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BERLIN, 29. August. In Deutschland haben viele Schüler nach Ansicht der
Wirtschaft erhebliche Defizite in puncto Benehmen. "Die Unternehmen stehen
bereits seit geraumer Zeit vor dem Problem, dass den Schulabgängern oft
die Kenntnis der einfachsten Regeln des Zusammenlebens fehlt", sagte der
Präsident der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter
Hundt, der Berliner Zeitung. Aus Sicht der Betriebe sei es höchste Zeit,
dass etwas gegen den Erziehungsnotstand unternommen werde. Die BDA begrüße
daher Bestrebungen, die Vermittlung von Werten in den Unterricht
aufzunehmen. Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK)
bewertete die Initiative des Saarlandes positiv, einen Benimm-Unterricht
einzuführen.
Nach Ansicht des BDA-Chefs "haben die Schulen nicht nur einen Bildungs-,
sondern auch einen Erziehungsauftrag und dazu gehört die Vermittlung von
Werten". Die viel gescholtenen Sekundärtugenden wie Pünktlichkeit,
Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit seien unabdingbar für den Umgang
miteinander. Ausbilder in Betrieben stellten nicht selten mit Erschrecken
fest, dass junge Leute bei ihnen oft zum ersten Mal mit Regeln und Werten
in Kontakt kämen. "Niemand kann bestreiten, dass hier schon im Vorfeld
etwas massiv schief läuft", sagte Hundt. Besonders wichtig sei die
Wiedereinführung einer überarbeiteten Form der Kopfnote. "Wir brauchen
Kopfnoten mit modernen Bewertungsmaßstäben", sagte Hundt. Dafür könne die
in Betrieben übliche Mitarbeiterbeurteilung als Vorbild dienen.
[...]
Auch DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben beklagte fehlende Reife
und mangelndes soziales Verhalten der Lehrstellenbewerber. Die Schule sei
in diesem Zusammenhang aber nur ein Teilaspekt. "Auch die Eltern sind in
der Pflicht: Sie müssen ihren Kindern wieder Verlässlichkeit,
Pünktlichkeit, Ehrlichkeit und Teamfähigkeit beibringen." Es könne nicht
alles der Schule überlassen werden. […]
Berliner Zeitung, Samstag, 30. August
2003, http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/272889.html,
19.8.03
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