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Württemberg zur Zeit Carl Eugens

Der Hofstaat Carl Eugens 1763

A. Pfister (1907)

 
 

Der gesamte Hofstaat des Herzogs zählte in den glänzendsten Zeiten gegen 1.800 Personen. Man verzeichnete im Jahr 1763 an Kammerherrn, Kammer- und Hofjunkern die stattliche Zahl von 1699; es gab neben dem Oberhofmarschall einen Hof-, einen Haus- und einen Reisemarschall; zahlreiche Sekretäre, Hof- und Kammerräte; 27 Edelknaben, 32 Hof- und Kammerfouriere, Portiers und Hofwächter; ein Trabantenkoprs von 35 Mann mit 9 Unter- und Oberoffizieren, an deren Spitze ein General stand; 5 General- und Flügeladjutanten; 8 Hoftrompeter, 3 Pauker; 35 Kammer-, Hof- und Leiblakaien, daneben zahlreiche Läufer, Heiduken, 6 Kammerhusaren, 3 Kammer- und Hofmohren; Hof-, Kammer- und Kirchenmusik samt Ballett, Oper und Komödie zählten 146 Personen; Marstall und Hofjägerei deren 222 in hohen und niederen Chargen. Dazu kamen noch die bei der Bibliothek und den zahlreichen wissenschaftlichen und künstlerischen Sammlungen Angestellten; ferner das Personal für Küche und Wäsche und das niedere Gesinde.
Der ganze Apparat verschlang natürlich eine Masse Geld, so schlecht auch die einzelnen bezahlt sein mochten. - "Kommt man an einem Galatag an Hof, so ist eine Perspektive von Generals, Geheimen Räten, Kammerherrn, General- und Flügeladjutanten, die für die größte Opera hinreichend wäre. Das soll bei Gästen und Fremden einen hohen Begriff von dem Reichtum des Herrn und bei dem Lande eine desto tiefere Verehrung vor der Majestät ihres Regenten erwecken. Allein welche Spectacle zeiget sich, wann man diesen Jupiter mit seinen Trabanten mit einem bewaffneten Auge betrachtet. Der größte Teil dieser Herren lebt in der Hoffnung besserer Zeiten, der halbe Hof ist dem Konkurs nahe, der unbezahlte Flitterstaat maskiert eine Brust voll Sorgen." (Friedrich Karl von Moser, 1763) -
Für die wenigen Monate, die der Tänzer Vestris von Paris aus in Stuttgart gastierte, erhielt er 12.000 fl. nebst reichlich bemessener Unterkunft und Hofequipage. Ein Prachtfest in Ludwigsburg, wie oben geschildert, verschlang zwischen 3 und 400.000 fl. Manches schöne Ballett oder Schäferspiel kam auf 100.000 fl., ein Feuerwerk auf 50.000 fl.; die Geschenke für die Damen, wie sie im "Palast der Pracht" ausgeteilt wurden, hatten zusammen einen Wert von 50.000 Talern.
Die Herbeischaffung des Geldes für die Bedürfnisse des Herzogs bildete denn auch den wichtigsten Gegenstand in der Verwaltung des Staates. Es war ein Kunststück, das sich täglich wiederholen musste. Denn oftmals stand man vor einem Fest und wusste nicht Rat, um nur das Dringendste bar bezahlen zu können.

(aus: A. Pfister, Hof und Hoffeste 1907, S.110f.)

(in der Rechtschreibung an die derzeit geltenden Regeln angepasst.]

(→Hofzeremoniell und Truppenparade)

 
   
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