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Construction-Integration-Model (CI-Modell)

Von der Textbasis zum Situationsmodell des Textes

Modelle zum Lesen und Verstehen von Texten

 
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Glossar
Was sind teachSam-Projekte? Lesen Fragen zur eigenen Lesebiographie und zum eigenen LeseverhaltenÜberblickGeschichte des Lesens Lesen und Verstehen von Texten Überblick ▪ Einzelne Modelle und Theorien zum Lesen und Verstehen von Texten Überblick Kognitionspsychologische Modelle Überblick [ Construction Integration Model (CI-Modell) ÜberblickDie Textbasis: Von der Mikro- zur Makrostruktur des Textes Von der Textbasis zum Situationsmodell des Textes ]Bildung von Inferenzen Textlinguistische KohärenzmodelleLiteraturwissenschaftliche Modelle Grundantriebe des Lesens und Lesertypologie Aktive und passive Lesearten Lesen und individuelle Entwicklung Lesen in digitalen Welten Weibliches LesenOhne Lesen leben (Analphabetismus) ▪ Lesen und gesellschaftliche Entwicklung Bausteine Links ins Internet Lesekompetenz Arbeitstechnik Lesen Verständlichkeit
 

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Sprachproduktion und Sprachverstehen

Mikro- und Makrostruktur des Textes stellen im ▪ Construction-Integration-Model (CI-Modell) von Walter Kintsch und »Teun van Dijk die Textbasis dar, die das Ergebnis einer semantischen und syntaktischen Analyse des Textes durch den Leser darstellt.

Allerdings bleibt das Textverstehen damit letztlich an der Textoberfläche. Um einen Text zu verstehen, müssen neben diesen textseitigen Merkmale eben auch leserseitige Merkmale, in der Sprache des textlinguistischen Kohärenzmodells, die ▪ konzeptuelle Basis, berücksichtigt werden, mit der "Textlöcher" (Linke u. a. 1994, S.226) bzw. "Kohärenzlücken" (Christmann 2015, S.173) dann vergleichsweise leicht geschlossen werden können, wenn ein Leser über dafür geeignetes Vorwissen verfügt.

Dabei kann die Beteiligung dieses Vorwissens am Textverstehen gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Solche im ▪ Gedächtnis gespeicherten Informationen können nämlich, wenn sie z. B. als Schemata bestimmte Wahrnehmungs- und kognitiven Verarbeitungsprozesse steuern, Textinhalte einfach "überschreiben" oder können ihnen neue Inhalte zuschreiben, die im Text selbst überhaupt nicht nachzuweisen sind. (vgl. Philipp 2015b, S.173). Kein Freifahrschein für "wilde Spekulationen" über einen Text, aber zumindest auch eine Erklärung.

Von der Textbasis zum Situationsmodell des Textes

Um den Text zu verstehen, muss der Leser im Construction-Integration Model (CI-Modell)  "die Textbasis anreichern." (ebd.) Grundlage dieser Annahme ist, dass man beim Lesen die Texte nicht nur symbolisch-sprachlich abspeichert, sondern dazu auch ein analoges Modell aufbaut, das zu den Textinformationen passt. (vgl. Christmann 2015, S.177) Vereinfacht ausgedrückt: Wir machen uns z. B. eine räumliche Vorstellung von dem Dargestellten, um uns den Text zu "merken". Ob wir allerdings wirklich in der Lage sind, uns quasi bildhafte Vorstellungen in Form eines perzeptuellen Eindrucks speichern und bei ihrem Erinnern darauf zurückgreifen, ist in der ▪ Kognitionspsychologie sehr umstritten. (vgl. Anderson 72013, S.102)

Wie die Anreicherung der Textbasis "funktioniert", kann man schon an einem ganz einfachen Text verdeutlichen:

"Peter hatte eine Reifenpanne. Nachdem er das Rad gewechselt hatte, konnte er weiterfahren.“

Man kann diesen kurzen Text wie folgt auf mit dem dafür üblichen ▪ Notationssystem in seine einzelnen Propositionen zerlegen:

P1: HABEN(PETER,REIFENPANNE)
P2: NACHDEM(P3,P4)
P3: WECHSELN(PETER,RAD)
P4: KÖNNEN(PETER,P5)
P5: WEITERFAHREN(PETER)

Allerdings kann man ihn nur verstehen, wenn man textexternes Wissen dazu heranzieht. Man muss nämlich wissen, dass "Nicht Peter hat eine Reifenpanne, sondern das Gefährt, in dem Peter sitzt.“ und: "Ein Gefährt kann nicht mehr fahren, wenn es eine Reifenpanne hat.“ (vgl. Wikipedia)

Erst mit Hilfe dieses Wissen kann ein Leser die im Text explizit enthaltenen Informationen organisieren und text- und vorwissenbasierte Schlussfolgerungen (Inferenzen) ziehen.

Zugleich gelingt es ihm erst damit, "eine genaue Vorstellung über die Textinhalte, die weit über das hinausgehen kann, was der Text an konkreten Propositionen anbietet", zu entwickeln. (Philipp 2015b, S.218)

Inferenzen sind, salopp gesagt, das, was uns den eigentlichen "Durchblick" beim Lesen von Texten verschafft. Sie fungieren als als "Motor der Sinnkonstruktion beim Lesen" (Christmann 2015, S.172)

Was daraus entsteht, wenn die im Text beschriebenen Sachverhalte oder Situationen in Verbindung mit dem von den sprachlichen Strukturen weitgehend losgelösten Vor- und Weltwissen bei der kognitiven Verarbeitung zusammenkommen, ist ein mentales Modell des Textes, das als Situationsmodell bezeichnet wird (in der Textlinguistik spricht man hier vom Textweltmodell).

Es basiert auf Inferenzen, die auf der Textbasis gebildet werden und Inferenzen, die über diese Textbasis als Verknüpfungen mit dem leserseitigen Wissen gebildet werden. Das Situationsmodell reichert dabei das Verständnis des Textes auf der lokalen Textebene (= ▪ propositionale Repräsentation des Textes), welches die Bildung eines Situationsmodells überhaupt erst aktiviert, nicht nur an, sondern verfeinert und modifiziert dieses auch. (vgl. Christmann 2015, S.177) 

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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 17.12.2023

 
 

 
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