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Frauen spielten innerhalb der Lagergesellschaft
frühneuzeitlicher Heere eine zentrale Rolle. Zumeist Angehörige der
Unterschichten, wie Mägde, Ammen oder Aufwärterinnen, war ihnen ihre
bisherige Existenz in Armut und Abhängigkeit so beschwerlich geworden,
dass das Leben als Frau oder Gefährtin eines Soldaten als ein Ausweg
erschien. Auf ihren Schultern beförderten sie die gesamte bescheidene Habe
eines mehrköpfigen Soldatenhaushaltes. Sie gebaren Kinder, von denen nur
die wenigsten die Strapazen der Heerzüge überlebten. Die zahlreichen
Trossbuden, die zur Versorgung der Pferde und für die Beaufsichtigung der
Viehherden verwendet wurden, stammten häufig aus Soldatenfamilien.
Vielfach gerieten die 13 bis 15 Jahre alten Jugendlichen als Trommlerbuben
und Pferdejungen ins unmittelbare Kriegsgeschehen.
Frauen übernahmen weitgehend die Sanitätsversorgung, während
Wundärzte in der Regel nur zur Behandlung der Offiziere eines Regiments,
häufiger erst eines Armeestabes, zur Verfügung standen. Die Feldschere,
die sich zumeist aus der Gruppe der Bader rekrutierten, fungierten als
Knochensäger bei größeren chirurgischen Eingriffen.
Frauen waren es aber auch, die Soldaten beim »beuten«
unterstützten. Da der Sold oft ausblieb, bildete die Beute ein
unverzichtbares Element zur Existenzsicherung der Soldatenfamilien. In
erster Linie war es der Kampf ums Überleben und weniger eine latente
kriminelle Neigung, die den Soldaten zum Stehlen veranlasste. Hinzu kam
die gesellschaftlich sanktionierte Vorstellung, dass eine herausgehobene
Position in der Armee und ihrer Verwaltung sich für ihren Träger rentieren
müsse. Diese Haltung ließ bei den Führungskadern aller Armeen des
Dreißigjährigen Krieges eine Ausbeutungsmentalität zu Lasten des
Landesherrn und der Truppe entstehen, die in vielen Fällen die Soldaten
geradezu zum Plündern zwang. Insofern erscheint es auch nicht
verwunderlich, dass buchstäblich alles, selbst das, was niet- und
nagelfest war, von den Soldaten entwendet wurde. So stahlen sie die
Weißwäsche, die vor den Städten auf der Bleiche lag, um sie gegen ihre
zerlumpte Kleidung einzutauschen. Sie bemächtigten sich der Erntevorräte
und des Viehs. beluden sich mit Hausrat und Mobiliar. Selbst Türen,
Fensterrahmen und Dachsparren wurden aus den Bauernkaten und den Hütten
der Vorstädte gebrochen, um vor allem in den kühlen und feuchten
Frühlings- und Herbstnächten den Soldaten als Brennmaterial zu dienen. In
einer zeitgenössischen Abhandlung wird das mühselige Leben der Frauen im
Tross anschaulich beschrieben. Beladen mit "Watsäcken, Mänteln, Tüchern,
Töpffen, Kesseln, Pfannen, Keerbesen, Anzug, grossen ungeheuren Taschen,
Hanen und Hunden & c. Auch allerley Plunder, einem Hispanischen Maulesel
nicht ungeleich", zogen sie ihrer Wege. Kein Wunder, dass der Tross der
Armeen nur langsam folgen konnte. Die Entbehrungen, die in erster Linie
Frauen und Kinder zu tragen hatten, dazu Entbindungen, ließen viele von
ihnen vorzeitig an Entkräftung sterben. Kaum ein Soldat, der seine
Gefährtin nicht im Laufe des Krieges verlor. Während die Männer in der
Regel problemlos eine weitere Verbindung eingehen konnten, bedeutete der
Verlust des Beschützers, sei es durch Tod oder Gefangennahme, für die Frau
eine existenzielle Bedrohung. Waren sie bereits älter, hatten sie für
mehrere Kinder zu sorgen oder keinen materiellen Vorteil aus ihrer
vorangegangenen Beziehung ziehen können, was in der Regel nur bei
verheirateten Paaren möglich war, bestand die Gefahr, dass sie in die
sozial stigmatisierte Gruppe der ungeschützten Frauen absanken.
Gelegenheitsarbeit,. Betteln oder Lagerprostitution wurde dann ihr
Schicksal.
(aus: Bernhard Koerner, "Die Soldaten sind ganz arm, bloss, nackend,
ausgemattet" - Lebensverhältnisse und Organisationsstruktur der
militärischen Gesellschaft während des Dreißigjährigen Krieges, in:
Bußmann/Schilling (Hg.) o.J. (1998), S.289f.)
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