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AV-Medien: Kopftuchstreit

Kopftücher nur für Türkinnen?


Teil 1: Kopftücher aus drei Jahrtausenden - 10 02978

12 Dias (6 f, 6 sw)

Lernziele: 

  • Historische Formen von Kopftuch und Schleier über Trachten, Moden und Kleiderordnungen kennen lernen;
  • kulturübergreifende Gemeinsamkeiten der Kopftuch- und Schleiertradition in vorchristlichen und vorislamischen, christlichen und islamischen Kulturen erkennen;
  • wissen, dass das Tragen von Kopftuch und Schleier keine Besonderheit islamischer Bekleidungsvorschriften ist

Teil 2: Mein Kopftuch - 10 02979

12 Dias (12 f )

Aus dem FWU-Beiheft - AV-Begleitkarte / Diareihe

Lernziele:

  • Formen und Motive des Kopftuchgebrauchs türkischer und deutscher Frauen kennen lernen;
  • Kopftücher als selbstverständlichen Bestandteil weiblicher Alltagskleidung wahrnehmen; 
  • Vorurteile und Stereotype gegenüber muslimischen Bekleidungstraditionen abbauen

Die Diareihe "Mein Kopftuch" knüpft mit aktuellen Bildern an den 1. Teil der Reihe "Kopftücher aus drei Jahrtausenden" an. Vorgestellt werden drei Frauen, für die das Tragen von Kopftüchern ganz selbstverständlich zum Alltag gehört: eine türkische Migrantin aus einem Dorf in der Türkei, eine Österreicherin, die inzwischen in Frankfurt lebt, und eine fränkische Bäuerin, die bis heute ihre heimatliche Tracht beibehalten hat. Jede der drei Frauen stellt vier ihrer Kopftücher vor.

Perivan Özbe* aus einem Dorf nahe der Stadt Kastamonu/Türkei, lebt in Gerteshofen
"Dort, wo ich herkomme, besitzt jede Familie kleine Glasvitrinen, die mit Kopftüchern gefüllt sind. Wir nennen sie Yaglik. Selbst die ärmsten Familien haben zwei Vitrinen mit Yagliks zu Hause. Die Vitrinen stehen im Schlafzimmer, oft über dem Kleiderschrank. In jede passen 40 bis 50 Yagliks. Wir schauen sie mit ihren verschiedenen Borten immer wieder gerne an. Diese Borten nennen wir Oya." * Name und persönliche Angaben geändert
(Bildausschnitt aus FWU-Diareihe 10 02979)

Margarete Erber aus Neunkirchen in Oberfranken
"Das Umkleiden hat viel der Krieg mitgebracht, weil man halt die [Trachten-]Stoffe nicht mehr gekriegt hat. Kurz nach dem Krieg, da hab' ich halt auch meine Tracht abgelegt. Aber da hat mein Mann gesagt, ich soll sie wieder tragen, und mir ist das auch entgegengekommen, weil ich alles gehabt habe, schon von daheim, und das Neue hätte ich alles kaufen müssen."
(Bildausschnitt aus FWU-Diareihe 10 02979)

Helga Waglechner aus Getzersdorf in Oberösterreich, lebt heute in Frankfurt:
"Ich habe das Kopftuch von den Kleidungsgewohnheiten meiner Mutter übernommen. Ich finde einfach das Kopftuch bequemer als jede andere Kopfbedeckung. Meine Frisur ist selten so, dass sie mir gut gefällt. Also nehme ich ein Tuch, das kostet nicht soviel Zeit und ich werde damit fertig. Wenn ich mich gut fühle, nehme ich gerne blau und türkis, wenn ich mich an einem Tag hässlich fühle, mache ich das mit einem hübschen Kopftuch wieder gut, also zumindest bilde ich mir das ein."
(Bild aus FW-Diareihe 10 02979)

Die Kommentare der drei Frauen über ihren individuellen Kopftuchgebrauch machen deutlich, wie fließend inzwischen die Grenzen zwischen regionalen oder familialen Kopftuch-Traditionen und den persönlichen Motiven für das Tragen von Tüchern geworden sind. Erstaunliche Parallelen weisen diesbezüglich die Berichte der türkischen Migrantin Perivan und der fränkischen Bäuerin Margarete auf: Beide kommen aus Lobenswelten, in denen Tücher selbstverständlicher Bestandteil weiblicher Bekleidung sind. Beide unterscheiden zwischen schönen Festtags-, Ausgeh- oder Stadttüchern und einfachen Arbeitstüchern für den Werktag. Beide kennen verschiedene Arten Tücher zu binden und wissen um ihre traditionelle Bedeutung. Selbst wenn es ein religiöses Motiv dafür geben sollte, dass sie stets ein Kopftuch tragen, so steht dies heute für beide nicht mehr im Vordergrund. Das Kopftuch gehört zur Alltagskleidung, seine Auswahl wird von ästhetischen oder praktischen Überlegungen bestimmt.
Für Helga hat das Kopftuch gleichermaßen praktische wie modische Funktion. Das traditionelle Moment erschöpft sich bei ihr darin, dass schon ihre Mutter Kopftücher trug. Helga geht kreativ mit Kopftüchern um, benutzt sie als extravagante Kopfbedeckung oder als modisches Accessoire. Sie erfindet eigene Bindevarianten, kombiniert Tuch und Schmuck. Auch bei ihr gehört das Tuch zur Alltagskleidung.
Frauen wie Perivan, Helga oder Margarete stellen das stereotype Bild von der rückständigen, durch regionales Brauchtum oder religiöse Vorschriften gegängelten Kopftuchträgerin in Frage. Ihre Tücher dienen nicht der züchtigen Verschleierung, sie sind praktischer oder wärmender "Kopfschutz" und traditioneller oder modischer "Kopfputz".

Zur Verwendung
Die Diareihe sollte möglichst in einer Kombination von Bild und Text eingesetzt werden. Die Anmerkungen der drei Frauen zu ihren Tüchern sind wichtiger Bestandteil dieses Mediums.
Verwendet werden kann die Reihe "Mein Kopftuch" überall dort, wo individueller Kopftuchgebrauch aus interkultureller Perspektive betrachtet werden soll, auch im Sozialkunde- und Religionsunterricht oder in der außerschulischen Bildungsarbeit, hier vor allem in der Arbeit mit Mädchen- und Frauengruppen.
Nicht alle türkischen Mädchen tragen ihr Kopftuch freiwillig. Viele werden von ihren Eltern dazu angehalten. Sticheleien und schiefe Blicke auf dem Schulhof, im Bus, auf der Straße machen es ihnen schwer, sich mit ihrem Kopftuch selbstbewusst zu bewegen. Deutsche Gleichaltrige nehmen das Kopftuch oft als etwas Fremdartiges, Altmodisches wahr. Ein wesentliches Ziel der Arbeit mit dieser Diareihe könnte insofern die Veränderung stereotyper türkischer wie deutscher - Wahrnehmungsstrukturen und Bewertungsmuster sein:
Vorgestellt werden türkische und deutsche Frauen, die sich in ihren Kopftüchern wohl fühlen, Frauen, die ihre Tücher nicht nur mögen, weil sie funktional sind, sondern die sie auch schön finden. 

Dieser Aspekt kann durch ergänzende Aufgaben- bzw. Fragestellungen weiter herausgearbeitet werden:

  1. Welche Mädchen (Frauen) in deiner Familie (in der Nachbarschaft, in deinem Bekanntenkreis) tragen Kopftücher? Zu welchen Anlässen? Frage nach!
  2. Suche in Zeitschriften, Modejournalen, Büchern etc. nach Fotos von Frauen mit Kopftuch! Aus welchen Gründen trägt die abgebildete Frau wohl ein Kopftuch? (aus praktischen, religiösen, modischen... Gründen?)
  3. Sammle Zeitschriftenausschnitte für eine Kopftuch-Collage (eine Wandzeitung)!

(aus: FWU-Beiheft zur Diareihe; veröffentlicht mit freundl. Genehmigung des FWU)

      
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