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Das Hambacher Fest 1832

Früchte des 27. Mai

H. Hochdörfer (1832)

 
 
 

Der 27. Mai - er ist dem armen unterdrückten Volke der Bürge geworden, dass der Gedanke der Befreiung aus schmachvollem Drucke und bitterem Elende kein bloßes Luftgebilde mehr sei, an dessen Verwirklichung das zagende Herz nicht glauben dürfte: - in Städten und Dörfern vielmehr pflanzt es nun rasch und einstimmig das Signal seiner nunmehr entschiedenen Ansprüche auf Recht und Freiheit auf, mit dem festen Entschlusse zugleich, sein Recht und seine Freiheit gegen jede Macht zu verteidigen [...] Mögen die volksverachtenden, Recht und Freiheit des Menschen und des Bürgers zertretenden Willkürherrscher samt ihren Handlangern die Augen öffnen und einsehen, auf welchem Punkte sie stehen [...] Noch zwei solcher Eintrachtsfeste, und der Tempel der Völkerfreiheit ersteht, ersteht auf solchen Säulen, auf solchem Fundamente, dass alle Macht der Mächtigen nicht mehr im Stande sein wird, auch nur ein Steinchen an demselben aus seinen Fugen zu rücken, geschweige denn ihn in seiner Grundfeste zu erschüttern. Seht aber auch hier, ihr Freunde der Freiheit, was unsere bisher zersplitterte Kraft zum großen und heiligen Werke der Erlösung unseres deutschen Volkes aus der Knechtschaft und der Erhebung unseres deutschen Vaterlandes zu Ansehen und Würde zu einigen vermag. Nichts Äußeres ist es. Nein, es ist die tiefe, lebendige und gemeinsame Begeisterung für Recht und Würde des Menschen und des Bürgers. [...]
Glaubt nicht, dieser Weg zur Wiedergeburt unseres Vaterlandes sei zu lange. Seht vielmehr auf die Riesenschritte, die unser Volk auf diesem Wege zum Ziele seiner Emanzipation* bereits schon getan hat, und Ihr werdet Euren Irrtum erkennen [...]
Das mutige Auftreten unseres Volks gegen den Despotismus hängt ab von dem lebendigen Erkenntnisse und Gefühle seiner Rechte; seine entschlossene Tatkraft zur Abwehr eines Angriffes - von dem Erkenntnisse und dem Gefühle seiner Starke. - Besitzt es aber einmal das erstere, so wird ihm das letztere gar leicht beizubringen sein; ja, es wird nur äußerst wenig Mühe kosten, es bald von seiner völligen Unbesiegbarkeit zu überzeugen. [...] Man beginne da, wo die Willkür, die unumschränkte Herrschergewalt die Menschheit zertritt, wenigstens einmal den literarischen Kampf, den Kampf der Petitionen und Reklamationen [...] man bekämpfe die Zensur, die Geistesmörderei, mit entschiedener Festigkeit; man wage es, die Anmaßung der Lohnknechte der Gewalt zu Paaren zu treiben, die gleisnerischen Prediger der Ruhe, der Mäßigung, der Besonnenheit und dergleichen zum Schweigen zu bringen, und die Bahn wird gebrochen sein, das Volk wird erwachen [...]

(aus: Der Bürger-Freund. Ein Volksblatt für deutsche Nationalität und Völker-Freiheit (Kaiserslautern, Redakteur H. Hochdörfer), Nr. 9 vom 2. Juni 1832,  in: Kermann (Hg.) 1990, S.49)

*wohl zu verstehen als Befreiung aus der Sklaverei
 

 
     
    
   Arbeitsanregungen:
  1. Wie beurteilt Hochdörfer eine Woche nach dem Hambacher Fest die Wirkung, die von dieser Veranstaltung ausgehen werde?

  2. Welche politischen Aktionsformen zieht er zur Durchsetzung der politischen Ziele der Bewegung in Betracht?
     

 
     
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