Fragen und Antworten

Was heißt hier eigentlich »Dingsda«-Stil?

oder: Das Problem mit dem Aneinanderreihen von Aussagen



»Dingsda«, das war seit ihrem Start im Jahr 1985 eine sehr beliebte Unterhaltungssendung, die davon lebte, dass Kinder im Grundschulalter eine bekannte Persönlichkeit des öffentlichen Lebens oder einen Begriff beschrieben haben, ohne ihn preiszugeben. Der Name bzw. Begriff musste dann von den Spielteilnehmern erraten werden. Mehrere tausend Kinder aus Deutschland und Österreich haben bei Dingsda Begriffe erklärt. Wenn ihnen bei ihren Beschreibungen aus Versehen der zu erratende Begriff rausrutschte, wurde akustisch und sichtbar ein "UPS" eingeblendet. Deshalb haben eingefleischte Dingsda-Fans "UPS" inzwischen längst in ihren Wortschatz aufgenommen.
Schön und gut, was hat das aber mit einer Problemerörterung zu tun?  

"Dingsda"- Stil ist, wie wir ihn verstehen, eine Art, wie um den heißen Brei herumgeredet wird. Es geht also dabei um die Gedankenführung und die Argumentation. 

Wer so schreibt, der reiht meist alles beliebig oder bloß assoziativ aneinander. Beim Erzählen kann ein solches assoziatives Aneinanderreihen von Episoden mit Satzverknüpfungen durch "dann" oder "und dann" u. U. noch in Ordnung gehen, beim Erörtern ist dies aber nicht angebracht.

Ein Beispiel kann das verdeutlichen. Zum Thema
"Immer mehr Frauen und Männer lassen sich auf dem Operationstisch verschönern, darunter auch zahlreiche junge Leute.
Welche Gründe gibt es für diese Entwicklung?
Wie stehen Sie dazu?
"
hat eine Schülerin folgenden Text verfasst:

"Schönheits-OP's sind für viele die einzige Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Um wieder schön zu sein, braucht man ja nichts weiter zu tun, als sich auf den OP-Tisch zu legen. Die Risiken werden aber nicht bedacht. So hat manche Frau schon bereut, dass sie sich die Brüste hat vergrößern lassen. Dann kann es nämlich leicht passieren, das so ein Implantat reißt. Und wenn dann noch eine teure, zweite Operation dazukommt, ist kaum noch Geld da. Dann ist es besser, wenn man gleich dafür Geld zurücklegt. Das finden die Männer, für die die Frauen das ja machen, meistens nicht gut. Frauen sagen aber meistens, dass sie das alles ganz für sich allein tun. Nicht zum Spaß, aber eben nur, weil es ihnen gefällt. Dann gibt es aber auch noch das Fernsehen. Wo man auch immer hinzappt, überall flimmern einem Sendungen über Schönheits-OP's entgegen. Da werden dann Bilder gezeigt von Frauen, die das überhaupt nicht nötig haben, oder furchtbare Bilder von Frauen, die nach einer Schönheits-OP völlig verunstaltet waren. Dann ist man die Dumme und muss erst einmal beweisen, dass der Arzt gepfuscht hat. Die Ärzte, die das machen, tun das doch nur, weil sie Geld machen wollen, auch wenn sie manchmal sagen, dass sie Frauen eigentlich nur helfen wollen. Männer, die Schönheits-OPs machen lassen, gibt es ja weniger."

Warum jemand seine Gedanken nicht auf den Punkt bringen kann, hat u .U. vielfältige Gründe. Aber einer davon hängt bestimmt mit der mangelnden Durchführung der Vorarbeiten zur →Niederschrift der Problemerörterung zusammen. Man muss schon verstehen, dass man eine solche Schreibaufgabe im Allgemeinen nicht in einem Zug, also durch das ein mehr oder weniger praktiziertes Drauflosschreiben, lösen kann. Das klappt im Übrigen bei den meisten Schreibaufgaben nicht. Wer einen erörternden bzw. argumentativen Text wie eine freie Problem- oder Sacherörterung erfolgreich schreiben will, sollte, so unsere Empfehlung einer Schreibstrategie folgen, die man planendes Schreiben nennt. Grundsätzlich muss der Schreibprozess in mindestens 3 Phasen eingeteilt werden:

  • Er/sie muss planen, was und wie geschrieben werden soll.

  • Er/sie muss das beim Formulieren umsetzen.

  • Er/sie muss das, was zunächst einmal niedergeschrieben ist, überarbeiten, um eine endgültige Fassung des Textes fertig zu stellen.

Das Prinzip der planenden Strategie besteht darin, sich vor dem Niederschreiben einen Plan für das zu erstellende Textprodukt zu machen.
Ein solcher Plan ist allerdings kein Zeitplan. Er ist auch keine Übersicht darüber, welche Arbeitsschritte durchzuführen sind. Stattdessen ist ein solcher Plan eine Sammlung unterschiedlicher Vorarbeiten für die spätere Niederschrift. Dabei ist alles, was dazu notiert wird, erstmal Entwurf und alles zusammen ein Konzept für das Formulieren. Man kann darin gut und gerne auch das Gerüst für das spätere Formulieren sehen.
Beim planenden Schreiben strukturiert man einfach vor, was später beim Formulieren des gesamten Textes geschrieben werden soll. Was du, bevor du dich an das Abfassen der Niederschrift machst, planend vorstrukturieren möchtest, kannst natürlich nur du selbst entscheiden. Feste Regeln dafür gibt es nicht. Du kannst zum Beispiel eine Arbeitsgliederung erstellen und/oder eine oder mehrere Argumentationsskizzen zu dem einen oder anderen Punkt aufschreiben. Wenn dir aber eher danach ist, einen vollständigen Textentwurf zu schreiben - häufig nennt man das ja auch Konzept-Schreiben -  kannst du das natürlich auch tun, wenn du von dieses Konzept von vornherein nicht als endgültige Fassung ansiehst. Wichtig ist eben dann, dass du weißt, wie du das Ganze →überarbeiten kannst, um eine Endfassung zu produzieren. (→Überarbeitungsstrategien, ).

Grundsätzlich, und darauf kommt es hier vor allem an, ist beim planenden Schreiben der Schreiprozess mindestens zweigeteilt: In der Planungsphase des Schreibprozesses, also lange vor dem eigentlich Formulieren des Textes, lohnt es sich, eine ganze Reihe von →Arbeitsschritten anzupacken und dabei die erforderliche "Konzeptarbeit" zu leisten.

Der "Dingsda-Stil" kann aber auch mit Problemen beim Argumentieren zusammenhängen

Das beschriebene Dingsda-Phänomen kann aber auch mit Problemen bei der Gestaltung einer →Argumentation zusammenhängen. Wenn du den Eindruck hast, dass dein "Dingsda"-Schreibproblem eher darauf zurückzuführen ist, dass du deine Gedanken nicht argumentativ entfalten kannst, solltest du dich zunächst eher bestimmten →Formen der Argumentation zuwenden. Da kannst du dich mit der →einfachen und →erweiterten Argumentation befassen.
Am besten steigst du dazu mit dem Selbstlern-Modul "Von der einfachen zur erweiterten Argumentation" ein.

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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 29.09.2013

                      
                             

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