen von Männlichkeit ab, die
abgewertet oder ausgeschlossen werden. Es handelt sich dabei um
marginalisierte Männer, die z. B. aufgrund ihrer sozialen Herkunft,
ihrer Hautfarbe, ihre Zugehörigkeit zu bestimmten Ethnien, die
selbst wenn sie es zu Reichtum gebracht haben, kaum eine höhere
gesellschaftlichen Autorität erlangen können.
Gewalt ist, auch
dies ist ein Ergebnis des soziologischen Erklärungsansatzes zum
Zusammenhang von Gewalt und Geschlecht von »Raywyn
Conell (geb. 1944) (2006),
"vor allem gegen Frauen* gerichtet und dient gleichzeitig der
Herstellung von Binnenhierarchien gegenüber untergeordneten
Männlichkeiten. Insofern lässt sich Gewalt sowohl als Ausdruck von
ungleichen Machtverhältnissen als auch als Mittel verstehen, um
diese Ungleichheit abzusichern." (Spies 2023,
S.130)
Die
Männlichkeitskonzepte sollen also auch gegen bestimmte Konzepte von Männlichkeit
wirken, die die hegemoniale
Männlichkeit untergraben könnten. Hier geht es vor allem um
Männlichkeiten, die in einer gefährlichen Nähe zur Weiblichkeit
gesehen werden. Das betrifft vor allem die
männliche Homosexualität,
kann aber auch andere Gruppen untergeordneter Männlichkeit treffen.
Es kann sich aber dabei auch um einzelne Praktiken von Männern
handeln, wenn sie aus Sicht der hegemonialen Männlichkeit als
typisch weiblich gelten. Dann müssen diese Männer auch nicht zu den
untergeordneten Gruppen gehören.
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
18.02.2026
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