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Sexualisierte Gewalt

Das Dunkelfeld von Gewalterfahrungen

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Glossar
Was sind teachSam-Projekte? [ Sexualisierte Gewalt Didaktische und methodische Aspekte Überblick Begriff Patriarchalische Rahmenbedingungen Vergewaltigungsmythen und kognitive Verzerrungen Das Dunkelfeld von Gewalterfahrungen Strafrecht und Strafrechtstatbestände Hindernisse für die Anzeige durch die Opfer Sexuelle Gewalt gegen Jungen Bausteine Links ins Internet ] ...
 

Wer heutzutage Gewalt in seinem Leben erfährt, bringt dies selten zur Anzeige. Dabei spielt es im Grunde keine Rolle, um welche Form von Gewalt es sich handelt. Bei den meisten Gewaltformen liegt die Anzeigequote unter zehn Prozent. Innerhalb von (Ex-)Partnerschaften liegt sie bei psychischer und körperlicher Gewalt sogar unter fünf Prozent.

Das ist ein zentrales Ergebnis der Dunkelfeld-Studie »"Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag (LeSuBiA)", die das Bundeskriminalamt in Kooperation mit dem Bundesministerium des Innern und dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend in den Jahren 2023 bis 2025 durchgeführt hat.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Frauen sind meist häufiger und stärker von partnerschaftlicher oder geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen als Männer, insbesondere bei sexuellen Übergriffen, sexueller Belästigung und Stalking.

Bei der Vorstellung der Studie im Februar 2026 erklärte die Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) dazu: "Die Zahlen machen sichtbar, was lange im Verborgenen lag: Das Dunkelfeld bei partnerschaftlicher und sexualisierter Gewalt ist riesig. Gewalt ist kein Randphänomen, sie betrifft Millionen Menschen in unserem Land. Fast jede sechste Person erlebt körperliche Gewalt in der Partnerschaft – und 19 von 20 Taten werden nicht angezeigt. Dieses Schweigen ist kein individuelles Versagen, sondern Ausdruck von Angst und offenbar fehlenden Zugängen zu Hilfe. Genau deshalb bauen wir Hürden ab und schaffen mit dem Gewalthilfegesetz ein verlässliches, flächendeckendes Schutznetz. Wir müssen Gewalt verhindern, bevor sie entsteht. Schuld und Scham liegen immer bei den Tätern, niemals bei den Betroffenen.“

Ein weiterer zentraler Befund der Dunkelfeldstudie: Frauen und Männer sind sowohl von psychischer als auch körperlicher Gewalt in (Ex-)Partnerschaften innerhalb der letzten fünf Jahre ähnlich häufig betroffen. Frauen erleiden jedoch im Vergleich zu Männern in Gewaltsituationen mehr Verletzungen, schätzen die Lebensgefahr als größer ein und empfinden stärkere Angst.

Neben dem Geschlecht spielt auch das Alter bei Gewalterfahrungen eine Rolle. Junge Menschen sind nahezu von allen Gewaltformen deutlich häufiger betroffen als ältere Menschen. Jüngeren Personen widerfährt Gewalt besonders häufig durch sexuelle Belästigung, in Form von digitaler Gewalt und verabreichten K.o.-Tropfen.

Ein relevanter Teil der Bevölkerung berichtet davon, in der Kindheit und Jugend schon einmal Gewalt durch Eltern oder Erziehungsberechtigte erlebt zu haben. Mehr als jede zweite junge Person ist von körperlicher Gewalt und mehr als jede dritte Person von psychischen Gewalterfahrungen betroffen. Fast jede vierte Person hat Gewalt zwischen den Erziehungsberechtigten miterlebt. Dabei wurden Personen, die Gewalt zwischen Erziehungsberechtigten erlebt haben, auch häufiger selbst Opfer von Gewalt durch Erziehungsberechtigte.

Weitere, im Vergleich zur restlichen Bevölkerung besonders stark mit Gewalt konfrontierte Gruppen, sind Personen mit Migrationshintergrund – auch hier vor allem Frauen – sowie Angehörige der LSBTIQ*-Community.

Die Dunkelziffer bei Gewalterfahrungen ist also außerordentlich hoch. Um Licht in dieses Dunkelfeld von Erfahrungen zu bringen, arbeitet die Statistik bei ihren repräsentativen Befragungen vor allem mit zwei zentralen Kategorien: Prävalenzen und Inzidenzen

  • Prävalenzen bezeichnen dabei "den Anteil von Personen in der Bevölkerung, die innerhalb eines festgelegten Zeitraums (z.B. in den letzten fünf Jahren oder im gesamten Leben) mindestens einmal eine bestimmte Gewaltform erlebt haben."

  • Die Inzidenz hingegen beschreibt, wie häufig eine bestimmte Gewaltform in einem bestimmten Zeitraum in der Bevölkerung auftritt. Für eine bessere Vergleichbarkeit wird diese Anzahl in Bezug zu 1.000 Personen berechnet, d.h. sie gibt an, wie viele Gewalthandlungen pro 1.000 Personen passieren." (Leitgöb-Guzy/ Bieber LeSuBiA,  Themenheft 1, 2026, S. 8)

Die Erkenntnisse im Überblick
  • Frauen sind in stärkerem Maße von sexuellen Übergriffen, sexueller Belästigung und Stalking betroffen. Die 5-Jahresprävalenz – also die Betroffenheit in den vergangenen fünf Jahren – bei körperlicher Gewalt innerhalb von (Ex-)Partnerschaften fällt jedoch bei Männern und Frauen nahezu gleich hoch aus. Frauen erfahren eine höhere Mehrfachviktimisierung, d. h. sie sind Opfer verschiedener Gewalt. Gewalt tritt somit in dem Leben vieler Betroffener oft in Kombination von verschiedenen Gewaltformen auf.

  • Der Schweregrad der Gewalterfahrung ist bei Frauen über alle Gewaltformen hinweg (deutlich) höher als bei Männern. Frauen sind also nicht nur häufiger davon betroffen, sondern empfinden auch mehr Angst in solchen Situationen und bewerten die Erfahrungen als schlimmer.

  • Die Gewaltbetroffenheit hängt stark mit dem Alter zusammen: Jüngere Personen sind bei nahezu allen Gewaltformen (deutlich) häufiger betroffen als ältere Personen, insbesondere bei digitaler Gewalt und sexueller Belästigung. Bemerkenswert ist dennoch die besonders hohe Belastung jüngerer Menschen bei den Gewaltformen sexuelle Belästigung, digitale Gewalt und K.O.-Tropfen, die über die Befunde bei den restlichen Gewaltformen hinausgehen. Diese könnten möglicherweise durch die zunehmende Digitalisierung und die Veränderung sozialer Interaktionen verstärkt werden.

  • Personen mit Migrationshintergrund weisen tendenziell eine höhere Gewaltbetroffenheit auf als Personen ohne Migrationshintergrund. Frauen mit Migrationshintergrund sind teilweise besonders stark betroffen.

  • Die Anzeigequoten (Anteil der polizeilich bekannt gewordenen Fälle an allen erlebten Fällen) sind über alle Gewaltformen hinweg niedrig. In der LSBTIQ*-Gruppe ist die Gewaltbetroffenheit bei fast allen Gewaltformen höher als die der restlichen Bevölkerung.

  • Erfahrungen mit Gewalt in der Kindheit sind weit verbreitet. Jede zweite befragte Person berichtet von körperlicher Gewalt durch Erziehungsberechtigte, jede dritte befragte Person von psychischer Gewalt. Jede vierte befragte Person hat Gewalt zwischen den Erziehungsberechtigten miterlebt. Personen, die Gewalt zwischen Erziehungsberechtigten erlebt haben, wurden auch häufiger selbst Opfer von Gewalt durch Erziehungsberechtigte.

  • In regionalen Analysen konnten Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Gebieten festgestellt werden, wobei die Gewaltbetroffenheit in städtischen höher ist als in ländlichen Gebieten.

Ausgewählte Erkenntnisse aus LeSuBiA zu einzelnen Gewaltformen im Überblick:
  • Psychische Gewalt in einer (Ex-)Partnerschaft erlebten knapp die Hälfte der Frauen (48,7 %) und 40,0 % der Männer mindestens einmal in ihrem Leben. Emotionale Gewalt macht dabei mit 37,8 % den größten Teil der in LeSuBiA erfassten psychischen Gewaltformen aus. Obwohl Frauen über ihr gesamtes Leben stärker betroffen sind, zeigt die Betrachtung der letzten fünf Jahre, dass auch Männer vergleichsweise häufig von psychischer Gewalt (Männer: 23,3 %; Frauen: 23,8 %) und insbesondere von kontrollierender Gewalt (Männer: 8,7 %; Frauen: 7,1 %) betroffen sind
  • Von körperlicher Gewalt in einer (Ex-)Partnerschaft waren 16,1 % in ihrem Leben und 5,7 % innerhalb der letzten fünf Jahre betroffen. Bezogen auf die letzten fünf Jahre haben Frauen (5,2 %) und Männer (6,1 %) nahezu gleich häufig körperliche Gewalt erfahren.

  • Sexuelle Belästigung hat bereits fast jede zweite Person (45,8 %) in ihrem Leben erfahren. Mehr als ein Viertel (26,5 %) der Befragten gab an, innerhalb der letzten fünf Jahre sexuelle Belästigung erlebt zu haben. Dabei zeigt sich, dass der überwiegende Anteil durch sexuelle Belästigung ohne Körperkontakt betroffen ist (Lebenszeit: 40,4 %; 5- Jahre: 24,8 %); der Anteil an sexueller Belästigung mit Körperkontakt liegt deutlich niedriger (Lebenszeit: 26,8 %; 5 Jahre: 9,7 %). Über ein Drittel der Frauen (34,7 %) und etwa jeder siebte Mann (14,5 %) war in den letzten fünf Jahren von sexueller Belästigung ohne Körperkontakt betroffen, bei sexueller Belästigung mit Körperkontakt liegen die Werte bei 14,5 % (Frauen) und 4,6 % (Männer). Täter bzw. Täterinnen sind überwiegend fremde oder flüchtig bekannte Personen.

  • Mehr als jede zehnte Person (11,2 %) wurde in ihrem Leben Opfer eines sexuellen Übergriffs, innerhalb der letzten fünf Jahre waren es 2,7 % der Befragten. Auch hier sind Frauen (4,0 %) deutlich stärker betroffen als Männer (1,4 %). Bei Frauen war der Ex-Partner bzw. die Ex-Partnerin am häufigsten Täter bzw. Täterin (46,5 %), bei Männern eine flüchtig bekannte Person (33,3 %).

  • Mehr als jede fünfte Person (21,2 %) war in ihrem Leben von Stalking betroffen, innerhalb der letzten fünf Jahre waren es 9,0 %. Auch hier sind etwas höhere Prävalenzen bei Frauen zu beobachten: 10,6 % der Frauen und 7,0 % der Männer haben innerhalb der letzten fünf Jahre Stalking erfahren.

  • Jede fünfte Frau (20,0 %) und jeder siebte Mann (13,9 %) erlebte in den letzten fünf Jahren digitale Gewalt. Die Opfer sind vergleichsweise jung – so waren über 60 % der 16- bis 17-jährigen Frauen und rund 33 % der 16- bis 17-jährigen Männer in den letzten fünf Jahren Opfer digitaler Gewalt.

(Quelle: »Pressemitteilung des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend vom 10.02.2026; »Bundeskriminalamt: "LeSuBiA - Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag"

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 15.02.2026

    
   Arbeitsanregungen:
  1. Beschreiben Sie die zentralen Ergebnisse der LeSuBiA-Studie im Hinblick auf Anzeigequoten und Dunkelfeld bei Gewalterfahrungen.

  2. Erläutern Sie den Unterschied zwischen Prävalenz und Inzidenz und erklären Sie deren Bedeutung für die Gewaltforschung.

  3. Analysieren Sie die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Gewaltbetroffenheit in (Ex-)Partnerschaften.

  4. Vergleichen Sie die Betroffenheit jüngerer und älterer Menschen von verschiedenen Gewaltformen und arbeiten Sie mögliche Ursachen heraus.

  5. Untersuchen Sie den Zusammenhang zwischen Gewalterfahrungen in der Kindheit und späterer eigener Gewaltbetroffenheit.

  6. Erklären Sie, welche Bevölkerungsgruppen laut Studie besonders stark von Gewalt betroffen sind, und benennen Sie mögliche strukturelle Faktoren.

  7. Bewerten Sie die Bedeutung der niedrigen Anzeigequoten für Politik, Justiz und Präventionsarbeit.

  8. Interpretieren Sie die Befunde zur digitalen Gewalt und sexuellen Belästigung im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen wie Digitalisierung und veränderter sozialer Interaktionen.

 
 
 

 
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