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Ständische Sonderregelungen für den Adel (Mätressentum)

Anna Constantia Gräfin von Cosel, Mätresse Augusts des Starken (1670-1733)

Frühe Neuzeit (1350-1800)  « –  « Sexualleben « – Umgang mit Sexualdelikten –  Ehebruch

 
GESCHICHTE
Grundbegriffe der Geschichte Europäische Geschichte Frühe Neuzeit (ca. 1350-1800) Zeitalter der Renaissance (ca.1350-1450) Reformation und Glaubenskriege (1517-1648) Zeitalter der Entdeckungen (1415-1531) Absolutismus und Aufklärung (ca. 1650-1789) Beginn des bürgerlichen Zeitalters   Aspekte und RahmenthemenÜberblick Verschiedene Aspekte Rahmenthemen Einzelne sozial- und mentalitätsgeschichtliche Aspekte Überblick Bevölkerungsentwicklung Landleben Stadtleben • Familienleben FrauenlebenKinderlebenLeben der Alten Berufsleben Sexualleben in der frühen Neuzeit Didaktische und methodische Aspekte Überblick Christliche Sexualmoral, Sexualstrafrecht und Policey-Ordnungen in der frühen Neuzeit Überblick Von der mönchischen Askese zur allgemeinen christlichen Sexualmoral Innereheliche Sexualität als Notlösung gegen das Begehren Sakramentalisierung und Klerikalisierung der Ehe Die christliche Einmischung in sozio-sexuelle Praktiken Christliche Moral und staatliches Recht Umgang mit SexualdeliktenÜberblick VergewaltigungSexueller Missbrauch junger Mädchen Ehebruch Überblick Griechische und römische Antike Ehebruch im christlichen Europa des Mittelalters Ehebruch in der "Peinlichen Gerichtsordnung" (Carolina) 1532 ▪ Ehebruch in den frühneuzeitlichen Policey-Ordnungen Öffentliche Schandstrafen in Städten und Gemeinden [ Ständische Sonderregelungen für den Adel (Mätressentum) Überblick Die Interessen der Fürsten am MätressenwesenFreiwilligkeit oder sexualisierte Gewalt? Die Motive der Mätressen Alice Perrers, Mätresse des englischen Königs Eduard III. (1312-1377) Anna Constantia Gräfin von Cosel, Mätresse Augusts des Starken (1670-1733) Madame de Pompadour als offizielle Mätresse von Ludwig XIV. Die Mätressen der Herzöge von Württemberg ]Vorehelicher Geschlechtsverkehr Konkubinat Bausteine Die Ehre von Frauen als Sittlichkeitsnorm und soziale Zwangsstruktur  Sexuelle Gewalt Altersungleiche Paarbeziehungen Die Entwicklung sozial konstruierter Scham in der frühen Neuzeit und im BarockLeben des Adels Soldatenleben Studentenleben KlosterlebenRäuberleben Mode und KleidungReisen Kranke und Gesunde Lesen Deutsche Geschichte
 

Der • Ehebruch, unter dem man den vorsätzlichen »Geschlechtsverkehr eines Ehepartners mit einer dritten Person versteht, zählte in der Geschichte der abendländischen Kultur seit der Antike stets zu Sittlichkeitsdelikten, die mit Strafen sanktioniert wurden. Auch wenn die christlichen Sexualnormen auch in der • sozialen Welt des Adels galten, nahmen sich die Adeligen das Recht, davon abzuweichen und legitimierten dies mit dem Verweis auf göttliches Recht.

Hochadeligen Männern war es so ohne weiteres möglich, "innerhalb ihres adeligen Haushalts Geliebte als Mätressen zu »halten«" (Gestrich 2003, S.458) und mit diesen in offenkundiger Bigamie zusammenzuleben. Oft konnten die hohen Adeligen zu ihren »Mätressen "ein engeres und vertraulicheres Verhältnis" (ebd.) aufbauen als zu ihren Ehefrauen.

Der sächsische Kurfürst »August der Starke (1670-1733) war einer der Fürsten in Deutschland, die sich in ihrem ausschweifenden Leben eine besonders große Zahl von Mätressen hatten.

1693 heiratete er die protestantische Prinzessin »Christiane Eberhardine von Brandenburg-Bayreuth (1671-1727), die anders als ihr Ehemann später nicht zum Katholizismus übertrat. Nach der Geburt ihres einzigen gemeinsamen Kindes, Friedrich August II., der seinem Vater als sächsischer Kurfürst und als August III. auf den polnischen Thron folgte, und wegen des machtpolitischen Interessen geschuldeten Konfessionswechsel ihres Ehemanns lebte sie fern vom sächsischen Hof auf »Schloss Pretzsch und nahm nur noch selten repräsentative Aufgaben wahr.

»August der Starke (1670-1733) war für zahlreiche, teilweise gleichzeitig bestehende Beziehungen bekannt. Um die Anzahl seiner ehelichen und unehelichen Nachkommen ranken sich dementsprechend auch viele wenig glaubhafte Geschichten. So gilt die These, er habe 354 Kinder gezeugt, heillos übertrieben. Nachweisbar und von August anerkannt sind lediglich acht außereheliche Kinder.

Zu seinen zahlreichen Mätressen gehörten Frauen unterschiedlicher gesellschaftlicher Herkunft, darunter »Aurora von Königsmarck (1662-1728), die zwischen 1694–1696 Mätresse war, »Ursula Katharina von Altenbockum (1680-1743), die von 1698 an sechs Jahre lang Mätresse war, oder »Maria Aurora Spiegel (geb. vor 1685; gest. nach 1725), genannt »Fatima, einer so genannten "Beutetürkin", die während des Großen Türkenkrieges (1683-1699) in den eroberten Gebieten des »Osmanischen Reiches aufgegriffen, verschleppt und nach Sachsen gelangt war.

Die einflussreichste seiner »zahlreichen weiteren Mätressen dürfte die Gräfin »Anna Constantia von Brockdorff (1680-1765), die spätere Gräfin von Cosel, gewesen sein, die von 1704 – 1713 seine Mätresse und Mutter von drei gemeinsamen Kindern war.


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Die Beziehung, die ungefähr ein Jahrzehnt hielt, endete für Anna Constantia, die einen Grafentitel und einen eigenen Palast erhielt, allerdings für sie tragisch.

Ihr Fall ist besonders aufschlussreich, weil sie zeigt, wie sich »August der Starke (1670-1733) einer lästig gewordenen ehemaligen Geliebten und »offiziellen Mätresse (maîtresse en titre) entledigte. Darüber hinaus wird an ihrem Beispiel auch deutlich, dass angesichts des Insider-Wissens, dokumentierter schriftlicher Vereinbarungen und politischer Verbindungen, die eine Mätresse mit dieser Stellung aufbauen konnte, mit einer Trennung aus der ehemaligen Vertrauten ein Risiko für die Herrschaft des Fürsten werden konnte.

Anna Constantia von Brockdorff (1680-1765) wuchs auf einem holsteinischen Gut auf und erhielt eine für Frauen ihrer Zeit außergewöhnlich umfassende Ausbildung. Sie beherrschte mehrere Sprachen, beschäftigte sich mit Mathematik und klassischer Bildung und galt als selbstbewusste Reiterin und Jägerin.

Vermutlich wegen einer unehelichen Schwangerschaft, der Vater war womöglich »Ludwig Rudolf von Braunschweig-Wolfenbüttel (1671-1735), wurde sie 1702 vom »Hof in Wolfenbüttel verbannt, wohin sie im Alter von 14 Jahren der zehn Jahre älteren Tochter des Herzogs als Hoffräulein gefolgt war.

Ihre 1703 geschlossene Ehe mit dem zwölf Jahre älteren »Adolph Magnus von Hoym (1668-1723),  dem sächsischen »General-Akzise-Inspektor, der für die Einziehung indirekter Steuern auf Grundnahrungs-, auf Lebens- und Genussmittel sowie auf Vieh und andere Verbrauchsgüter zuständig war, war bereits im gleichen Jahr so zerrüttet, dass Hoym eine schnelle Trennung von seiner "bösartigen und herrschsüchtigen" Ehefrau anstrebte. Doch erst  wurde Die Ehe wurde aber erst 1706 geschieden, wohl auch weil Anna Constantia ihrem Mann die Geburt eines unehelichen Kindes verheimlicht hatte.

Der sächsische Kurfürst »August der Starke (1670-1733) wurde 1705 auf die geistreiche Anna Constantia aufmerksam und holte sie an den Hof. Freiherr von Hoym warnte ihn noch vor ihr, denn er hielt sie für ungeeignet für die Stellung der »offiziellen Mätresse (maîtresse en titre).

Auf ihr Drängen sicherte er ihr aber dessen ungeachtet 1705 schriftlich eine »morganatische Ehe nach dem Tod seiner Gemahlin, die Anerkennung gemeinsamer Kinder sowie eine hohe Pension und das Gut Pillnitz zu. Unter einer morganatischen Ehe (auch "Ehe zur linken Hand") verstand man im europäischen Hochadel eine nicht standesgemäße Verbindung. Dabei heiratete ein Mitglied eines regierenden Fürstenhauses einen Partner, der nicht von adligem Geburtsrang war.

1706 wurde Anna Constantia zur Gräfin von Cosel erhoben und entwickelte sich zu einer einflussreichen Persönlichkeit am sächsischen Hof in Dresden.

Durch ihr selbstbewusstes politisches Eingreifen, ihre Kontakte zum Kaiserhof und ihre Gegnerschaft zur polnischen Politik des Kurfürsten machte sie sich jedoch zahlreiche Feinde. Als dieser sich aus politischen Gründen der katholischen Polin »Maria Magdalena Bielinska (1635-1730), die mit dem Grafen Boguslav Ernst von Dönhoff verheiratet war, kam es zum Bruch »Anna Constantias mit dem sächsischen Kurfürsten »August dem Starken (1670-1733). Als sich seine »offizielle Mätresse (maîtresse en titre) der Trennung widersetzte, wurde sie 1713 auf das »Schloss Pillnitz verbannt.

1715 floh sie nach Berlin, um das einst schriftlich fixierte Eheversprechen, den Vertrag der »morganatische Ehe mit dem Kurfürsten, zu beschaffen und damit ihre Stellung am Hof zu verteidigen. Sie setzte sich damit über das Reiseverbot hinweg, das für sie als Verbannte galt und lieferte dem Kurfürsten damit die optimale Rechtfertigung, sich ihrer gänzlich zu entledigen. Wäre nämlich ein solches Dokument publik geworden, zumal in Preußen, hätte dies eine europaweite Blamage des sächsischen Kurfürsten und Königs von Polen zur Folge gehabt. August war somit zum Handeln gezwungen und bot dem preußischen König im Austausch gegen die Auslieferung der Gräfin nach Sachsen geflohene preußische Deserteure an.

Auf Betreiben des Herrschers wurde sie nach Sachsen ausgeliefert und Ende 1716 auf »Burg Stolpen gebracht. Dort verbrachte sie die restlichen 48 Jahre ihres Lebens. Sie behielt allerdings ihr großes Vermögen, bezog weiterhin Einkünfte und führte zeitweise einen eigenen Hof, auch wenn ihr Aufenthalt dort lange dennoch eine erzwungene Haft darstellte.

Warum sie Stolpen auch nach einer späteren Lockerung ihrer Haftbedingungen nicht verließ, ist ungeklärt. Im Alter beschäftigte sie sich intensiv mit Religion und lebte zuletzt nach jüdischen Regeln. Sie starb 1765 im Alter von 84 Jahren auf Burg Stolpen.

(Quelle u.a. Wikipedia)

Sexualleben in der frühen Neuzeit Christliche Sexualmoral, Sexualstrafrecht und Policey-Ordnungen in der frühen Neuzeit Umgang mit Sexualdelikten Ehebruch [ Ständische Sonderregelungen für den Adel (Mätressentum) Überblick Die Interessen der Fürsten am MätressenwesenFreiwilligkeit oder sexualisierte Gewalt? Die Motive der Mätressen Alice Perrers, Mätresse des englischen Königs Eduard III. (1312-1377) Anna Constantia Gräfin von Cosel, Mätresse Augusts des Starken (1670-1733) Madame de Pompadour als offizielle Mätresse von Ludwig XIV. Die Mätressen der Herzöge von Württemberg ]

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 18.08.2026

  
   Arbeitsanregungen
  1. Beschreiben Sie, wie der Hochadel außereheliche Beziehungen trotz der geltenden christlichen Sexualnormen rechtfertigte.
  2. Fassen Sie zusammen, welche Auswirkungen die Lebensführung Augusts des Starken auf seine Ehe mit Christiane Eberhardine hatte.
  3. Stellen Sie dar, wie Anna Constantia von Brockdorff zur offiziellen Mätresse und Gräfin von Cosel aufstieg.
  4. Erläutern Sie, welche Zusicherungen August der Starke Anna Constantia in seinem schriftlichen Eheversprechen machte.
  5. Analysieren Sie, weshalb Anna Constantias politischer Einfluss zu Konflikten mit dem Kurfürsten und dessen Umfeld führte.
  6. Beurteilen Sie, inwiefern Anna Constantias Flucht nach Berlin zu ihrer späteren Inhaftierung beitrug.
  7. Bewerten Sie, ob das Schicksal der Gräfin Cosel vor allem auf ihr eigenes Handeln oder auf ihre rechtlich ungesicherte Abhängigkeit von August dem Starken zurückzuführen war.
  8. Vergleichen Sie die Lebenswege und Einflussmöglichkeiten von Anna Constantia von Brockdorff, der späteren Gräfin von Cosel, mit denen Alice Perrers, Madame de Pompadours und Wilhelmine von Grävenitz’ im Herzogtum Württemberg.
  9. Beurteilen Sie anhand des Textes die Aussage: "Mätressen waren nicht nur Geliebte der Herrscher, sondern auch bedeutende politische Akteurinnen."
 

 
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