Sexualisierte Gewalt
ist ein Phänomen von •
Mysogenie und
ist geprägt von den Strukturen der männlich dominierten ▪
Gewalt und •
polymorphen
Macht in der • patriarchalischen
Gesellschaft, in deren institutionellen und gesellschaftlichen
Strukturen sie ebenso tief verankert und • eingeschrieben
ist wie in den Menschen selbst.
Sinne »Michel
Foucaults (1926-1984) •
polymorph. Man kann sie sich als eine in allen Subjekten und
Objekten (Körpern) eingeschriebene, •
depersonalisierte zirkulierende Kraft
vorstellen, die für die
Einhaltung dessen sorgt, was der Macht gelegen kommt. Wo Macht und •
Wissen zusammenwirken,
verschränken sie sich zu "machtstrategische(n) Verknüpfungen von Diskursen und Praktiken" (Fink-Eitel
1989, S.80). Diese Macht-Wissens-Komplexe werden von Foucault
als • ›Dispositive‹
bezeichnet. Sie werden deshalb als machtstrategisch bezeichnet, weil
sie "spezifische Strategien zur Vereinheitlichung heterogener
Elemente darstellen", die am Ende zu den genannten "Dispositiven der
Macht" (Bublitz 2014.
S.275) werden. Auch das
• Sexualitätsdispositiv
ist eine solche Machtpraktik. die bestimmt, "was in einer
Gesellschaft für wahr gehalten, als richtig erachtet und als
erstrebenswert angesehen wird." (Rosa/Strecker/Kottmann
32018, S. 295)
"Misogynie […] ist ein zentraler Teil sexistischer Vorurteile sowie
Ideologien und ist daher eine wichtige Grundlage für die
Unterdrückung von Frauen in männlich dominierten Gesellschaften.
Misogynie manifestiert sich auf vielfältige Weise, von Witzen über
Pornografie bis hin zur Beförderung eines Empfindens von
Selbstverachtung von Frauen und ihren eigenen Körper.“ (The
Blackwell Dictionary of Sociology: 2000, zit. n.
Wikipedia)
Als
Frauenfeindlichkeit verstanden steht Mysogenie für Hass, Verachtung
oder Vorurteile gegenüber Frauen oder Mädchen. Es ist eine Form des
»Sexismus,
die Frauen in einem niedrigeren sozialen Status als Männer halten
kann, wodurch die sozialen Rollen des Patriarchats erhalten bleiben.
Frauenfeindlichkeit ist seit Tausenden von Jahren weit verbreitet.
Es spiegelt sich weltweit in Kunst, Literatur, menschlicher
Gesellschaftsstruktur, historischen Ereignissen, Mythologie,
Philosophie und Religion wider.
Ein Beispiel für
Frauenfeindlichkeit ist Gewalt gegen Frauen, die häusliche Gewalt
und, in extremer Form »Antiifeminismus,
frauenfeindlichen Terrorismus und »Femizid
umfasst. Frauenfeindlichkeit funktioniert oft auch durch sexuelle
Belästigung, Zwang und psychologische Techniken, die darauf
abzielen, Frauen zu kontrollieren und Frauen rechtlich oder sozial
von der vollen Partizipation in der Gesellschaft auszuschließen. In
einigen Fällen belohnt Frauenfeindlichkeit aber auch Frauen dafür,
dass sie einen minderwertigen Status akzeptieren.
Im Oktober 2017 mischte der so genannte »Weinstein-Skandal
die Medien und die Öffentlichkeit auf. Die »New
York Times und der »New
Yorker veröffentlichten die Vorwürfe Dutzender Frauen aus der
Filmindustrie gegen den amerikanischen Filmproduzenten »Harvey
Weinstein (geb. 1952), den sie jahrzehntelanger »sexueller
Belästigung, »sexueller
Nötigung und »Vergewaltigung
anklagten. Was jetzt ans Licht kam, war vielen anderen längst
bekannt. Gerüchte über Weinsteins "Casting
Couch"-Praktiken waren in Hollywood eigentlich ein offenes
Geheimnis, zumal etliche Unterhaltungskünstler darüber Andeutungen
gemacht hatten. 1998 bekannte die Schauspielerin »Gwyneth
Paltrow (geb. 1972) in der »Late
Show with David Letterman, dass Weinstein sie genötigt habe,
"ein oder zwei Dinge zu tun". (Axios
2017) Zehn Tage später forderte die Schauspielerin
»Alyssa Milano (geb. 1972) bei Twitter dazu auf, »me too« unter
den eigenen Post zu schreiben, wer selbst sexuell belästigt oder
angegriffen wurde.
Nach der Veröffentlichung der Artikel in der New York Times und im
New Yorker erhoben viele Frauen aus der Unterhaltungsindustrie
ähnliche Anschuldigungen gegen Weinstein. Wikipedia zählt über
Frauen 80 Frauen auf, die angaben, »Opfer
seiner sexuellen Belästigungen und Nötigungen geworden zu sein.
Sechs Frauen gaben an, »von
Weinstein vergewaltigt worden zu sein.
Auch wenn die bekannt gewordenen Missbrauchsfälle (weißer) Frauen
dem Thema endlich mediale Aufmerksamkeit bescherte, soll nicht
vergessen werden, dass es die schwarze Bürgerrechtsaktivistin
Tarana Burke (geb. 1973) schon elf Jahre zuvor (2006) das »MeToo
Movement begründet und damit begonnen hat, ein öffentliches
Bewusstsein für die weite Verbreitung sexueller Übergriffe gegen
Frauen zu schaffen und zugleich auch eine Möglichkeit für die Opfer,
aus ihrer Isolation herauszutreten und sich miteinander zu
vernetzen. Der »Weinstein-Skandal
2017 machte das Thema aber "tatsächlich weithin sichtbar und
beförderte eine Welle der Solidarität und eine groß angelegte
Diskussion über Sexismus, Machtmissbrauch und patriarchale
Strukturen nicht nur in der Filmindustrie, sondern weit darüber
hinaus. Auf den Demonstrationen in diesem Zusammenhang tauchten
immer wieder Plakate mit dem Slogan »Nein heißt Nein« auf. Dieser
Grundsatz, der in Deutschland Ende 2016 in das »Gesetz
zur Verbesserung des Schutzes der sexuellen Selbstbestimmung
aufgenommen wurde, bedeutet, dass es für die Strafbarkeit eines
sexuellen Übergriffes nicht mehr darauf ankommt, ob der/die Täter*in
dem Opfer mit Gewalt gedroht hat oder ob Gewalt angewendet wurde.
Auch ist irrelevant, ob sich die betroffene Person gegen den
Übergriff körperlich gewehrt hat. Entscheidend ist lediglich, dass
die sexuelle Handlung nicht gewollt war und dass dies für den/die
Täter*in auch erkennbar war, z. B. weil das Opfer geweint hat." (Spies
2023, S.121f.) Sagt eine Person zu sexuellen Handlungen "Nein"
und setzt sich eine andere Person darüber hinweg, macht sich
letztere strafbar.
Wie
Spies (2023)
aufzeigt, hat #MeToo die sexualisierte Gewalt zwar sichtbar gemacht,
aber im Alltag und bei den ihr zugrunde liegenden gesellschaftlichen
Strukturen keine grundlegenden Veränderungen bewirkt.
Gewalt wird
weiterhin oft individualisiert und bagatellisiert. Dabei geht es
aber bei sexualisierter Gewalt geht vor allem um Macht, nicht um
Sexualität oder Lust.
Sexualisierte Gewalt ist nämlich in erster
Linie ein Macht- und Herrschaftsphänomen, das tief in patriarchalen,
institutionellen und gesellschaftlichen Strukturen verankert ist.

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Daran, dass der gesellschaftliche Diskurs um sexualisierte Gewalt
immer noch von der Vorstellung individueller Gewalt dominiert wird,
"wenn es sich um Gewalt ›weißer‹ Männer* der Mehrheitsgesellschaft
gegenüber Frauen handelt" (Spies 2023,
S.138), hat #MeToo wenig geändert. Die "verAnderten Männer* (ebd.),
Männer, die einer anderen Ethnie zugeordnet werden, werden dafür im
Sinne eines eines ▪ "Ethnosexismus" kollektiv kuturalisiert und rassifiziert
(Spies 2023,
S.138). Die »Rape-Culture,
d, h. "eine Kultur, welche die Gesellschaft so strukturiert, dass
sie Vergewaltigungen und sexualisierte Gewalt ermöglicht, toleriert
und verharmlost", so zieht sich unsere patriarchalische Gesellschaft
aus der Affäre, "das ist [...] ›die Kultur der Anderen‹" (ebd.,
S.139). Und genau das hat sich ist auch mit #MeToo nicht verändert.
Frauen sind
weiterhin überwiegend von sexualisierter Gewalt betroffen.
Allerdings machen auch Männer •"Viktimisierungserfahrungen", so
Spies (2023,
S.127), so "dass die polarisierende Diskussion der »Männergewalt
gegen Frauen«, also ›männlicher Täter‹ versus ›weibliches Opfer‹,
wie sie lange Zeit in der (westdeutschen) feministischen Tradition
geführt wurde, so nicht mehr haltbar ist."