Home
Nach oben
Zurück
Weiter
 

 

Die Karlsschule

Philosophieunterricht

Gustav Hauber (1907)

 
 

Die Philosophie bildet nach den Einrichtungen der Karlsschule den Übergang von den eigentlichen Schulfächern [...] zu den Berufsfächern; sie hat also äußerlich die Mittelstellung im Unterricht der Schule, aber auch innerlich und fachlich die Zentralstellung; der Absicht, aufgeklärte und gesittete Menschen zu bilden, sollte sie vor allem dienen, sie ist das Bildungsmittel ersten Ranges in der Karlsschule, recht eigentlich ihr wichtigstes Unterrichtsfach. Dies entsprach dem Zeitgeist des 18. Jahrhunderts, das das philosophische heißt, wo in der herrschenden populären Richtung jeder Gebildete, namentlich auch die Großen der Erde philosophieren, und alles, was in Rede und Schrift geschaffen wird, von dem Ton und Geist des Philosophierens in der herrschenden Art gefärbt ist. Auch Herzog Karl Eugen war von dieser Neigung zu philosophieren, wenigstens in der zweiten Hälfte seiner Regierungszeit, stark beeinflusst, hörte gern philosophische Erörterungen, unterhielt sich gern mit Philosophen und hielt schließlich auch selbst gern philosophische Reden. So wandte er diesem Fach an der Karlsschule besonderes Interesse und Beachtung zu. Auch am Stuttgarter Gymnasium und an den Klosterschulen, selbst an den oberen Klassen der Lateinschulen wurde dem Herkommen gemäß Philosophie in der Form der Logik, d. h. des Auswendiglernens logischer (und rhetorischer) Definitionen, getrieben; an der Karlsschule aber wurde, wahrscheinlich wiederum unter französischem Einfluss, diesem Fach mit Bewusstsein eine weit größere Ausdehnung gegeben; es wurde zum beherrschenden Fach erhoben, auf welches aller vorangehende Unterricht zustrebte und welches dann allen weitern Unterricht in den Berufsfächern mit seinen Strahlen durchleuchtete. Für alle an der Schule vertretenen Richtungen, mit Ausnahme der Künstler und Handelsleute, bildete die Philosophie, wenn auch nicht bei allen in gleicher Ausdehnung, das Eingangstor und die Voraussetzung für das Fachstudium. Nachdem einige Jahre schulmäßigen Unterrichts vorangegangen, hatten sich die Zöglinge 2-3 Jahre, ungefähr im 15--17. Lebensjahr, mit ihr zu beschäftigen; für diese Jahre bildete sie das Hauptfach mit 4-8 Wochenstunden, wozu noch 1-6 Vorbereitungs- und Wiederholungsstunden kamen; mindestens bis 1782 erstreckt sie sich auch in die beruflichen Abteilungen mit 1-2 verbindlichen Wochenstunden. Bei der 1763 vorgenommenen Einteilung des gesamten Unterrichts in die 3 Stufen bildet sie den beherrschenden Unterrichtsgegenstand der mittleren, der 'philosophischen', welche, nach normalerweise 5-6jährigem Unterricht, in den 'philosophischen' Abteilungen 2, 1789-93 3 Jahre, normalerweise das 15-18. Lebensjahr, umfasste, worauf dann die beruflichen Abteilungen mit 2-4 Jahren folgten. Die Stundenzahlen sind hier nicht mehr festzustellen, waren aber jedenfalls beträchtlich; zeitweise erstreckte sich das Fach auch jetzt noch, weil die zwei Jahre nicht reichten, mit einigen Stunden in die Berufsabteilungen.
Denn es wurde die Philosophie, trotz der propädeutischen Stellung, die sie in dem Gesamtlehrplan der Anstalt einnahm, in ihrer ganzen Ausdehnung nach dem damaligen Begriff gelehrt, und zwar anfangs meist in der üblichen Reihenfolge: Logik, Metaphysik (teilweise vorher Physik), wozu neben Geschichte der Philosophie Ontologie, Natürliche Theologie, Kosmologie gehörte, dann Psychologie und Moral, daneben zeitweise Schöne Wissenschaften; von 1783 an nach dem Vorschlag der Professoren in der Ordnung: Psychologie und Moral mit Ästhetik, dann Metaphysik, Logik, Geschichte der Philosophie ('Meinungen der Philosophen'). Neben dieser regelmäßigen Reihe wurde aus verwandten Gebieten vorgetragen: seit 1784 abwechselnd von Abel Enzyklopädie und Methodologie der Wissenschaften; 1787 von demselben 'Anleitung zur praktischen Menschenkenntnis nach eigenen Ideen'; 1788 und 89 auch 'Geschichte der Religionen'- Seit 1787 lehrte Schmid 'Grundsätze der Tugendlehre' für die jüngsten Abteilungen. 1788 gab Schwab als Übergang von der Philologie zur Philosophie eine Erklärung von Gedikes Historia philosophiae antiquae, 1789 zu demselben Zweck eine Erklärung einiger philosophischen Schriften Ciceros. Bardili las gleichfalls über Enzyklopädie der Wissenschaften und 'Geschichte der Religionen und ihren Einfluss auf den Charakter'.
Die Lehrer waren - alle im Tübinger Stift ausgebildet -: 1771-75 Jahn (daneben 71-72 Drescher); 1772-90 Abel [...]; als dessen Nachfolger Bardili [...]; neben Abel die Tübinger Professoren: 1775-76 Böck [...] und 1778 Ploucquet [...; ferner 1778-94 Schwab [...].
Als Lehrbücher wurden benützt: für Natürliche Theologie Jerusalem; für Psychologie Sulzers Theorie der Empfindungen; für Logik und Metaphysik Feder und Ploucquet; für Moral Ferguson und Plattners Aphorismen. Doch lehrten Abel und Schwab fast immer 'nach eigenen Grundsätzen'; Abel hat dann auch ein Lehrbuch der Psychologie sowie der Moral geschrieben.  - Von 1775 an wurden in diesem Fach - von Böck in Gang gebracht - regelmäßig Disputationen bei den öffentlichen Prüfungen veranstaltet. Ferner wurden aus diesem Gebiet in größter Ausdehnung Aufsätze und Abhandlungen von den Zöglingen in der Schule geschrieben.
Innerhalb der Schule selbst und ihrer Lehrer hat in diesem Fach im Lauf der Jahre eine bemerkenswerte Entwicklung stattgefunden. Jahn, der zuerst diesen Unterricht erteilte, ließ die logischen Definitionen und Distinktionen der Wolffschen Philosophie, wie sie sich im schulmäßigen Unterricht herausgebildet hatten, auswendig lernen und hersagen, ohne Verständnis zu erzielen und anzustreben; dies wurde von den andern Lehrern und dem Herzog als wertlos erkannt. Als dann 1773 neben ihm der 22jährige Abel, Schüler der damals hochangesehenen Tübinger Philosophen Böck und Ploucquet, Philosophie zu lehren begann, wusste er durch seine frische, anregende Art sofort die Schüler lebhaft für Philosophie zu interessieren und zum selbständigen Denken in einer Weise anzuleiten, dass der Religionslehrer Hartmann Ende 1774 fand, es werde bei den jungen Leuten eine übermäßige Neigung zum Disputieren und Zweifeln herangezogen, worauf dann der Tübinger Böck von Anfang 1775 bis Ostern 1776 an der Schule zu lehren veranlasst wurde, zugleich als Muster und Anleitung für Abel. Da Jahn inzwischen abgegangen war, lehrte darauf 1776 und 77 Abel allein Philosophie. Da aber bei der Prüfung zu Ende 1777 Professor Ploucquet dessen Unterricht nicht gründlich genug und zum Materialismus neigend fand, wurde dieser selbst für 1778 an die Akademie berufen, zugleich um 'den Herzog in der Philosophie ein mehrers zu bestärken'. Da aber Ploucquet, der, wie auch Böck, die Zöglinge wesentlich in der Leibniz-Wolffschen Philosophie einübte, bei den Zöglingen mit seinem hauptsächlich auf das Logische gerichteten Unterricht nicht viel Verständnis und Anklang fand und von ihnen hinter Abel zurückgesetzt wurde, indem sie meinten, dass jener 'sie zwar richtig, dieser aber schön denken lehre', und da er auch selbst durch sein derbes, taktloses Wesen im Privatverkehr bei dem Herzog anstieß, wurde, gewissermaßen als sein Nachfolger, Ende 1778 Schwab als zweiter Professor der Philosophie, vorzugsweise für Logik und Metaphysik, berufen, neben dem jetzt auch vom Herzog anerkannten und hochgeschätzten Abel, der vorzugsweise Psychologie und Moral lehrte, während Schöne Wissenschaften gemeinsamer Lehrgegenstand beider war. Schwab hat diese Lehrtätigkeit, neben der in französischer Sprache und Literatur, bis ans Ende der Karlsschule fortgesetzt, übte aber, obwohl ihm eine gewisse Geschicklichkeit nicht abgesprochen wird, nicht viel Wirkung, da er, ohne von den Fortschritten der Philosophie, namentlich auch Kant, Kenntnis und Rücksicht auf sie zu nehmen, die schulmäßige Wolffsche Philosophie  zu unterrichten fortfuhr, wie er denn späterhin als Bekämpfer der Kantschen Philosophie sich einen gewissen Namen gemacht hat. Nachdem Abel 1790 als Nachfolger Ploucquets nach Tübingen abgegangen war, kam in seinem Nachfolger an der Karlsschule, Bardili, ein erklärter Anhänger und Vertreter der Kantschen Philosophie auf den Lehrstuhl, der aber wegen der kurzen Dauer seiner Lehrtätigkeit nicht mehr zu eigentlicher Wirkung gelangt ist.
So ist denn nach der Zeitdauer und der Geltung Abel der weitaus wichtigste Philosoph an der Karlsschule, der eigentliche Vertreter dieses Fachs geworden und geblieben. Auch er hat in der Zeit seiner Wirksamkeit an der Schule Entwicklungen und Wandlungen durchgemacht. Gleich zu Anfang seiner Lehrtätigkeit legte er dem Herzog einen Entwurf vor 'zu einer Generalwissenschaft oder Philosophie des gesunden Verstandes, zur Bildung des Geschmacks, des Herzens und der Vernunft', der, wenn auch inhaltlich späterhin mehrfach modifiziert, doch die ganze Art seines philosophischen Unterrichts charakterisiert. Im Gegensatz Jahns Unterricht wollte er, dass die Philosophie sich nicht bloß an den Kopf, sondern auch an das Herz der Schüler wende; die übrigen Fächer des Unterrichts sollten den Stoff liefern, aus welchem durch sokratische Methode eine Philosophie der Natur und des Menschen zu abstrahieren sei; dadurch sollte das Denken der Schüler geschärft und eine 'natürliche Logik' in ihnen gepflanzt werden. Die allgemeinen Begriffe, 'die jeder Mensch als Mensch notwendig braucht, und die die Absicht haben, ihn aufgeklärt und gesittet zu machen', will er in ein System zusammenfassen und gliedert den gesamten Stoff in folgende Abschnitte: 1. Die Körperwelt: ihre Geschichte, ihre Gesetze und Philosophie über dieselben. 2. Der Mensch: Psychologie nach ihren wesentlichen Teilen, Philosophie der Geschichte; dann Moral, Schöne Wissenschaften und Logik, endlich das Leben eines wahren Weltweisen. 3. Von der Welt überhaupt: Gesetze, nach denen sie regiert wird, Bestimmung, Ursprung. 4. Der Weltschöpfer. - Wenn in diesem, freilich nicht eben sehr klaren, Plane ein gewisser großer Wurf und eine, wenn auch mehr scheinbare, Selbständigkeit in der Aufstellung eines umfassenden Systems nicht zu verkennen ist, und wenn er auch später zeitweise Gedanken über die Seelenkräfte geäußert hat, in denen man Anklänge an den Materialismus finden konnte, so fehlte ihm doch die nachhaltige Energie und vor allem die Denkschärfe, um ein Reformator der Philosophie und des philosophischen Unterrichts zu werden; er hat weiterhin unter dem Einfluss der Kritik, die seine Wirksamkeit von verschiedenen Seiten, hauptsächlich von dem hochangesehenen Ploucquet fand, wohl auch infolge eigener innerer Entwicklung sich allmählich mehr und mehr den sonst herrschenden philosophischen Lehren und Methoden angepasst, so dass seine Philosophie sich von diesen nicht mehr wesentlich unterscheidet. Sie steht auf dem Boden des Leibniz-Wolffschen Systems, sucht aber zugleich unter dem Einfluss einerseits der englischen Sensualisten, hauptsächlich Locke, andererseits der schottischen Moralisten, hauptsächlich Shaftesbury, Ferguson und Hutcheson, gelegentlich auch der französischen Materialisten und der deutschen Aufklärungsphilosophen Sulzer, Garve, Mendelsohn darüber hinaus und zu eigenen Ausstellungen zu gelangen, ohne sich doch über das Eklektische zu erheben. In den großen Fragen von Körper und Geist, Welt und Gott gelten Dualismus und Theismus als erwiesen und feststehend, und auch die Autorität der Bibel bleibt unbezweifelt, so dass sich im Unterricht zwischen Religion und Philosophie kein Widerspruch erhob. In der Psychologie vertrat er mit besonderem Eifer die Einfachheit der Seele und ihre Unsterblichkeit (als eine Forderung der moralischen Weltordnung), in der Moral die Glückseligkeitstheorie: das höchste Gut ist Glückseligkeit; diese wird nur erreicht durch Tugend und Liebe, diese wiederum durch Erkenntnis des Menschen und Gottes, durch 'richtige Begriffe'; also wahre Erkenntnis, Wissen, Weisheit führt zum wahren Glück, der tugendhafteste Mensch ist der glücklichste und umgekehrt. - Als dann Kants große Werke erschienen, hat Abel sie nicht etwa ignoriert, sondern sich in seinen Schriften, die seit 1784 erschienen, angelegentlich mit der kritischen Philosophie beschäftigt und sich einigermaßen davon beeinflussen lassen, so dass er selbst sich für einen Halb-Kantianer hielt; indes hat er die Grundgedanken der Kantschen Philosophie sich nicht anzueignen vermocht, wohl überhaupt nicht eigentlich verstanden, und blieb so in der Hauptsache auf dem Boden der Popularphilosophie stehen.
Ein Philosoph von wissenschaftlicher Bedeutung, von selbständiger Stellung und Leistung in der Entwicklungsgeschichte der Philosophie ist also Abel nicht gewesen, und doch übertraf er die meisten Lehrer der Karlsschule an Ansehen und Wirkung bei den Zöglingen. Diese Wirkung übte er hauptsächlich durch seine Persönlichkeit und seine Lehrweise. Klein von Wuchs, etwas beleibt, war er doch von großer Beweglichkeit, die ihn auch seinen Lehrvortrag nicht vom Katheder aus, sondern in raschen Schritten durchs Zimmer gehend halten ließ. Auch pflegte er vor und nach der Vorlesung Gespräche mit dem einen und anderen Zuhörer anzuknüpfen. Dabei war sein Wohlwollen und warmes Interesse für die Zöglinge kräftig zu spüren, und durch die Sanftheit, Lauterkeit und echte Güte seines Wesens flößte er allseits Vertrauen und Liebe ein; besonders in den ersteren Jahren, als er selbst noch mit seinen Schülern lernte, stellte er sich auf einen freundschaftlichen Fuß mit ihnen, so dass die Zöglinge ihn eine 'Nathanaelseele', den 'engelgleichen Mann' nannten. Aber auch durch seine Lehrweise: da die in der Zeitrichtung liegende und von ihm vertretene Art des Philosophierens an scharfes kritisches Denken keine hohen Ansprüche stellte, vielmehr von gewissen Voraussetzungen ausgehend die Erscheinungswelt verstehen zu lehren suchte und dabei zugleich wesentlich praktisch gerichtet war, bildete sie in geschickter Behandlung für die Jugend dieses Lebensalters und dieses Zeitalters eine nicht unverdauliche und höchst zusagende geistige Nahrung. Abel befolgte im Allgemeinen die Methode, die einzelnen Erscheinungen zu sammeln, aus diesen das Gesetz abzuleiten und daraus wieder die Einzelerscheinungen zu beleuchten und zu erklären, also in der Hauptsache ein induktives Verfahren. Dabei brachte er nun eine Fülle von Proben aus der Natur und dem Leben, der Geschichte und der Dichtung, antiker und moderner, bei, machte auch die Zöglinge auf weitere literarische Werke aufmerksam, die er ihnen wohl gerne auch aus seiner eigenen Bibliothek lieh, und bot ihnen so einerseits eine für ihr Alter verhältnismäßig umfassende Kenntnis der Wirklichkeit und einen weiten Umblick in der Literatur, der wissenschaftlichen und der schönen, andererseits pflanzte er ihnen das Streben und die Gewohnheit ein, alles einzelne sich verständlich zu machen. Da er zugleich ein Freund und Kenner der schönen Literatur war, wie er ja immer zeitweilig auch über Schöne Wissenschaften las, selbst auch hinreißende Beredsamkeit besaß und über die philosophischen Gegenstände, in dem weiten Sinn des Wortes, der bei ihm und damals überhaupt üblich war, mit Benützung der reichlichen dafür zur Verfügung stehenden Zeit die Zöglinge Aufsätze ausarbeiten ließ und diese korrigierte und besprach, hat er um gute, gewandte und schöne Darstellung bei seinen Schülern sich große Verdienst erworben. Da man endlich den Eindruck bekam, dass die von ihm gelehrte Tugend bei ihm nicht bloß Worte, sondern in seiner Person Tat und Leben sei, und dass Streben nach Erkenntnis und Mitteilung des Erkannten ihm die tiefe innere Befriedigung gewähre, hat er auch in der Richtung darauf, tugendhaft zu handeln und zu sein und in edlem Erkenntnisstreben seine Befriedigung zu finden, mächtige Wirkung geübt. So sind denn von diesem beliebtesten aller Lehrer der Karlsschule auch die stärksten, fruchtbarsten und edelsten Anregungen ausgegangen, die um so nachhaltiger waren, als auch die Fachwissenschaften, die nach oder neben den philosophischen Studien betrieben wurden, der allgemeinen Zeitrichtung entsprechend alle mehr oder weniger in philosophischem Sinn gelehrt und behandelt wurden.
Und so war denn überhaupt der philosophische Unterricht an der Karlsschule, trotzdem dass er wenig in die Tiefe ging und wenig bedeutenden wissenschaftlichen Gehalt hatte, von der größten Wirkung. Freilich, dass in dieser Philosophie Worte und Redensarten eine große Rolle spielen, ist auch hier nicht ohne Einfluss geblieben; der Phrasenschwulst und die Tugendrednerei, die in der Karlsschule in Rede und Schrift einen so breiten Raum einnehmen, stehen dazu nicht außer Zusammenhang; in den vielen schönen Worten ging Klarheit und Schärfe vielfach verloren. Aber die Kehrseite ist doch weit überwiegend: mächtige Weckung des philosophischen Interesses, des spekulativen Denkens, Hinlenkung, Erziehung und Gewöhnung dazu, den Dingen auf den Grund zu gehen, das Wahre und Echte vom Schein zu unterscheiden, die Einzelerscheinungen der Natur wie des Geistes, der Wissenschaft, der Geschichte, wie des Praktischen beständig in ihrer Wechselwirkung unter philosophischen Gesichtspunkten zu betrachten, infolge davon nicht am schalen Zeuge zu kleben und sich in Einzelheiten und Kleinigkeiten zu verlieren, sondern alles einzelne in den Zusammenhang des großen Ganzen zu bringen und hienach zu behandeln und zu werten und mit freiem, weitem Blick die Welt zu betrachten, das ist ein zweifelloses Verdienst dieses Unterrichts, und in dieser Richtung hat die Karlsschule gewaltige Spuren hinterlassen in ihren bedeutendsten und berühmtesten Schülern, wie auch bei der großen Masse derselben, ein Vorzug, dessen sie sich selbst lebhaft bewusst gewesen sind und der ihnen von den Zeitgenossen auch willig und übereinstimmend zuerkannt wurde.

(aus: Hauber 1907/1909, S.72-77, leicht gekürzt}

(im Fettdruck hervorgehobene Wörter und Textpassagen im Original gesperrt)

 
   
   Arbeitsanregungen
  1. Arbeiten Sie heraus, unter welchen Voraussetzungen und Bedingungen der Unterricht in Philosophie an der Karlsschule stattgefunden hat.

  2. Welche Ziele verfolgt der Philosophieunterricht in Württemberg? - Wie beurteilen Sie diese?

  3. Arbeiten Sie die Bedeutung Abels für die Karlsschule heraus.

  4. Vergleichen Sie die Ziele und Unterrichtspraxis mit heute.
     

     
  Überblick ] Erziehung und Drill ] Lehr- und Unterrichtspraxis ] Privatleben ] Ständische Ungleichheit ] Umzug 1775 ] Textauswahl ] Bausteine ]  
   

          CC-Lizenz
 

 

Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA) Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de