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Ökologischer Wandel

Der Klimawandel: Seine Ursachen und Auswirkungen

 
 
  Die zunehmende Erwärmung der Atmosphäre der Erde mit ihren Folgen ist zu einem Problem geworden, welches das Überleben der Menschheit als Ganzes auf längere Sicht ernsthaft gefährden kann. Auch wenn es in der Erdgeschichte immer wieder Phasen gab, die Auswirkungen auf das globale Klima hatten, ist das, was wir heute als Klimawandel bezeichnen, ganz überwiegend von den Menschen selbst gemacht. Verursacht wurde und wird diese Entwicklung von nur einem Teil der Menschen auf diesem Planeten, jenen Gesellschaften und Staaten nämlich, die sich in den letzten ca. 150 Jahren zu großen modernen Industriegesellschaften entwickelt haben. Seit Beginn der Industrialisierung ist die Temperatur auf der Erde durchschnittlich um 0,85 Grad Celsius gestiegen. (1) Dass menschliches Handeln dafür verantwortlich ist, gilt als belegt, auch wenn sich so genannte Klimaskeptiker heute immer noch zu Wort melden und vor allem die Interessen großer, weltweit operierender Energiekonzerne vertreten, die sich ihr profitables Geschäft nicht verderben lassen wollen. Die heute überwiegend zu den reichen Ländern der Erde zählenden Staaten und Gesellschaften haben von den Vorteilen einer Gesellschaft gelebt, die den Wohlstand aller Menschen trotz aller bestehenden sozialen Ungleichheit in diesen Ländern erhöhen konnte, weil sie den Raubbau an der Natur lange Zeit mehr oder weniger rücksichtslos betrieben hat und alles, das was „entsorgt“ werden musste, ohne jede Sorge irgendwo, über oder unter der Erde bunkerte oder einfach in die Atmosphäre blies.

Die Industrieländer als Hauptverursacher des Treibhauseffekts

Die Industrieländer sind die Hauptverursacher des vom Menschen verursachten Treibhauseffektes. Rund 58 Prozent des im gesamten 20. Jahrhundert in die Luft geblasenen Kohlendioxids beispielsweise wurden in Europa und den USA erzeugt (Quelle: World Resources Institute). Wenn die Industrie- und Schwellenländer ihren Treibhausgasausstoß nicht drastisch senken, so sagen es führende Klimaexperten voraus, könnte die Durchschnittstemperatur auf der Erde bis zum Ende des Jahrhunderts um weitere vier Grad ansteigen. (2) Und die Zeit drängt: Etliche Wissenschaftler geben uns nämlich gerade noch rund zehn Jahre Zeit, bis der Punkt erreicht ist, an dem das Klimasystem kippt. Das Ziel, die Erwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, wäre danach nicht mehr zu erreichen. (3)

Von der Risiko- zur Katastrophengesellschaft

Die reichen Industriestaaten haben trotz oder gerade wegen der eingegangenen Risiken für die Menschen und die ganze Menschheit von alledem am allermeisten profitiert, die Zeche für diese Entwicklung zahlen aber in nächster Zeit wohl vor allem die Armen in der Welt. Während die reichen Industriestaaten mit ihrem enormen wirtschaftlichen Potential vielleicht für eine gewisse Zeit lang die Auswirkungen des Klimawandels „abpuffern“ können, indem sie z. B. bei ansteigendem Meeresspiegel Dämme bauen können, sind die kaum entwickelten Staaten der Erde dazu nicht in der Lage. Wahrscheinlich werden, sofern sich nicht noch Grundlegendes ändert, viele Millionen Menschen auf der Erde von den Seychellen bis Bangladesh solche bedrohten Gebiete verlassen müssen. Klimaflüchtling könnte so zum Unwort künftiger Zeiten werden und dem abwertenden Begriff des Wirtschaftsflüchtlings, wie wir ihn heute kennen, eine neue Färbung geben.
In jedem Fall wird wohl in der Zukunft ein großer Teil unserer volkswirtschaftlichen Leistungskraft dafür eingesetzt werden müssen, die schon jetzt kaum mehr steuerbaren Folgen der Risiken, die gestern und heute eingegangen worden sind und weiter eingegangen werden (Risikogesellschaft), einfach nur zu mildern, um größere Katastrophen abzuwenden (Katastrophengesellschaft).

Der weltweite Hunger nach Energie

Hauptursache für die Erderwärmung und den davon ausgelösten Klimawandel sind die so genannten Treibhausgase, die bei der Verbrennung fossiler Rohstoffe wie Erdöl, Kohle oder Gas entstehen. Grund dafür ist der ungeheure Hunger nach Energie, die sich durch die Verbrennung solcher Stoffe erzeugen lässt. Doch dabei entsteht das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2), einer der gefährlichsten Klimakiller. Um den Hunger nach Energie zu stillen werden auch heute noch in Kraftwerken die fossilen, sehr kohlenstoffintensiven Energieträger wie Stein- und Braunkohle, aber auch Erdöl und Erdgas verbrannt. Rund 37 Prozent der vom Menschen produzierten weltweiten CO2-Emissionen fallen bei der Stromerzeugung an. Knapp 40 Prozent der weltweit erzeugten Energie basiert noch immer auf dem fossilen Brennstoff Kohle. Verschärft wird das Problem noch dadurch, dass nur in etwa ein Viertel bis ein Drittel der eingesetzten Energie wirklich genutzt wird, weil solche Kraftwerke, weltweit betrachtet, eine sehr geringe Energieeffizienz haben. Die restliche Energie wird im Grunde einfach verschleudert.

CO2 Emissionen weltweit

Weltweit betrachtet steigt der Ausstoß der klimafeindlichen Gase heutzutage vor allem in den Entwicklungsländern und Schwellenländern stark an, die sich mehr und mehr industrialisieren. Zwischen 1990 und 2008 ist der Ausstoß energiebedingter CO2-Emissionen weltweit um 41 Prozent angestiegen, von 22,5 Gt auf 31,5 Gt. Das liegt vor allem daran, dass der Bedarf an Energie weltweit stetig anwächst. Besonders in den so genannten Schwellenländern: In Indien kletterte der Kohlendioxid-Ausstoß im genannten Zeitraum um ca. 80 Prozent nach oben, in China sogar um ca. 120 Prozent.

Wer will kann sich die dramatische Entwicklung auf einer animierten Timeline des Global Carbon Atlas betrachten. (4) Allen voran geht allerdings heute China, das laut internationaler Energieagentur inzwischen vor den USA am meisten CO2 (2015: 28,03% der weltweiten CO2-Emissionen (5) in die Erdatmosphäre bläst (Anstieg der COS-Emissionen zwischen 1990 und 2008 um 120%!). Wie lange das auch von der eigenen Bevölkerung akzeptiert werden wird, die mit den tagelangen gesundheitsgefährdenden und das soziale Leben erheblich beeinträchtigenden Smog-Ereignisse in chinesischen Megastädten am eigenen Leib erfährt, wohin eine solche Entwicklung führt, sei dahingestellt. Im Vergleich zu China sehen sogar die USA noch gut aus, deren Anteil an den Kohlendioxid-Emissionen sich im Jahr 2015 auf 15,9% beläuft. Aber auch Deutschland steht, wenngleich mit viel geringeren Gesamt-Emissionen (2,36%) an 6. Stelle der weltweit am meisten CO2 in die Atmosphäre blasenden Staaten. (6) Aber auch das ist eben nur eine Frage der Perspektive und kein Grund sich auf die eigene Schulter zu klopfen.
Denn wenn man bei seinen Berechnungen den Pro-Kopf-Ausstoß von Kohlendioxid zugrunde legt, sieht das Ganze völlig anders aus. Gemessen an der Einwohnerzahl (1,3 Milliarden) befindet sich China nämlich in der unteren Hälfte der Tabelle: Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt hier bei circa 7,1 Tonnen Kohlendioxid jährlich. Damit liegt China auf Platz 52 (7) Im Vergleich dazu produziert jeder Deutsche im Durchschnitt 9,8 Tonnen CO2 im Jahr (Platz 32) Jeder US-Amerikaner bringt es auf knapp 17 Tonnen und jeder Bewohner des arabischen Golfstaates Qatar sogar durchschnittlich auf fast 46 Tonnen Kohlendioxid im Jahr. (Platz 1) (8).
In Deutschland ist der Ausstoß an Kohlendioxid zwischen 1990 und 2007 um 21,3 Prozent gesunken. Das bedeutet aber nicht, dass wir hierzulande wirklich außergewöhnlich gute Vorreiter bei der Reduzierung von CO2-Emissionen sind. Die Ursache für diesen Rückgang ist nämlich vor allem, dass nach der Wiederherstellung der deutschen Einheit viele große, ehemalige DDR-Industriebtriebe stillgelegt wurden, die als regelrechte CO2- und Feinstaub-Dreckschleudern über Jahrzehnte hinweg ihre klimaschädlichen Abgase in die Atmosphäre freigesetzt haben.

Wer verursacht die CO2-Emissionen in Deutschland?

Auch wenn die Emissionen immer wieder auf den ökologischen Fußabdruck jedes einzelnen Menschen heruntergerechnet werden, was vor allem im internationalen Vergleich eine wichtige Vergleichsgröße darstellt, ist ein Blick auf die unterschiedlichen Verursacher der Schadstoffemissionen dennoch wichtig, denn die Menschen verursachten Treibhausgase entstammen unterschiedlichen Quellen. In Deutschland ist der Energiesektor mit 41 Prozent der Hauptverursacher. An zweiter Stelle steht der Verkehrssektor mit 16 Prozent. Es folgen Industrie mit 12 Prozent, Haushalte mit 9 Prozent und Gewerbe/Handel/Dienstleistungen sowie Landwirtschaft mit fünf Prozent. (Stand 2008; nach Angaben des Umweltbundesamtes).

Der Klimawandel trifft alle Lebensformen

Ganze Lebensräume rund um den Globus stehen vor dramatischen Veränderungen. Als akut bedroht hat der WWF bereits 1992 Korallenriffe eingestuft. Korallenriffe sind durch die ungewöhnlich warmen Wassertemperaturen der letzten Jahre schon jetzt weltweit stark geschädigt. Der WWF schätzt, dass die Wasserhöhe bis 2100 mehr als einen Meter ansteigen wird. Für viele Regionen wäre das überaus dramatisch. Küstenlebensräumen und Inselpopulationen wie etwa Tuvalu oder den Seychellen droht der Untergang. Veränderungen in der Arktis wirken sich wiederum auf den Klimawandel aus, und zwar weitaus dramatischer als bisher angenommen. So prognostiziert die WWF-Studie „Arktische Rückkopplungen: Auswirkungen auf das globale Klima“, dass ein Viertel der Weltbevölkerung in Zukunft von Überflutungen betroffen sein könnte. Auch ein gewaltiger Anstieg von Treibhausgasemissionen wird befürchtet. Denn in den gefrorenen Böden der Arktis ist doppelt so viel Kohlenstoff gespeichert, wie in der Atmosphäre enthalten ist. Eine aufwändige Studie der Universität Leeds hatte bereits im Jahre 2005 ergeben, dass bis 2050 über eine Million Tier- und Pflanzenarten aussterben werden, falls der Ausstoß von Treibhausgasen wie CO2 und damit die globale Erwärmung nicht deutlich gebremst würden. (9)

Klimawandel und Nahrungsmittelversorgung

Der Klimawandel, das zeigt eine neue Studie aus dem Jahr 2016, wird allein durch die Tatsache, dass die Menschen in den nächsten Jahrzehnten wegen eines davon bedingten Rückgangs bei der Nahrungsmittelversorgung weltweit weniger Obst und Gemüse konsumieren können, beträchtliche gesundheitliche Auswirkungen haben. Allein aus diesem Grund wird bis 2050 weltweit mit über 500.000 zusätzlichen Toten gerechnet. Dass dies, wie die Studie zeigt, vor allem wieder die ärmeren Länder der Welt und dort natürlich wieder die Armen treffen wird, bedarf fast keiner Erwähnung. Aber auch Staaten wie Griechenland und Italien könnten diese Folgen zu spüren bekommen. (10) Hungerkatastrophen wegen anhaltender Dürreperioden oder infolge von anderen Klima- und Wetterkatastrophen (Überschwemmungen, Tornados und Hurrikans, El Niño u. ä. nicht eingeschlossen!

Das Zwei-Grad-Ziel

Die möglichen Folgen der Erderwärmung für die ganze Menschheit zu mildern ist Aufgabe der ganzen Weltgemeinschaft. In jährlichen Klimakonferenzen setzen sich die meisten Staaten zusammen, um darüber zu beraten wie die Klimarahmenkonvention (UNFCCC) der Vereinten Nationen, die 1992 verabschiedet und von den meisten UN-Mitgliedsstaaten danach unterzeichnet worden ist, in praktische Politik und gemeinsame Klimaziele umgesetzt werden kann. Die bedeutendsten Klimakonferenzen waren die von 1997 im japanischen Kyōto, die als Ergebnis das Kyoto-Protokoll hervorbrachte, und die Klimakonferenzen von Kopenhagen (2009) und von Paris (2015).
Da die Erderwärmung seit Beginn der Industrialisierung (ca. 1850) etwa 0,8 Grad beträgt, verbleiben rechnerisch noch 1,2 Grad, um das Zwei-Grad-Ziel einzuhalten. Um dies zu erreichen, müssten die weltweiten Treibhausgas-Emissionen bis 2050 um mindestens 50 % sinken, in den Industrieländern um 80–95 % (jeweils gegenüber 1990). Die Emissionsreduktion muss im Laufe der 2010er Jahre einsetzen, ansonsten besteht keine realistische Aussicht mehr, das Zwei-Grad-Ziel einzuhalten. Die Zweifel, derer, die nicht daran glauben, dass das Zwei-Grad-Ziel angesichts des weltweit steigenden Energiebedarfs und der nur sehr schleppenden Umsetzung bisher eingegangener Verpflichtungen zur Reduktion der Treibhausgase sind indessen groß, auch wenn es u. U. mit dem auf der Pariser Konferenz von 2015 verabschiedeten Ziel, die Erwärmung auf 1,5°C noch gelingen könnte, eine Klimakatastrophe abzuwenden. Dafür müsste die Welt jedoch zwischen 2045 und 2060 die Treibhausgasemissionen auf Null zurückfahren. Die Zeit dahin ist äußerst kurz, aber nach Meinung von Klimaexperten, das einzige Zeitfenster das bleibt. (11)

Die Beschlüsse der Weltklimakonferenz von Paris 2015

Auf der Weltklimakonferenz von Paris 2015 haben sich die 195 Teilnehmerstaaten auf Klimaschutzabkommen (Pariser Abkommen) darauf geeignet, die globale Erwärmung durch gemeinsame Anstrengungen auf deutlich unter 2 °C, möglichst 1,5 °C, zu begrenzen. Das ist zwar ein ehrgeiziges Ziel, angesichts der drohenden Gefahren aber nahezu alternativlos.

  • Die Erhöhung der globalen Temperatur soll 1,5 Grad nicht überschreiten. Das ist deutlich weniger als das 2 Grad-Ziel, das von Klimaexperten mindestens empfohlen wird. Die 1,5-Grad-Marke ist besonders für Inselstaaten im Südpazifik und der Karibik überlebenswichtig

  • Bis Mitte dieses Jahrhunderts sollen die Treibhausgas-Emission auf Null gesenkt werden. Dies soll u.a. durch Aufforstung oder Speicherung von CO2 gelingen. Energiegewinnung aus fossilen Rohstoffen kann aber dennoch stattfinden, solange der CO2-Ausstoß neutralisiert wird.

  • Alle Staaten müssen in einem Fünf-Jahres-Rhythmus einen immer wieder aktualisierten Plan für den Kampf gegen den Klimawandel erstellen und vorlegen. Die Industrieländer sollen dabei eine Vorreiterrolle übernehmen und Schwellenländer dazu „ermutigen“

  • 2018 soll das Jahr sein, in dem die Staaten zum ersten Mal Rechenschaft über die Einhaltung der Klimaziele geben. Dabei sollen die Maßnahmen überprüft werden, die sie zu Erreichung des 1,5 Grad-Fernziels getroffen haben.

  • Die Industriestaaten haben sich verpflichtet, ab 2020 armen Ländern finanzielle Mittel in Höhe von 100 Milliarden Dollar zur Bekämpfung des Klimawandels zur Verfügung stellen. 2025 soll eine neue Summe festgelegt werden. Bestimmte Länder, wie z. B. China können sich an der finanziellen Hilfe beteiligen, sind dazu aber nicht verpflichtet.

  • Für Schäden und Verluste, die in armen Ländern durch die Folgen des Klimawandels entstanden sind oder entstehen werden, soll zwar ab dem Zeitpunkt des Abkommens keine Entschädigung gezahlt werden, allerdings werden diese wenigstens anerkannt und die Staatengemeinschaft aufgefordert, in solchen Fällen sich fördernd und kooperativ zu den leidtragenden Staaten zu verhalten. (12)

Anmerkungen:
1) vgl. http://www.greenpeace.de/themen/klimawandel 
2) vgl. ebd.
3) vgl. http://www.greenpeace.de/themen/klimawandel/ursachen-des-klimawandels 
4) http://www.globalcarbonatlas.org/?q=en/emissions
5) vgl. http://de.statista.com/statistik/daten/studie/179260/umfrage/die-zehn-groessten-c02-emittenten-weltweit
6) vgl. ebd.
7) vgl. vgl. http://www.globalcarbonatlas.org/?q=en/emissions 
8) vgl. ebd.
9) vgl. http://www.wwf.de/themen-projekte/klima-energie/klimawandel/die-verursacher/ , 30.12.2015
10) vgl. http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2815%2901156-3/fulltext 
11) vgl. vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Zwei-Grad-Ziel
12) vgl. www.reset.org

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 07.03.2016

 

 
     
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