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Die Karlsschule

Stadtstudierende

Gustav Hauber (1907)

 
 

"Die Stadtstudierenden, auch oppidani genannt, bilden einen anerkannten Bestandteil der Schule erst seit 1784; vorher waren solche nur ganz ausnahmsweise, im Ganzen 12, zugelassen worden. Von da an aber wurde der Unterricht in der Karlsschule, und zwar auf allen Stufen und in allen Fächern, auch solchen zugänglich gemacht, die nicht dem Internat angehörten, und es wurde hievon mehr und mehr Gebrauch gemacht: von 20 im Jahr 1784 stieg die Zahl bis zu 213 im Jahr 1792, um dann wieder auf 149 zu sinken, während die Zahl der Akademisten von 1784-90 sich zwischen 258 und 285 bewegt, und von auf 116 sinkt, so dass seit 1792 die Stadtstudierenden die Mehrheit bilden. Im Jahr 1785 wurde auf eine Beschwerde der Universität Tübingen bestimmt, dass Landeeingeborene nicht mehr von der Stadt aus Jurisprudenz oder Medizin in der Akademie studieren dürfen; doch wurde dies tatsächlich nicht streng durchgeführt. Die Stadtstudierenden hatten nur für den Unterricht, an dem sie teilnahmen, ein Honorar zu bezahlen, das nach den verschiedenen Fächern normiert 6-10fl. betrug und in die Akademiekasse floss, in einzelnen Fällen aber auch erlassen wurde. Sie waren nur bezüglich regelmäßigen Besuchs der Vorlesungen, deren Wahl ihnen grundsätzlich freistand, aber sich in der Regel an die Studienordnung der Akademisten anzuschließen pflegte, und auf das Betragen im Allgemeinen der Disziplin der Anstalt unterworfen; sie Uniform mussten sie nur bei Festlichkeiten, durften sie aber auch sonst tragen; als Strafmittel gab es für sie Karzer und Relegation; in die Lehrabteilungen wurden sie eingeteilt, aber nicht mitloziert; von den Preisen und Orden aber waren sie nicht ausgeschlossen. Im Ganzen der Schule bilden sie einen sozusagen unorganischen Anhang; sie werden denn auch, wenn man von den Karlsschülern redet, im Allgemeinen nicht mitverstanden, was aber bei ihrer verhältnismäßig großen Zahl nicht ganz berechtigt ist."

(Die fett hervorgehobenen Wörter sind im Original gesperrt gedruckt)

(aus: Hauber 1907/1909, S.26, gekürzt}

 
   
   Arbeitsanregungen
  1. Worin unterscheidet sich die Lage der Oppidani von der der Akademisten?

  2. Was meint Salzmann damit, wenn er davon spricht, es handle sich bei den Stadtstudierenden um einen "sozusagen unorganischen Anhang"?
     

     
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