Germany's Next Topmodel (GNTM)

Überblick

 
 
Die Castingshow "Germany's Next Top-Model´- by Heidi Klum" kann als Reality-Soap zum Typ des so genannten "performativen Realitätsfernsehens" (Keppler 1994) gezählt werden. "Dieses stellt", so Angela Keppler (2010, S.116), "eine Bühne für nichtalltägliche Inszenierungen unter Beteiligung alltäglicher Menschen bereit, die deren alltägliches Selbstverständnis sehr unterschiedlichen Prüfungen unterziehen."

Heidi Klums "Mädchen" agieren in einem solchen sozialen Setting, das ihnen für eine bestimmte Zeitdauer ungewöhnliche und extreme Belastungen auferlegt. Die Attraktivität der Sendung geht nicht zuletzt von den in diesem Setting angelegten Spannungen zwischen den Kandidatinnen aus, die um die Verheißung einer internationalen Topmodelkarriere miteinander konkurrieren. Dementsprechend gehören, so Kepler (ebd.) "Melodramatik, Streit, Neid, Rivalität sowie Versöhnung und Verbrüderung" zu den zentralen dramaturgischen Elementen des Formats.
Als weiteres Merkmal kommt bei den Reality-Soaps, ähnlich wie bei den Soap-Operas, den fiktiven Fernsehserien, eine "klare serielle Struktur" hinzu, bei der die voneinander abgegrenzten Einheiten miteinander so verknüpft werden, dass die Zuschauer "aus den vergangenen Folgen Wissen akkumulieren und mit der Erwartung leben, dass das Geschehen in die Zukunft noch verlängert wird" (Faulstich 2008, S.8, zit. n. ebd.)

Die Sendung gibt dabei kein in "Echtzeit" verlaufendes Geschehen wieder. Stattdessen handelt es sich um "eine hochartifizielle Montage von Szenen, die stets nach dem Prinzip der Zuspitzung" aufgebaut ist. (Keppler (2010, S.117) Dabei sollen Stereotype, wie sie in allen Reality-Formaten Verwendung finden, auch in GNTM Indentifikationsmöglichkeiten schaffen. So werden die Kandidatinnen nach einem einfachen Schwarz-weiß-Schema "gute" und "schlechte" Mädchen eingeteilt und unter diesem Blickwinkel die gesamte Staffel über bewertet. Zugleich zieht sich diese Bewertung der Kandidatinnen als roter Faden durch die gesamte Inszenierung. So werde, wie Keppler betont, "durch die Länge der Darstellung einzelner Kandidatinnen, verschiedene Aufnahmetechniken sowie das Mittel der Kontrastmontage [...] auf der visuellen Ebene ein bestimmtes, stets moralisch gefärbtes Bild der Konkurrentinnen erzeugt." Zudem werde diese Typisierung noch durch "verbale, gestische und mimische Kommentare von Seiten der professionellen Akteure sowie durch den gezielten Einsatz von Musik" unterstützt und verstärkt. (ebd.)

Wie genau Keppler bei der Analyse vorgeht, macht der folgende Auszug aus einem Sequenzprotokoll deutlich, das sie zur Staffel 04/Episode 05, vom 13.3.2009 - Ausschnitt Tessa - erstellt hat. (ebd.)

"Germany's Next Topmodel" zieht bei jeder Neuauflage Kritiker an, die Dramaturgie, Frauen- und Menschenbild seiner Macher einer herben Schelte unterziehen. Dem hält Angela Keppler (2010, S.124) freilich entgegen, "dass Vergleichbares auch in den anderen Sendungen des Fernsehens geschieht, die sich auf die eine oder andere Weise Lebenshilfe und Lebensberatung auf die Fahnen geschrieben haben." Denn allen hätten sich vorgenommen, zu diesem Thema möglichst populäre Unterhaltung zu produzieren.


(Angela Keppler 2010, S.124)

     
   
 


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