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Das Hambacher Fest 1832

Höchst tadelnswerte Aufreizungen Unzufriedener

Aus Zeitungsberichten (1832)

 
 
 

1. Mannheimer Zeitung vom 4. und 7 Juni 1832

Vom 30. Wir hatten  gestern Abend hier schon die Folgen der Verdienstlosigkeit  gepaart mit hohen Brotpreisen und missverstandenen, höchst tadelswerten Aufreizungen zu beklagen!
Gegen Abend verbreitete sich das Gerücht, eine Partei Unzufriedener wolle einen Freiheitsbaum aufpflanzen, und dabei einige Fruchtmagazine erbrechen. 50 – 60 bessere Bürger vereinigten sich deshalb, um sowohl das Eine als das Andere zu verhindern.

Gegen 10 Uhr rotteten sich wirklich mehrere meist betrunkene Schreier zusammen, zogen heulend und lärmend durch die Strassen, und machten endlich vor dem Hause eines Magazinbesitzers Halt. Hier wuchs die Rotte durch Neugierige und Gaffende zu einer bedeutenden Volksmenge an und, nachdem sie keine besondere Gegenkraft bemerkten, zogen sie wirklich nach einem Fruchtmagazin, wohin sodann auf die Nachricht, dass wirklich dasselbe erbrochen sei, die versammelten Bürger in Masse hineilten, dem weiteren Unfuge zu steuern. Auf einige Anreden an das Volk [...] verlor sich nach und nach die Menge, und gegen 12 Uhr war es überall wieder ruhig. [...]

Zweibrücken, 29. Mai. Gestern gingen abends einige Chevauxlegers* der hiesigen Garnison in der an den Exerzierplatz grenzenden Allee spazieren; verfolgt von einem Haufen Jungen, die ihnen Spottlieder nachsangen und Schimpfreden gegen sie ausstießen, verließ endlich die Soldaten die Geduld; sie wendeten sich um und versetzten einigen dieser mutwilligen Knaben Ohrfeigen; ein Handelskommis, der sich unberufen in die Sache mischte, erhielt ebenfalls Schläge. Dieser Vorfall gab Veranlassung zu einem Volksauflaufe. Ungefähr 1500 Menschen versammelten sich gegen 9 Uhr vor der Kaserne und drohten sie zu stürmen. Es blieb jedoch beim Drohen [...]

Die Oggersheimer setzten in der Nacht vom 29.sten zum 30. Mai einen Freiheitsbaum auf den Marktplatz, mit der Drohung, ihn unbeschädigt zu lassen [...] Außer einer Abendversammlung von jungen Leuten mit grünen Zweigen auf dem Marktplatze, welche Freiheitslieder ablärmten und der Freiheit Lebehoch brachten, geschah nichts weiteres. Wir glauben, diese Menschen gaben ihren ganzen Enthusiasmus für eine gute Mahlzeit. Aber der Hunger lässt sie täglich frecher werden.

2. Karlsruher Zeitung vom 8. Juni 1832

Mehrere Gemeinden zahlen keine Steuern mehr, und mehrere Steuerboten wurden zu Krüppeln geschlagen. Ein Feldschütz, der arme Leute auf einem ihnen nicht gehörigen Acker Klee abmähen sah, wies sie zurecht mit den Worten: »Wisst ihr nicht, dass der Acker dem und dem gehört?« sie aber antworteten: »Wer sagt das, dass er dem gehört? Der wird ihn doch nicht für sich allein haben wollen? Freiheit und Gleichheit, und wer's nicht glaubt, geh' aufs Hambacher Schloss!« - Wo solche Saaten aufgehen, dürften wohl die Sämänner einen Moment stille stehen und die Zukunft fragen, ehe sie weiter säen. Noch stehen überall die Freiheitsbäume, und wenn nur die auf dem Feste gehaltenen Reden gedruckt unters Volk kommen, wo immer Missionäre sie nach der herrschenden Stimmung interpretieren, so kann man sich leicht denken, dass dies die Aufregung nicht dämpft.
Beleidigungen von Beamten sind an der Tagesordnung.
 

Chevauxlegers:  leichte Reiterei
 

 
    
   Arbeitsanregungen:
  1. Fassen Sie zusammen: Von welchen Ereignissen berichten die Zeitungen?

  2. Worauf führen die Verfasser die Geschehnisse zurück? Wie beurteilen sie die Akteure?

  3. Arbeiten Sie heraus, welche Position die Zeitungen zu den dargestellten Ereignissen einnehmen.
     

 
     
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