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Neil Postman, Wir informieren uns zu Tode

Lösungsvorschlag

Abitur, Baden-Württemberg, Berufl. Gymn., LK Deutsch 1993/94


Allgemeiner methodisch-didaktischer Hinweis

Die Problematik des Begriffs "Erzählung" von Postman erschließt sich den Schülerinnen und Schülern häufig so, dass sie damit die Bibel identifizieren.
Allerdings sind sie in der Regel kaum in der Lage, wissenschaftliches Denken der Neuzeit mit dem scholastischen Denken des Mittelalters in einen Vergleich zu bringen. Sie begnügen sich häufig damit, einfach darauf hinzuweisen, dass die Bibel nicht mehr „zeitgemäß“ sei, ohne dies hinreichend zu begründen.
Die Bedeutung der Sinnstiftung durch einen allgemeingültigen Menschheitsmythos entzieht sich dem Wissens- und Erfahrungshorizont der Schülerinnen und Schüler.
Hier empfiehlt es sich, diese Problematik in einer der Stunden zuvor zu behandeln. Ideen hierzu: Rede des Häuptlings Seattle, Marx‘ Thesen über Feuerbach, Diskussion über Orientierungslosigkeit u. ä.

Lösungsvorschlag zur Abituraufgabe
(Abitur, Baden-Württemberg, Berufl. Gymn., LK Deutsch, 1993/94)

Unterscheidungsmerkmale

Die von Postman angeführten Unterscheidungsmerkmale betreffen einerseits Qualität und Quantität der Informationen, andererseits den Zusammenhang zwischen Weltbild und persönlicher Verarbeitung der Informationen.
Postman hebt vor allem heraus: Früher gab es nur wenige Informationen, und die waren nur den Eliten zugänglich; heute erleben wir eine stetig ansteigende Flut von Informationen, die allzeit abrufbereit und allen zugänglich sind. Die wenigen Informationen früher hätten geholfen, Lebensprobleme zu lösen; die allzu vielen Informationen heute seien größtenteils sinnlos und dienten oft nur dem Zeitvertreib. Das durch den Glauben vermittelte geschlossene Weltbild habe früher in überschaubaren Bereichen die Lösung von Problemen mit Hilfe von Informationen ermöglicht. Die heutige durch das Fehlen verbindlicher Maßstäbe bedingte Orientierungslosigkeit löse durch die Kenntnis weltweiter Probleme, auf deren Lösung wir keinen Einfluss haben, eher ein Gefühl der Ohnmacht aus und führe zu Passivität und Egoismus.

Problematik der heutigen Informationsfülle

einerseits:

  • Beliebigkeit vieler Informationen

  • Schwierigkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen

  • Überforderung der Aufnahmefähigkeit des Menschen

  • Folgen: Passivität, Fatalismus, Egoismus

andererseits:

  • Pluralismus von Meinungen

  • Befreiung von Bevormundung und manchen irrationalen Ängsten

  • Voraussetzung für schnellen technischen und wissenschaftlichen Fortschritt

Postman gelangt zu der Folgerung, die heutige Informationsfülle könne nur beherrscht werden durch sinnstiftende neue Mythen

Mögliche Gesichtspunkte der Erörterung könnten sein:

  • größere Chancen zur Orientierung in der Informationsflut durch ein geschlossenes Weltbild

  • Überwindung des materialistischen Konsumdenkens durch die Schaffung übergeordneter Werte

  • Neubewertung religiöser Grundhaltungen

  • aber: Gefahr ideologischer Verengung und eines dogmatischen, diktatorischen Fundamentalismus;

  • Versuchung, ein einheitliches Weltbild gewaltsam durchzusetzen

(Abitur, Baden-Württemberg, Berufl. Gymn., LK Deutsch, 1993/94)

                  
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