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Irgendwie, wenn auch gewiss zu pauschal, wenn ohne Wenn und Aber mit Ja beantwortet, entspricht die Antwort eben doch Wahrnehmungsmustern, die sich in der Öffentlichkeit gebildet haben. Was Rechtsextreme tun, um ihre Hetzpropaganda unter junge Leute zu bringen, ist trotz des skandalösen Versagens der Sicherheitsbehörden im Zusammenhang mit den Morden des so genannten »Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), der darüber entstandenen Empörung und dem meist aufrichtigen Mitgefühl mit den Hinterbliebenen der Opfer immer noch nicht genügend angekommen. Um so wichtiger ist es, dass »Jugenschutz.net, die gemeinsame Stelle der Länder für Jugendschutz im Internet, in ihrem 2012 veröffentlichten »Bericht zum Rechtsextremismus online wichtige Informationen bereitgestellt hat, die auf schnellstem Wege auch Schule und außerschulische Jugendarbeit erreichen sollten. Rechtsextremistische Propaganda nutzt alle Kanäle, um an Jugendliche heranzukommen. Tausende von Websites bringen rechtsextremistisches Gedankengut unter die Leute und mit Facebook und Co. kann alles, was die Ideologie des Rechtsextremismus bereithält, direkt kommuniziert werden. (→Elemente des Rechtsextremismus, →Sprache des Rechtsextremismus) Wie das geht, machen z. B. Forumseinträge in der selbsternannten "Germanischen Weltnetzgemeinschaft" (Thiazi-Forum) deutlich, die im besagten Monitoringbericht binnen dreier Wochen nach Beginn der Berichterstattung über die NSU-Morde erfasst worden sind: In über 1.500 Kommentaren ergossen sich Häme und Hass über die Opfer, wurden die Gewalttaten offen gutgeheißt und die ganze rechtsextreme Szene zu Opfern stilisiert. Um mit Jugendlichen in Kontakt zu kommen, setzen Rechtsextreme mehr und mehr auf Communities wie Facebook. Die "Like"- und "Share"-Funktionalitäten des sozialen Netzwerks schaffen Bindungen zur Szene, die mit Beiträgen zu allem, was in der Öffentlichkeit irgendwie kontrovers diskutiert wird, aufwartet. Dabei besetzen Rechtsradikale besonders gerne Themen, bei denen die Emotionen hochgehen. So ziehen sie gegen vermeintliche "Kinderschänder" alle Register, hetzen gegen Arbeitslose als soziale Trittbrettfahrer oder mischen mit nationalistischen Äußerungen in der Diskussion um die Finanzkrise in Europa mit. Und sie wissen auch: Kampagnen lassen sich über Videoplattformen wie YouTube besonders leicht in die Breite bringen. So brachte es ein rechtsextremes Musikvideo zum Thema Kindesmissbrauch dort auf fast eine Million Klicks, und: der Link unter dem Video führte natürlich auf Webseiten von Neonazis. Damit man die jugendliche Zielgruppe erreicht, werden auch unkonventionelle Aktionen über das Web inszeniert, die mit subversiven Aktionsformen, griffigen Slogans u. ä. m. die Neugier von Jugendlichen wecken sollen. Und welche Faszinationskraft davon ausgehen kann, zeigt ein auf YouTube gepostetes, wie ein Filmtrailer gemachtes Videos einer solchen subversiven Aktion. Unter dem Motto "Werde unsterblich“, in dem gegen den "drohenden Volkstod der Deutschen" agitiert es gegen die multikulturelle Gesellschaft. Mit dramatischer Musik unterlegt, zeigt das Video dunkle Gestalten, die ihr Gesicht mit Masken verhüllt haben und brennende Fackeln tragen, auf ihrem nächtlichen Marsch durch Bautzen. Mit Transparenten wird aufgerufen, sich "den Unsterblichen" anzuschließen. Insgesamt kann das Video den Eindruck erwecken, als handele es sich bei den "Unsterblichen“ um eine wirkliche Massenbewegung, ein Eindruck, der auch dadurch verstärkt wurde, dass das Video und entsprechende Infos zur Aktion an vielen Stellen des Webs gleichzeitig veröffentlicht wurde. Die Folge: Schon bald fanden sich etliche solcher Aktionsvideos der "Unsterblichen" im Netz, rechtsradikales Videofeedback in Zeiten des Mitmachwebs.
Manchmal geht es aber auch einfacher: Man biete einen
"Wissenstest" zum 2. Weltkrieg an, indem die Kriegsschuld
Deutschlands und deutsche Kriegsverbrechen einfach geleugnet werden,
und schon hat man eine große Zahl Schülerinnen und Schüler auf
seiner Webseite. Im Handumdrehen sind damit – wahrscheinlich ohne
dass es einer größeren Zahl von Usern auffällt – grundlegende
rechtsextreme Ideologiebestandteile mit einer perfiden Strategie aus
dem Bewusstsein junger Leute verbannt. Gäbe es da nicht den
Geschichtsunterricht an der Schule! Gert Egle, www.teachsam.de, 24.09.2012, zuletzt bearbeitet am: 12.01.2014 |
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