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Merkmale des Gruppenunterrichts

 Vorteile und Grenzen


Die Sozialform des Gruppenunterrichts ist ein Begriff, der eine Vielzahl von Elementen der Kleingruppenarbeit und der Teamarbeit beinhaltet. Genau genommen handelt es sich um die angepasste schulische, d.h. unterrichtliche Anwendung von Prinzipien aus diesen beiden Bereichen.

1. Vorteile des Gruppenunterrichts

Nach Gudjons (1993)  besitzt der Gruppenunterricht 6 wichtige Vorteile:

  • Kooperativ arbeitende Lerngruppen erbringen fachspezifische Lernerfolge, die deutlich über denen vergleichbarer Kontrollklassen liegen

  • Kooperativ lernende Schüler können u. U. ihr Selbstwertgefühl steigern, weil sie sich selbst mehr zutrauen; zugleich fühlen sie, für andere wichtig zu sein.

  • Über die Entwicklung individueller »Sozialkompetenz hinweg werden die sozialen Beziehungen innerhalb einer ganzen Schulklasse gefördert.

  • Vor allem Schülerinnen und Schüler, die im herkömmlichen Frontalunterricht von ihrem Naturell her eher "untergehen“, haben in Kleingruppen weit höhere Chancen sich zu beteiligen. Außerdem haben sie höhere Chancen, ihre soziale Sensibilität füreinander weiter zu entwickeln.

  • Kooperativ arbeitende Schüler können auch im kognitiven Bereich bessere Ergebnisse erzielen, weil ihr selbständiges Denken bei der Problem- bzw. Aufgabenbewältigung stärker gefördert wird.

  • Im Bereich sozialen Lernens führen die kooperativen Arbeitsformen des Gruppenunterrichts zu intensiverer Beschäftigung der Schülerinnen und Schülern  miteinander. Dadurch verbessern sich ihre Feedback-Möglichkeiten. Außerdem wird die kommunikative Kompetenz der Schüler nachhaltig gefördert, weil sie im Gruppenunterricht lernen können, einander zuzuhören, aufeinander einzugehen, gemeinsam Entscheidungen vorzubereiten und zu fällen u. dgl. m.

(vgl. Gudjons 1993, S.18f.)

Um einen erfolgreichen Gruppenunterricht zu gestalten, sollte man aber bei der Auswahl der Gruppenarbeitsthemen nicht zu harmonieheischend sein. Denn wie Gage / Berliner (1986 , S. 494) betonen, ist Gruppenunterricht dann am erfolgreichsten,

  • wenn sich die Unterrichtsbereiche durch geringen Konsens unter den Schülerinnen und Schülern ausweisen

  • wenn Einstellungen über kontroverse Themen verändert werden sollen.

Auch wenn die Vorteile des Gruppenunterrichts in der Schule bei eigenverantwortlichem Lernen im offenen Unterricht wohl inzwischen unstrittig sind, gibt es doch auch Argumente, die immer wieder gegen kooperative Interaktionen vorgebracht werden. Diese lassen sich jedoch, wie Ewald J. Brunner und Günter L. Huber (1989, S. 60-63) schon Ende der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts nachweisen konnten, widerlegen. (→Kompetition oder Kooperation? Wissenschaftliche Argumentationen für und wider Zusammenarbeit in Gruppen - Argumentationsübung)

 2. Grenzen des Gruppenunterrichts

Gruppenunterricht ist eingebettet in die institutionellen Rahmenbedingungen, unter denen sich Lehren und Lernen in unserer Gesellschaft vollzieht (fachwissenschaftliche Orientierung, Betonung kognitiver Leistungen, Notengebung usw.).
Wo Schule auf Schülerinnen und Schüler trifft, die Schule in der bestehenden Form grundsätzlich ablehnen, kann auch der bestgemeinte und bestorganisierteste Gruppenunterricht nur wenig bewirken. Allerdings stellt sich - wenn man die sozialintegrativen Aspekte des Gruppenunterrichtes hinreichend berücksichtigt - kaum eine andere Sozialform entschiedener der Aufgabe, gerade auch solche Widerstände durch die Achtung vor dem autonomen Schülersubjekt zu überwinden.

3. Einmal Gruppenunterricht, immer Gruppenunterricht?

Gudjons (1993, S.20) warnt ausdrücklich vor einer Verabsolutierung des Gruppenunterrichts und fordert ihn nur im Methodenverbund zu praktizieren:. 
"Der Frontalunterricht - gut gemacht - wird weiterhin nötig und auch sinnvoll sein, insbesondere im lehrgangsorientierten Unterricht.
Die Gruppenunterrichtsdidaktik betont die Einbindung der Kleingruppenarbeit in eine Polarität: Einerseits ist Gruppenarbeit immer wieder abhängig von der Einzelarbeit jedes einzelnen Mitgliedes. Andererseits ist sie bezogen auf einen größeren Zusammenhang des Arbeitens und Lernens, z.B. auf die gesamte Projektgruppe, auf das Klassenplenum, auf die Integration in ein flexibles »Team-Teaching-Modell. Gruppenunterricht ist also nur im Methodenverbund sinnvoll."

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 29.09.2013

      
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