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Ständische Sonderregelungen für den Adel (Mätressentum)

Aufstieg und Fall von Alice Perrers der Mätresse des englischen Königs Eduard III. (1312-1377)

Frühe Neuzeit (1350-1800)  « –  « Sexualleben « – Umgang mit Sexualdelikten –  Ehebruch

 
GESCHICHTE
Grundbegriffe der Geschichte Europäische Geschichte Frühe Neuzeit (ca. 1350-1800) Zeitalter der Renaissance (ca.1350-1450) Reformation und Glaubenskriege (1517-1648) Zeitalter der Entdeckungen (1415-1531) Absolutismus und Aufklärung (ca. 1650-1789) Beginn des bürgerlichen Zeitalters   Aspekte und RahmenthemenÜberblick Verschiedene Aspekte Rahmenthemen Einzelne sozial- und mentalitätsgeschichtliche Aspekte Überblick Bevölkerungsentwicklung Landleben Stadtleben • Familienleben FrauenlebenKinderlebenLeben der Alten Berufsleben Sexualleben in der frühen Neuzeit Didaktische und methodische Aspekte Überblick Christliche Sexualmoral, Sexualstrafrecht und Policey-Ordnungen in der frühen Neuzeit Überblick Von der mönchischen Askese zur allgemeinen christlichen Sexualmoral Innereheliche Sexualität als Notlösung gegen das Begehren Sakramentalisierung und Klerikalisierung der Ehe Die christliche Einmischung in sozio-sexuelle Praktiken Christliche Moral und staatliches Recht Umgang mit SexualdeliktenÜberblick VergewaltigungSexueller Missbrauch junger Mädchen   Ehebruch Überblick Griechische und römische Antike Ehebruch im christlichen Europa des Mittelalters Ehebruch in der "Peinlichen Gerichtsordnung" (Carolina) 1532 ▪ Ehebruch in den frühneuzeitlichen Policey-Ordnungen Öffentliche Schandstrafen in Städten und Gemeinden [ Ständische Sonderregelungen für den Adel (Mätressentum) Überblick Die Interessen der Fürsten am MätressenwesenFreiwilligkeit oder sexualisierte Gewalt? Die Motive der Mätressen   Alice Perrers, Mätresse des englischen Königs Eduard III. (1312-1377)Anna Constantia Gräfin von Cosel, Mätresse Augusts des Starken (1670-1733) Madame de Pompadour als offizielle Mätresse von Ludwig XV.Die Mätressen der Herzöge von Württemberg ]Vorehelicher Geschlechtsverkehr Konkubinat Bausteine Die Ehre von Frauen als Sittlichkeitsnorm und soziale Zwangsstruktur  Sexuelle Gewalt Altersungleiche Paarbeziehungen Die Entwicklung sozial konstruierter Scham in der frühen Neuzeit und im BarockLeben des Adels Soldatenleben Studentenleben KlosterlebenRäuberleben Mode und KleidungReisen Kranke und Gesunde Lesen Deutsche Geschichte
 

Der • Ehebruch, unter dem man den vorsätzlichen »Geschlechtsverkehr eines Ehepartners mit einer dritten Person versteht, zählte in der Geschichte der abendländischen Kultur seit der Antike stets zu Sittlichkeitsdelikten, die mit Strafen sanktioniert wurden.

Auch in der • sozialen Welt des Adels galten im Grunde die gleichen christlichen Normen  wie anderswo.  Dennoch wurden   die adeligen Männer durch andere Gesetze bevorzugt, die sie beim ▪ vorehelichen Verkehr von den Risiken weitgehend befreiten, denen sich die Frauen immer ausgesetzt sahen.

Lange wehrten sich die adeligen Männer gegen die ▪ Sakramentalisierung und Klerikalisierung der Ehe und ihren Anspruch, die traditionelle ▪ Laienehe abzulösen. Vor allem bekämpften sie  Verwandtschaftsverbote und das Konzept der Unauflöslichkeit der Ehe, das ihnen untersagte, unter bestimmten Umständen ihre Ehefrau zu verstoßen. Am Ende eines lang anhaltenden Prozesses mussten sie jedoch einlenken.

So erscheint es fast wie eine Kompensation für den Verlust dieser "Freiheiten", die ihnen die traditionelle Laienehe gewährt hatte, dass sich die adelige Männerwelt, was den • Ehebruch und den außerehelichen Geschlechtsverkehr anbelangte, eigene "Gesetze" gab. So war in Adelskreisen, was bei bürgerlichen Personen, wenn es herauskam, bestraft wurde, kein Problem.

Hochadeligen Männern war es so ohne weiteres möglich, innerhalb ihres adeligen Haushalts Geliebte als Mätressen zu »halten«." (Gestrich 2003, S.458)

Und um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, berief man sich in zeitgenössischen Rechtsgutachten darauf, dass diese Form adeligen ▪ Ehebruchs nicht unter die irdische, staatliche Gerichtsbarkeit falle, sondern nur vor Gott verantwortet werden müsse.

So konnten die hohen Adeligen zu ihren »Mätressen oft "ein engeres und vertraulicheres Verhältnis" (ebd.) aufbauen als zu ihren Ehefrauen.

Alice Perrers (1342-1400), die Mätresse des englischen Königs Eduard III. (1312-1377), war die erste Geliebte eines englischen Königs, die aus ihrer Stellung als Mätresse an seiner Seite einen außerordentlich großen Einfluss auf die Geschicke des Landes nehmen konnte. Während ihrer einflussreichen Zeit konnte sie großen Landbesitz anhäufen, musste aber dann erleben, dass nach dem Tod des Königs das so genannte Gute Parlament (Good Parliament), das Eröffnungsparlament der Regierungszeit von Richard II. (1367-1400), und die Nachfolgeregierung gegen sie vorging.

In den frühen 1370er Jahren machte sie sich Gedanken, wie es mit ihr nach dem möglichen Tod des dreißig Jahre älteren und kränklichen Königs weitergehen würde. Da sie sich bis dahin durch ihre kompromisslose Art, ihre Günstlingswirtschaft und ihren "Geschäftssinn" schon zahlreiche Feinde gemacht hatte, ging es ihre darum, die Weichen für ihre Zukunft zu stellen, wenn der König nicht mehr seine schützende Hand über seine Geliebte würde halten können. "Der König war alt und sie war sich sehr bewusst, dass sie ohne seinen Schutz wahrscheinlich zu den Wölfen geworfen werden würde. In diesem Sinne schloss sie eine geheime Ehe mit William Windsor und überredete den König, Windsor zu seinem Leutnant in Irland zu ernennen, trotz seiner Vorgeschichte früherer Misswirtschaftung desselben Landes." (vgl. Connolly 2015, Übersetzung Google)

Noch in den letzten Lebensjahren war ihr immer wieder vorgeworfen worden, den kranken König zu ihrer eigenen Bereicherung schamlos ausgenutzt zu haben, Gelder aus der königlichen Kasse entwendet zu haben. Zudem verbreitete sich das in der Nachbetrachtung wenig überzeugende Gerücht, dass sie sich  sogar den Schmuck der verstorbenen Königin Philippa angeeignet habe. (vgl. ebd.)

Sie beschuldigten sie, Gerichtsentscheidungen beeinflusst und bei der Ämtervergabe eigene Günstlinge durchgesetzt zu haben. Zudem klagte man sie des Ehebruchs an, weil sie während ihrer Zeit als Mätresse des Königs ihre Ehe mit William de Windsor (1322-1384), verheimlicht hatte.

In den Augen ihrer Gegner war dies aus zwei Gründen besonders gravierend. Zum einen wurde der König damit, ohne es zu wissen, in eine ehebruchähnliche Position gebracht. Zum anderen hatte »Alice Perrers (1342-1400) ihren rechtlichen Status als vermeintlich unverheiratete Frau ("sole femme"), dafür genutzt, um eigenständig Immobilien- und Finanzgeschäfte abzuwickeln, was in der patriarchalischen Gesellschaft der Zeit, in der die Ehefrau der Vormundschaft ihres Ehemanns unterworfen war,

1377 wurde sie vor Gericht gestellt, noch vor dem Tod des Königs, aus England verbannt und ihres Besitzes beraubt. Die königliche Finanzverwaltung konfiszierte systematisch Grundstücke, Wertsachen und Schmuck, die sie nicht nur als Geschenke des Königs erhalten hatte, sondern selbst, auf welche Weise auch immer, jedenfalls mit ihrem eigenen Geschäftssinn, erworben hat. (vgl. Bothwell 1998) Allerdings gab es trotzdem noch Gerüchte über geheime Schmuck- und Bargeldvorräte, die durch das Verwaltungsnetz gerutscht waren. (vgl. Tompkins 2019) Und man ging sogar soweit zu behaupten, Alice  habe dem König an seinem Ende noch die Ringe von den Fingern genommen, auch wenn sie nie wegen einer solchen Straftat angeklagt wurde. (vgl. Connolly 2015)

Nach dem Tod des Königs wurde ihr Verbannungsurteil erneut bestätigt, das aber 1379 auf Wunsch ihres Mannes aufgehoben wurde. Später konnte »Alice Perrers (1342-1400) zurückkehren und einen Teil ihres Eigentums zurückgewinnen, musste darum aber jahrelang prozessieren.

Als sie 1400 starb, war sie jedenfalls noch immer wohlhabend, selbst wenn sie wegen ihres Besitzes ihr restliches Leben mit Rechtsstreitigkeiten verbrachte.

Sexualleben in der frühen Neuzeit Christliche Sexualmoral, Sexualstrafrecht und Policey-Ordnungen in der frühen Neuzeit Umgang mit Sexualdelikten Ehebruch [ Ständische Sonderregelungen für den Adel (Mätressentum) Überblick Die Interessen der Fürsten am MätressenwesenFreiwilligkeit oder sexualisierte Gewalt? Die Motive der Mätressen   Alice Perrers, Mätresse des englischen Königs Eduard III. (1312-1377)Anna Constantia Gräfin von Cosel, Mätresse Augusts des Starken (1670-1733) Madame de Pompadour als offizielle Mätresse von Ludwig XV.Die Mätressen der Herzöge von Württemberg ]

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 18.08.2026

 

 
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