Autoren

Der Langläufer

Franz Hohler


Kurzgeschichte aus: Franz Hohler, Die Rückeroberung, Erzählungen, Darmstadt und Neuwied, Luchterhand-Literaturverlag 1984, S.77 - 79)

 
Fragen zur Texterschließung

  • Um welche Uhrzeit spielt sich das Geschehen ab?

  • Warum macht der personale Erzähler um diese Zeit seinen Langlauf? Welche anderen Motive wären denkbar? (z.B. Naturbeobachtung, im Text nur ganz am Rande: "es war schön hier, der Bach links war zugefroren, und auf den Bäumen des Waldes lag frischgefallener Schnee."

  • Welche Einstellungen gegenüber anderen Langläufern / Personen werden sichtbar? Welche Gründe gibt es dafür für den Langläufer?

  • Worauf führt der Langläufer zurück, dass es ihm nicht gelingt, seinen vermeintlichen Verfolger abzuschütteln?

  • Hat der Langläufer sein Rennen eigentlich gewonnen?

  • Welche allgemeinen Verhaltensweisen, die für unsere Gesellschaft typisch sind, werden hinter dem Verhalten des Langläufers sichtbar?

 
Inhaltsangabe

1. Inhaltsangabe in Kurzform (Fabel):

Ein allem Anschein nach männlicher Skilangläufer hetzt sich von einem bloß eingebildeten Verfolger in der Dämmerung auf der sonst menschenleeren Loipe gejagt in den körperlichen Zusammenbruch.

2. Inhaltsangabe / Aussagekern:

In der Kurzgeschichte "Der Langläufer" von Franz Hohler geht es um das übersteigerte Konkurrenzverhalten in der Gesellschaft. Erzählt wird die Geschichte eines abendlichen Skirennens auf einer Langlaufloipe zwischen einem andere Skiläufer bewusst meidenden Langläufer und seinem von ihm bloß eingebildeten Verfolger. Von diesem vermeintlich gehetzt und gejagt, überanstrengt sich der Skiläufer vollkommen und bricht an seinem selbst gesetzten Ziel zusammen, nachdem er festgestellt hat, dass von einem Verfolger weit und breit keine Spur zu finden ist.

 
Gliederungsmöglichkeiten des Handlungsverlaufs

  1. nach dem äußeren Handlungsverlauf: raumzeitliche Strukturen (= äußerer Verlauf des "Rennens")

  2. Befindlichkeit des Skilangläufers

  3.  


I. Inhaltliche Gliederung 
(Gliederung nach äußerem Handlungsverlauf)

Äußerer Handlungsverlauf (Zeit: abends, in der Dämmerung)

A. Ende der Waldroute,
B. Tal

1. Das erste Drittel

a) links am Bach entlang, kurzes Gefälle, Anstieg
b) durch ein Wäldchen mit steilem Anstieg, offene Stelle, leichte Senke

2. Nach der Hälfte

a) Überqueren der Brücke
b) zwei Alphütten (Zielpunkt)

II. Inhaltliche Gliederung
(Gliederung nach Befindlichkeit des Skilangläufers)

1. Begegnung mit dem vermeintlichen Verfolger

a) glaubt zu Beginn des Tales, einen weiteren Skilangläufer hinter sich zu hören
b) ärgert sich darüber, die Loipe nicht für sich zu haben
c) will sich nicht überholen lassen, erhöht das Tempo

2. Die Aufnahme des Rennens

a) fasst die Situation als ein Rennen auf
b) Unmut darüber, dass sich der Verfolger nicht abschütteln lässt
c) erste Zweifel am Sieg
d) allmählich auftretende Überanstrengung
e) Setzen eines Zieles für das Rennen vor dem eigentlichen Ende der Loipe

3. Der Zusammenbruch

a) Ziel bei den Alphütten
b) Blick nach hinten
c) körperlicher Zusammenbruch

 
Aspekte der Textanalyse und - interpretation:

- Erzählperspektive/-haltung:

personale Erzählperspektive, weil

  • das Geschehen nur aus der Sicht des Skilangläufers erzählt, dessen Wahrnehmung (Verfolgungs"wahn") die Auswahl und die Färbung des Geschehens bestimmen

  • kein auktorialer Erzähler allwissend die gesamte Szenerie überblickt

  • Empfindungen und vorgenommene Wertungen die Befindlichkeit des Skilangläufers widerspiegeln, z.B.
    "halb mumifizierte Kolonnen", "ältliche Schweißschwaden", "ganz gute Wachskünstler"

  • Übergang aus dem personalen Erzählerbericht in Erlebte Rede am Ende der Geschichte

- Darbietungsformen des Erzählens:

  • personaler Erzählerbericht
    erlebte Rede

- Textsorte:

Kurzgeschichte, weil

  • offener Anfang, offener Schluss (unklar bleibt, was mit dem Mann am Ende geschieht)

  • alltägliche Begebenheit

  • kurzer epischer Text

parabolische Züge / Parabelcharakter, weil

  • Geschehen deutlich über das Dargestellte hinaus verweist
  • eine Übertragung von einem Bild  in einen geeigneten Sachbereich möglich ist, der die Allgemeingültigkeit der Aussage hervorhebt

- Figurengestaltung / Figurencharakteristik:

indirekte Charakterisierungen durch das Verhalten des personalen Erzählers selbst

- Sprachliche Mittel:

  1. Satzbau: stark parataktischer Satzbau, wobei die Hauptsätze zur Betonung des "Gehetztseins" des Skilangläufers vielfach nur mit Komma getrennt aneinandergereiht sind

  2. syntaktischer Parallelismus, Anapher, Interjektionen, Hyperbel

 

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