Im
Anschluss an die vorangehenden Arbeitsschritte kommt es bei der ▪
Niederschrift u. a.
darauf an, die ▪
Argumentation mit ihren Thesen und Argumenten zu entfalten und
sich dabei auf ▪
plausible Muster der Alltagsargumentation zu stützen.
Ausgangspunkt
könnten hier die bei der ▪
Kontextmethode zur
Stoffsammlung gefundenen Gesichtspunkte sein.
Bei der
schriftlichen Gestaltung von Argumentationen im Rahmen des ▪
erörternden Schreibens ist es immer wieder wichtig, sich den
prinzipiellen ▪
Unterschied
zwischen dem mündlichen Argumentieren und dem schriftlichen
Argumentieren in so genannten
Alltagsargumentationen und in ▪
Bezug auf die Formen des erörternden Schreibens in der Schule zu
verdeutlichen. Beim mündlichen Argumentieren in gesellschaftlichen
Alltagssituationen gelten nämlich durchaus andere "Regeln" als beim
schriftlichen Argumentieren in der Schule.
Dies betrifft die
allgemeine •
sprachliche Gestaltung ebenso wie die Ausführlichkeit, mit der
bestimmte Argumentationen entfaltet werden müssen. Was also beim
mündlichen Argumentieren auf der Grundlage •
plausibler Argumentationsmuster und u. U. mit Hilfe begleitender
•
körpersprachlicher Signale
(▪
Mimik,
▪
Gesten
▪
Lautstärke, Intonation
oder Ton etc.)deshalb durchgeht, weil ja jederzeit nachgefragt und
nachgebessert werden kann, ist bei einem Aufsatz natürlich nicht der
Fall. Das allein verlangt, dass man sich stärker darum kümmern muss,
seine Gedanken und Argumentationen möglichst überzeugend zu
gestalten.
Was für die
Entfaltung der Argumente gilt, trifft auch für die
sprachlich-stilistische Gestaltung zu. Während man beim mündlichen
Argumentieren je nach Kommunikationssituation alle Wörter und
sonstigen stilistischen und rhetorischen Möglichkeiten ausschöpfen
kann, damit der Kommunikationspartner am Ende "glaubt", was man zu
sagen hat, ist dies beim schriftlichen Argumentieren in der Schule
nicht der Fall. So sind z. B. vulgärsprachliche Ausdrücke vollkommen
ausgeschlossen und umgangssprachliche Wörter und Wendungen ebenso
zu vermeiden, wie stilistisches "Geschwurbel". Hier ist also ein •
standardsprachlicher bzw. normalsprachlicher Stil gefordert.
An dieser Stelle
soll der inhaltlich-strukturierten Entfaltung der Argumente noch
einmal ins Blickfeld rücken. Das nachfolgende Beispiel einer
mündlichen Alltagsargumentation zu dem obigen Erörterungsthema dient
dazu. die gerade dargestellten Zusammenhänge noch einmal zu
verdeutlichen.
Mit den beiden
Äußerungen könnte die mündliche argumentative Auseinandersetzung
zwischen der erwachsenen Frau, nehmen wir an, es ist die Mutter, und
der Tochter über das Thema abgeschlossen sein, wenn die Mutter die
Äußerung ihrer Tochter einfach stehen und der Tochter ihren Willen
lässt.
Die Logik der
Argumentation, die Frage also, ob eine Argumentation logisch gesehen
schlüssig ist, spielt bei solchen Alltagsargumentationen meistens so
gut wie keine Rolle. So finden wir im Alltag meistens nichts dabei,
wenn die Argumente lückenhaft sind, ganz ungeordnet daherkommen oder
unpräzise formuliert sind.

Die Mutter könnte allerdings auch nachfragen, inwiefern die das
Klima wichtiger als die Schule ist und oder eine Gegenthese
aufstellen und eine eigene Gegenargumentation vorbringen. Und in
dieser Art und Weise könnten beide ihr Problem weiter miteinander
diskutieren.
Hier interessiert uns aber zunächst nur einmal die
Argumentation der Tochter. Und dazu muss man, das, was da gesagt
wird, etwas genauer unter die Lupe nehmen. Dabei ist es meistens gar
nicht so einfach, die logische Struktur einer Alltagsargumentation
herauszuarbeiten.
In
diesem Fall jedoch lässt sich die logische Struktur eines ▪
kausalen Argumentes nach dem •
plausiblen Muster eines Ursache-Wirkungszusammenhangs wie folgt
darstellen:
|
Wenn
p dann q p
q |
Wenn die politisch
Verantwortlichen keine wirksamen Maßnahmen gegen die
weitere Klimaerwärmung ergreifen, ist das zeitweilige
Fernbleiben von der Schule ein legitimes Mittel von
Schülerinnen und Schülern öffentlichen Druck auf die
Politik zu erzeugen.
Die politisch
Verantwortlichen ergreifen keine wirksamen Maßnahmen
gegen die die weitere Klimaerwärmung.
► Also:
Das zeitweilige Fernbleiben von der der Schule ist ein
legitimes Mittel von Schülerinnen und Schülern
öffentlichen Druck auf die Politik zu erzeugen. |
Besonderes Augenmerk ist dabei darauf zu richten, ob die Gegenthese, die
die Tochter gegen die nicht klar
ausgedrückte These der Mutter vorbringt, einen ▪
ausreichend engen Bezug von
(Gegen-)These und Argument aufweist.
Gefragt
ist also, ob das, was die Jugendliche vorbringt, ein
Basisargument für
ihre vorausgesetzte (implizite) Gegenthese darstellt oder zwischen der
These und dem Argument eigentlich noch ein anderer unausgesprochener
Gedankenschritt
steht.
Nach dem ▪
allgemeinen Argumentationsschema der ▪
erweiterten Argumentation ließe sich die ▪
Gegenargumentation
der Tochter z. B. in folgender Art und Weise entfalten und
strukturieren.
-
These der Mutter: Immer wieder die Schule zu schwänzen, ist
untersagt.
-
Gegenthese der Tochter:
Schule-Schwänzen für den Klimastreik ist zulässig.
weil den politischen Entscheidungsträger*innen Druck
gemacht werden muss, schnelle und wirksame Maßnahmen gegen
die drohende Klimakatastrophe zu ergreifen.
Denn die Politik tut angesichts des Tempos der
klimatischen Veränderungen viel zu wenig.
So reichen z. B. die CO2-Bepreisung, die Förderung
der Elektromobilität und der Ausbau der erneuerbaren
Energien bei weitem nicht aus, um mit den Folgen der
Klimaerwärmung mitzuhalten, geschweige denn diese wirksam zu
begrenzen.
Der Schulstreik ist daher ein Mittel der jungen
Menschen in unsrem Land und auch weltweit, um öffentlichen
Druck auf die politischen Entscheidungsträger auszuüben. Der
Regelbruch, der damit bewusst vorgenommen wird, zeigt, dass
ihnen die Bekämpfung der drohenden Klimakatastrophe
wichtiger ist als der regelmäßige Schulbesuch.