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Württemberg zur Zeit Carl Eugens

Der Erbvergleich von 1770

Eugen Schneider (1907)

 
 
Am 2. März 1770 wurde der Vertrag abgeschlossen, der den Frieden zwischen Fürst und Land herstellte und als Erbvergleich auch für die Nachfolger gültig sein sollte. Seine hauptsächlichen Bestimmungen sind folgende: Die Landesverfassung wird einschließlich der bis 1753 ergangenen Landtagsabschiede vom Herzog als bindend anerkannt; bei strittiger Auslegung steht die Entscheidung dem Kaiser zu; von den Beamten und Untertanen kann nur der verfassungsmäßige Gehorsam verlangt werden; das Einverständnis der Landschaft ist bei Steuererhebung und Gesetzgebung notwendig. Das Mitverwaltungsrecht beim Kirchengut wird den Prälaten wieder eingeräumt, die Oberaufsicht über dasselbe dem Geheimrat; der katholische Gottesdienst wird eingeschränkt; dem Kirchengut sind 550.000 Gulden zu ersetzen; dasselbe leistet der Landschaft an jährlichen Beiträgen 60.000 Gulden, die sich allmählich auf gegen 100.000 erhöhen. Das Militär wird ausschließlich aus der Kriegskasse unterhalten, in welche die Landschaft bis zur Schuldentilgung jährlich 460.000 Gulden, nachher 45.000 Gulden weniger beisteuert; den Ständen wird der Plan über die Verwendung dieser Gelder vorgelegt; die Zwangsauswahl wird abgestellt. Die herzogliche Kammer vermeidet neue Schulden: die Landschaft wird bezahlt ihr für das erste Jahr 40.000 Gulden und macht ihr ein Geschenk von 60.000. Die Wälder werden geschützt, ungesetzliche Fronden und Dienste abgeschafft. Zum Schluss wird die Huldigung für den Landesfürsten von der Annahme des Erbvergleichs abhängig gemacht. Für den Fall des Abschlusses des Vergleichs hatte die Landschaft schon vorher jährlich 90.000 Gulden in eine gemeinschaftlich zu verwaltende Schuldentilgungskasse versprochen, wozu die herzoglichen Beamtungen von ihren Erträgnissen 190.000 zuschießen kann.

(aus: E. Schneider, Regierung 1907, S.159)

(in der Rechtschreibung an die derzeit geltenden Regeln angepasst;)

 
   
   Arbeitsanregungen
  1. Ordnen Sie die verschiedenen Bestimmungen nach übergeordneten Gesichtspunkten.

  2. Wer ist Gewinner, wer Verlierer der Vereinbarung?

  3. Was bedeutet die Vereinbarung im Hinblick auf die Entwicklung zum modernen Staat?
     

     
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