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Der Dreißigjährige Krieg 1618-48

Die Lage nach dem Krieg


 

Die Lage in Stadt und Land

"Wie jämmerlich stehen nun große Städte. Da zuvor tausend Gassen gewesen sind, sind nun nicht mehr hundert. Wie elend stehen die kleinen Städte, die offenen Flecken: da liegen sie verbrannt, zerfallen, zerstört, dass weder Dach, Gesparr, Thüren oder Fenster zu sehen ist. Wie sind die mit den Kirchen umgegangen: sie haben sie verbrannt, die Glocken weggeführt, zu Cloaken, zu Pferdeställen, Marquetenderhäusern und Hurenwinkeln gemacht und auf die Altäre ihren Mist gelegt. – Ach Gott, wie jämmerlich steht’s auf den Dörfern. Man wandert bei zehn Meilen und siehet nicht einen Menschen, nicht ein Vieh, nicht einen Sperling, wo nicht an etlichen Orten ein alter Mann oder zwei alte Frauen zu finden sind. In allen Dörfern sind die Häuser voller todten Leichname und Aeser gelegen, Mann, Weib, Kinder und Gesind, Pferde, Schweine, Kühe und Ochsen, neben und unter einander von der Pest und Hunger erwürgt, voller Maden und Würmer, und von Wölfen, Hunden, Krähen, Raben und Vögeln gefressen worden, weil Niemand gewesen, der sie begraben, beklaget und beweinet hat. – Erinnert euch, ihr Städte, wie Viele in ihrer großen Mattigkeit starben, welchen ihr nicht ein Bette von vielen übrigen zugeworfen, welch euch aber hernach von eurem Angesichte sind weggenommen worden. Ihr wisset, wie die Lebendigen sich unter einander in Winkeln und Keller gerissen, geschlachtet und gegessen: dass Viele vor den Thüren nur um einen Hund und eine Katze gebettelt: dass die Armen in den Schindergruben Stücke von Aas geschnitten, die Knochen zerschlagen, und mit dem Marke das Fleisch gekochet, das ist voll Würmern gewesen.“

(Batkin, Excidium Germaniae, zit. n. Lahnstein 1974, S. 22f.)

Eintrag aus einer Familienbibel im Jahr 1647

Sie sagen, der schreckliche Krieg sei jetzt vorbei. Ist aber noch nirgends ein Fried zu spüren. Überall sind Neid, Haß und schlimmere Ding – der Krieg hat uns so gelehrt. Die Alten sind mit der Gottlosigkeit alt worden – wie sollten sie’s noch lassen können vor ihrem Ende? Vom Fleck stehen noch ein paar Häuslein. Wir Leut leben wir die Tier, essen Rinden und Gras. Kein Mensch kann sich denken, dass so etwas vor uns geschehen ist. Viele Leut sagen, es sei jetzt gewiß, dass kein Gott ist. Die letzten Tag ziehen fremde Leut zu, sagen aus dem Gebirg. Sprechen eine seltsame Sprach. Scheinen mir aber allweg tüchtige Schaffer. Wollen hier bleiben, da sie daheim vertrieben wegen Ketzerei. Der Benckheler, der Heinzmann, ich und einer von den Fremden taten uns heint zusammen, ob wir nicht ein paar zerfallene Häuslein könnten wieder wohnbar machen. Die andern sagen alle, es sei ja kein Fried, die Kriegsvölker kämen sicher wieder, es sei alles ohne Nutzen. Wir aber glauben, dass Gott und nicht verlassen hat. Wir müssen jetzt alle beisammen stehen und Hand anlegen, inwendig und auswendig …“

(zit. n. Lahnstein 1974, S.26)
 

 
 
   Arbeitsanregungen:
  1. Welche Belastungen müssen die Menschen während des Dreißigjährigen Krieges ertragen?

  2. Andreas Gryphius (1616-1664), ein zeitgenössischer Dichter des Barock, hat in seinen lyrischen Werken Erfahrungen dieser Zeit verarbeitet. Vergleichen Sie sein Gedicht "Tränen des Vaterlands" mit dieser Quelle und zeigen Sie, welche Absichten der Autor mit seinem Gedicht verfolgt.

  

 
                 
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