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Quellen 1815-1848/49

Prozess gegen Hochdörfer

(1833)

 
 
 

Der Präsident: »Belieben Sie uns, Herr Dekan, vorerst zu sagen, was sich in Bezug auf den Presseverein ereignet hat?«
Zeuge: »Die Sammlungen für den Presseverein gaben Veranlassung zu Unannehmlichkeiten zwischen Hrn. Hochdörfer und mir, und zu einem beleidigenden Aufsatze, den derselbe gegen mich in den »Bürgerfreund« einrücken ließ, wo er mich als einen verdächtigen, servilen Mann schilderte, und in Drohungen gegen mich ausbrach [...] Ich wurde durch den Hrn. Friedensrichter darüber vernommen. Ich gab zu Protokoll, wie sich die Sache verhielt: nämlich ein gewisser Schullehrer Lesoin kam in meine Wohnung [...] Auf meine Frage, was es Neues gäbe, erzählte er mir, dass sich am vergangenen Sonntag etwas Sonderbares in der Kirche zugetragen habe; Hr. Pfarrer Hochdörfer habe nämlich von der Kanzel verkündigt, die Frauen und Mädchen möchten die Kirche verlassen, die Männer und Jünglinge aber noch eine kurze Zeit verweilen. Pfarrer Hochdörfer sei nun vor den Altar getreten, habe über den Presseverein, und über die Notwendigkeit seiner Ausbreitung gesprochen, und habe die Anwesenden aufgefordert, nach Maßgabe ihrer Verhältnisse kleine Beiträge zu leisten, auch den Schullehrer habe er hiezu aufgefordert. Die Leute antworteten mit Achselzucken; einige unterzeichneten, und die Sache wurde wieder verschoben. Ich sprach hierauf zum Schullehrer, ob er sich den Zweck dieses Vereins angeben lassen? allein er wusste mir nichts Näheres darüber anzugeben. Einige Tage darauf aber kam sein Sohn zu mir, und äußerte: sein Vater habe [...] den Entschluss gefasst, sich wieder ausstreichen zu lassen, und habe auch ihm den gleichen Auftrag erteilt. Unterwegs zur Wohnung des Pfarrers sei ihm ein andrer Schullehrer, namens Trumbler, begegnet, welcher in der gleichen Absicht, sich ausstreichen zu lassen, zu Pfarrer Hochdörfer gegangen sei. Kaum aber hätte Ersterer seine Willensmeinung vorgetragen, so hätte ihn der Herr Pfarrer beim Rocke genommen, zur Türe hinausgezogen, und ihm die Kappe vom Kopf geschlagen. Der junge Mensch habe die Flucht nehmen müssen, aber Herr Pfarrer Hochdörfer [habe] ihn sogar mit Steinwürfen vor dem Hause verfolgt [...] Ich würde nie in eine Verbindung treten, die von der Staatsregierung nicht genehmiget ist.«
Pfarrer Hochdörfer: »Darauf habe ich nichts zu erwidern. Ich gehe nun weiter auf mein Wirken in Bezug auf den Presseverein innerhalb der Kirche. Ich habe es mir zur Pflicht gemacht, zur Begründung und Verbreitung dieses Vereins mein Möglichstes beizutragen; ich habe nicht nur gesucht, außerhalb der Kirche die Leute zu bestimmen, diesem Vereine beizutreten, sondern ich habe mich auch veranlasst gefunden, nach dem Standpunkte der christlichen Lehre die wohltätigen Folgen dieses Vereines auseinander zu setzen, und demnach meine Gemeindeglieder feierlich zum Beitritte aufzufordern [...] Ich trat nach vollendetem Gottesdienste an den Altar, und lud die Leute, welche Lust hätten, zu freiwilligen Beiträgen ein, mit dem ausdrücklichen Beisatze, dass jeder nach seinem Vermögen beisteuern könne, auch ein Kreuzer werde mit Anerkennung angenommen, und es solle kein Pfennig bezahlt werden, bevor nicht die Schriften abgeliefert seien. So stand ich am Altare, die Liste in der Hand. Mehrere kamen, und versprachen einen monatlichen Beitrag von drei Batzen. Ich sagte: "Freunde! gebt nicht so viel, es handelt sich nicht darum, viel Geld zu sammeln, sondern viele Teilnehmer zu finden; es soll sich ja niemand eine Last aufbürden!"«

(aus: Protokolle der Landauer Verhandlungen gegen die Organisatoren des Hambacher Festes (hier: Pfarrer Hochdörfer),  in: Mannheimer Zeitung, Beilage vom 28. August 1833 - an die moderne Rechtschreibung angepasst)
 

 

 
   
   Arbeitsanregungen:
  1. Was wird Hochdörfer vorgeworfen?

  2. Wie tritt der Dekan vor Gericht auf?

  3. Mit welchen Argumenten verteidigt sich Hochdörfer?

  4. Verfassen Sie einen Kurzkommentar in einer Zeitung zu den Ausführungen der Beteiligten.
     

 
     
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