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Lernzirkel / Lernen an Stationen

Die historischen Wurzeln

Der Dalton-Laboratory-Plan von Helen Parkhurst (1904/05)


Entstanden ist das Konzept des Lernzirkels in der »Reformpädagogik der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Die US-amerikanische »Reformpädagogin »Helen Parkhurst (1887-1973) entwickelte mit ihrem so genannten »„Daltonplan“ (eigentlich: Dalton Laboratory Plan) eine "Bildungskonzeption, in deren Mittelpunkt das selbständige Lernen steht." (Thiel 2003) Die Bezeichnung geht auf die Stadt Dalton in Massachusetts zurück, wo die britische Fachwelt erstmals auf die Konzeption aufmerksam wurde.
Das von Parkhurst entwickelte Konzept zielt indessen über die Unterrichtsmethodik hinaus und versteht sich als ein Art "Way of life“. Knapp zusammengefasst, stellt sich das Konzept nach Peter Thiel (2003) wie folgt dar: "Der Grundgedanke beruht auf dem sog. Kontrakt, durch welchen das Kind an die Schule gebunden wird. Er ermöglicht, in einem System der Freiheit zu arbeiten und überträgt dem Kinde die Verantwortung für sein Lernen. Der Lehrplan für jedes Fach und jede Unterrichtsstufe ist in mehrere Kontrakte unterteilt, das sind kleinere überschaubare Stoff-Portionen. Daraus ergeben sich die sog. Assignments, zu deutsch Anweisungen. Jedes Assignment ist unterteilt in vier Arbeitsabschnitte, die den wöchentlichen Lernstoff umfassen.
Der Lehrer unterrichtet nicht mehr im herkömmlichen Sinne. Der Klassenraum hat den Charakter eines Laboratoriums und ist jeweils ausschließlich für ein bestimmtes Unterrichtsfach eingerichtet. Dort hält sich die fachspezialisierte Lehrkraft bereit, den Kindern beim Lernen helfend unter die Arme zu greifen.
Zu Beginn des Schuljahres erhält das Kind für jedes individualisierte Unterrichtsfach (nicht auf alle Fächer trifft dies zu, Religion, Singen und Sport werden kollektiv unterrichtet) eine Broschüre, welche die Kenntnisse zusammenfasst, die im Laufe des Jahres zu erwerben sind. Untergliedert ist das Jahrespensum, wie oben beschrieben, in die Assignments. Die Broschüren sind die einzigen Unterlagen, die das Kind erhält. Fachliteratur steht im jeweiligen Laboratorium zur Verfügung.
Es ist dem Lernenden freigestellt, wie und mit welchem Zeitaufwand er die Assignments bewältigt; er arbeitet nach eigenem Rhythmus. Bedingung allerdings: Er darf nicht über das für einen Monat vorgesehene Lernpensum hinausgehen, wenn er die Pensen anderer Fachbereiche noch nicht bewältigt hat"
Die den nach diesem Konzept vorgehenden Daltonplan-Schulen in England und den Niederlanden arbeiten nach dem "Grundprinzip", "die (traditionellen) Lehrstrategien in eine Didaktik der Aneignungsstrategien zu übersetzen." (Popp 1995) Sie weisen Ähnlichkeiten zu »Montessori-Schulen auf. Helen Parkhurst und »Maria Montessori (1870-1952) arbeiteten auch eine längere Zeit intensiv zusammen, bis sich Parkhurst entschied, ihre Montessori-Demonstrationsschule unter eigenem Namen weiterzuführen und ihre Arbeit damit eindeutiger an dem von ihr verfolgten Laboratory-Plan fortzusetzen.

Ähnlich wie in Montessori-Schulen werden in den Daltonplan-Schulen die Schulräume mit Lernmaterialien ausgestattet, die mit einer gezielten Aufgabenstellung versehen, die Schülerinnen und Schüler zum selbständigen Arbeiten und Lernen anregen und zugleich Möglichkeiten zur selbständigen Kontrolle der Ergebnisse eröffnen sollen. Der Kern des Dalton-Planes lässt sich auf den formelhaften Ausdruck "Freedom with responsibility" bringen. Damit ist keine absolute Selbstbeststimmung des Schülers gemeint, sondern die Freiheit im Rahmen bestimmter Aufgabenstellungen, allgemeiner im Rahmen eines bestimmten Lehr-Lern-Settings autonome Entscheidungen zu fällen und die Verantwortung dafür zu tragen.

In einem Lernprozess, bei dessen Organisation Schülerinnen und Schüler von Anfang an einbezogen sind, spielen neben Freiheit und Verantwortung noch ein bzw. zwei weitere Prinzipien eine grundlegende Rolle, nämlich Zusammenarbeit und Selbsttätigkeit.

Die vier Prinzipien bilden die Grundlage der "Dalton-Pädagogik", die mit dem in einem Schulexperiment in Waterville/Wisconsin (1904/1905), dem so genannten "Laboratory-Plan" begann.

  • Freiheit ist für Helen Parkhurst stets Wahlfreiheit, die als Bündel autonomer Entscheidungsmöglichkeiten im Lernprozess das Selbständigwerden der Schüler fördern soll. Nachdem ein Schüler eine für diesen Prozess konzipierte Aufgabe (Pensum) erhalten hat, kann er über den weiteren Verlauf des Lernprozesses weitgehend selbst entscheiden. So kann er wählen,

    • wo er arbeiten will

    • wie er seine Zeit einteilt

    • womit er beginnen will

    • ob er allein, mit einem Partner oder in einer Gruppe arbeiten will

    • auf welche Quellen er zum Erwerb der angestrebten Kenntnisse und Fähigkeiten (Lexika, Internet, Sachbücher, Zeitschriften usw.) zurückgreifen will.

  • Das Prinzip der Verantwortung ergibt sich für Parkhurst aus der Wahlfreiheit und zielt darauf, dass der Schüler in einem eigenverantwortlichen Handeln erfährt, "das Lernen seine Sache ist, und nicht die dies Lehrers, dass er Verantwortung für sein Tun und sein Leben in der Schule übernehmen muss". (Eichelberger 2002)

  • Das Prinzip der Zusammenarbeit steht auf der Grundlage von Wahlfreiheit und Verantwortung und bedeutet die freie Wahl der Sozialform, in der jemand lernen will (Einzel, Partner- oder Gruppenarbeit), einschließlich der Möglichkeit, wann immer gewünscht, von der einen zur anderen Form der Kooperation zu wechseln.

  • Selbsttätigkeit, als gesondertes Prinzip nicht von Parkhurst, sondern ihren Schülern angefügt, zielt darauf, die eigenverantwortliche Organisation des Lernprozesses selbst in die Hand zu nehmen und dabei das eigene Handeln im Lernprozess selbst zu reflektieren, seinen Ablauf mit einer geeigneten Arbeitsplanung anzugehen und den Fortgang des Arbeitsprozesses sowie seine Ergebnisse zu kontrollieren.

Neben der Dalton-Plan-Pädagogik gelten auch bestimmte Aspekte der Freinet-Pädagogik (vgl. Freinet 1980) als Vorläufer der heutigen Stationenarbeit. (vgl. Hegele 1999/42008, S. 61)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 29.09.2013

      
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