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Der Dreißigjährige Krieg 1618-48

Ein Kriegsbericht, 1638


 

Bald fielen die Schweden über den Rhein herüber und jagten die Kaiserlichen aus ihren Quartieren, bald jagten diese wieder jene hinaus. Dadurch wurde das ganze Land zwischen Rhein und Main verelendet und kein Mensch durfte sich auf dem Lande blicken lassen, denn dann wurde ihm nachgejagt wie einem Wild. Fing man ihn, so wurde er unbarmherzig misshandelt, und damit er Geld, Vieh und Pferde verriete, [...] geknebelt, nackt an den heißen Ofen gebunden, aufgehängt [...] oder mir Wasser und Jauche getränkt, die man den Leuten zuberweise in den Hals schüttete, worauf man ihnen mit Füßen auf die dicken Bäuche sprang [...]
Weil keine Lebensmittel mehr auf dem Lande waren, wurden alle Dörfer [...] von allen Einwohnern verlassen. Reinheim und Zwingenberg standen zwei Jahre ganz leer und offen [...] Viele [...] versteckten sich zwar in Wäldern, Höhlen [...] usw., aber sie wurden auch hier aufgespürt, denn die Soldaten hatten menschenspürige Hunde bei sich [...] Anno 1635, nachdem das ganze Land ausgeplündert und kein Vieh noch Pferd mehr vorhanden war, wurde auch die Sommerfrucht [...] ausgesät [...]
Zwischen und neben den Kriegsruten schickte uns Gott die Pestilenz. Sie kam zu Anfang des [Jahres 1635] [...] auf, an der viele starben [...] Im Frühjahr [...][fielen] die Leute schnell und haufenweise dahin [...], so dass man sie gar nicht alle begraben konnte [...] Oft lagen Kranke bei den Toten in einem Bette [...] Die Pest währte bis in den Herbst [...], sie riss aber dennoch viele Tausend Menschen im Lande weg, so dass kaum der zwanzigste Teil, in einigen Dörfern aber gar niemand übrig blieb [...]
[In Bieberau] [...] waren es zusammen [...] über 300 Seelen. Nach der Pest blieben nur noch 25 übrig.
[Im Herbst wollte man sich an die Ernte des Wintergetreides und der Früchte machen, da fiel] eben zur Erntezeit der kaiserliche General Gallas plötzlich ins Land zwischen Main und Rhein [...]
Auf diese Teuerung folgte eine große Hungersnot, die von Anno 1635-1638 dauerte ... [Es] wurden viele dermaßen schwach, dass sie nichts als Haut und Knochen waren [...]
Sie waren ganz schwarz-gelb, mit weiten Augen, fleckigen Zähnen [...] dick geschwollen, fiebrig [...] Fast alle Ehen wurden daher auch unfruchtbar [...] Ein Ehegatte zog von dem andern in ein anderes Land, Brot zu suchen. Kinder liefen von den Eltern weg und ein Teil sah [...] einander niemals wieder.
(Joh. Daniel Minck, zit. n.: E. Orthbandt 1960, S.611f. bzw. Schmid, Fragen an die Geschichte, Bd. 2, S.216)
   

 
 
   Arbeitsanregungen:
  1. Welche Belastungen müssen die Menschen während des Dreißigjährigen Krieges ertragen?

  2. Vergleichen Sie die geschilderten Ereignisse und Zustände mit den Auswirkungen moderner Kriege.
     

 
                 
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