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Ob Kultusministerin Schavan es zugibt oder nicht: Die Entscheidung ist
ein Signal. Nachdem das Oberschulamt Stuttgart es abgelehnt hatte, die examinierte Lehrerin und Muslimin Fereshta
Ludin, die mit Kopftuch unterrichten wollte, in den Staatsdienst zu übernehmen, ist ein Exempel
statuiert. Für muslimische Lehrerinnen mit Kopftüchern ist kein Platz im
öffentlichen Schuldienst.
Annette Schavan argumentiert geschickt. Sie spricht vom Grundrecht auf Religionsfreiheit und sie spricht von Toleranz. Einer Toleranz, die
Andersdenkenden, Andersgläubigen zu gewähren ist und auf Gegenseitigkeit beruht. So weit, so gut. Doch was entfernt den Fall Ludin
von diesen Rechten? Sobald sie sich ans Pult einer Schule stellt, ist Fereshta Ludin mehr als eine 25jährige Frau, die nur sich selbst
verpflichtet ist. Sie hat einen Erziehungsauftrag und große Verantwortung. Und auch
das Tuch ist mehr als äußeres Gestaltungsmerkmal. Es hat eine
politische, eine kulturelle Dimension. Dies ist das Dilemma. Darauf stützt sich
Schavans Begründung. Denn tatsächlich ist diese Dimension nicht zu leugnen.
Es bleibt jedoch die Frage, ob mit der Entscheidung gegen Ludin nicht
eine Chance vertan worden ist. Wenn es sich hier um eine - wie Schavan
betonte - Entscheidung mit Einzelfallcharakter handelt, dann hätte Fereshta Ludin vielleicht ein bisschen mehr Vertrauen verdient gehabt.
Denn die Deutsche afghanischer Abstammung hatte von Anfang an erklärt, das Tuch nicht als Ausdruck ihres Glaubens zu tragen.
Womöglich wäre diese Lehrerin mit Kopftuch und ihre Art zu
unterrichten Beweis dafür gewesen, dass Integration und friedliches Miteinander auch
viel damit zu tun hat, den Andersaussehenden zu akzeptieren.
(aus: Pforzheimer Zeitung , 14. Juli 1998)
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