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Belastungsfaktoren der Weimarer Republik

Überblick

 
 
Die Belastungen, die der Verwirklichung einer stabilen demokratischen Ordnung zwischen 1919 und 1933 entgegenstanden, lassen sich 8 Bereichen zuordnen, die in einer Wechselbeziehung miteinander stehen. Sie können nicht allein, also in einem monokausalen Sinn zur Beantwortung der Frage, warum die Weimarer Republik gescheitert ist, herangezogen werden, sondern müssen stets im Zusammenhang betrachtet werden.

Die Weimarer Republik ist nach Hagen Schulze in den jeweiligen Belastungsbereichen einer Reihe von Belastungsfaktoren ausgesetzt, die zu ihrem Scheitern beigetragen haben:

(vgl. Hagen Schulze, Das Scheitern der Weimarer Republik als Problem der Forschung. Belastungsfaktoren der Weimarer Republik im Spiegel von Publizistik, Literatur und Geschichtswissenschaft)

1. AUSSENPOLITISCHE RAHMENBEDINGUNGEN

1.1 Kriegsniederlage

1.2 Versailler Vertrag
      ● Reparationen
      ● Kriegsschuldfrage (Art.231 d. Versailler Vertrages)
      ● Gebietsabtretungen
      ● »Wehrlosmachung«

1.3 Auswärtige Beziehungen

     ● Weigerung der Siegermächte, der Weimarer Republik außenpolitischen Kredit zu gewähren

     ● Revanche- und Sicherheitspolitik Frankreichs

2. FORMALE VERFASSUNGSORDNUNG (→Weimarer Verfassung)

2.1 Mangelnder normativer Charakter der Weimarer Reichsverfassung (WRV)

     ● Möglichkeit, Grundrechte außer Kraft zu setzen (→Art. 48 WRV)
     ● Behandlung des Nationalsozialismus als legale, prinzipiell gleichberechtigte innenpolitische Kraft

2.2 Verhältniswahlrecht

2.3 Plebiszitäre Komponente der WRV

2.4 Präsidiale Komponente der WRV

     ● in Verbindung mit der plebiszitären Komponente
     ● Verhältnis Reichspräsident - Reichsregierung (Ernennung des Reichskanzlers)
     ● Verhältnis Reichspräsident - Reichstag (Auflösungsrecht)
     ● Artikel 48 (Notverordnungsrecht)

3. PARTEIENSYSTEM UND PARLAMENTARISMUS

3.1 Unfähigkeit der demokratischen Parteien zum demokratischen Kompromiss

3.2 KPD: Linksradikalismus

3.3 Zentrum: Tendenz zum autoritären Staat

3.4 DDP: Schwäche als Honoratiorenpartei und als Vertreterin eines politischen Liberalismus

3.5 DVP: Schwanken zwischen Vernunft-Republikanertum und monarchischer Restauration

3.6 DNVP: Versagen des politischen Konservatismus in seiner Entwicklung zum Rechtsradikalismus

3.7 NSDAP: Rechtsradikalismus

4. INSTRUMENTE STAATLICHER MACHTAUSÜBUNG: MILITÄR, BÜROKRATIE, JUSTIZ

4.1 Verzicht auf eine Demokratisierung des Staatsapparates, u. a.
     ● keine demokratische Volkswehr
     ● mangelnde Verfassungstreue der Bürokratie
4.2 Militarisierung der Gesellschaft, Parteiarmeen und paramilitärische Verbände

5. GESELLSCHAFT

5.1 Autoritäre Strukturen in allen gesellschaftlichen Bereichen

5.2 Radikalisierung des Mittelstandes
     ● Verarmung durch Inflation
     ● Angst vor Deklassierung / Proletarisierung

5.3 Mangelnde Integration der Arbeiterschaft
     ● kein wirklicher Interessenausgleich zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern
     ● Ausbleiben der Sozialisierung der Großbanken und der Schlüsselindustrien

6. WIRTSCHAFT

6.1 Inflation

6.2 Weltwirtschaftskrise
     ● Deflationspolitik
     ● Ausbleiben einer aktiven Arbeitsbeschaffungspolitik (antizyklische Konjunkturpolitik)

6.3 Einflussnahme von wirtschaftlichen Interessengruppen auf Parteien und Regierungen
     ● Gewerkschaften und ihr Einfluss auf die SPD
     ● Einfluss der industriellen und großagrarischen Lobby auf Reichsregierung und Reichspräsident
     ● Unterstützung der NSDAP durch industrielle Kreise

7. POLITISCHES DENKEN (in Verbindung mit 5.1)

7.1 Autoritäres und totalitäres Denken (Wurzeln in der dt, Geistesgeschichte und/oder in der preuß. Tradition)

7.2 Antiparlamentarisches Denken

7.3 Völkischer Nationalismus
     ● Führerideologie
     ● Antisemitismus

7.4 Anti-Versailles-Revisionismus

7.5 Marxismus Leninismus

8. INSTITUTIONALISIERTE KULTUR

8.1 Versäumnis einer demokratischen Schul und Hochschulreform
     ● keine Demokratisierung der Lehrerschaft
     ● konservative, nationalistische und antirepublikanische Lehrinhalte

8.2 Kulturleben
     ● überwiegende Kritik an der Sozial und Verfassungswirklichkeit der Weimarer Republik in Literatur und Theater
     ● nationalistische Propaganda der UfA-Filmproduktion
     ● »Golden Twenties«, moralische und kulturelle Dekadenz

(vgl. Hagen Schulze, Das Scheitern der Weimarer Republik als Problem der Forschung. Belastungsfaktoren der Weimarer Republik im Spiegel von Publizistik, Literatur und Geschichtswissenschaft)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 26.07.2016
 

               
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