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Immanuel Kant: Was ist Aufklärung?

Aufklärung als erzieherische Aufgabe

Herta Zutt


Historisch betrachtet, ist die Aussage: "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit" wichtig: sie zeigt, dass mit dem Wort "Aufklärung" damals nicht ein leerer Anspruch einer vermeintlichen völligen Erfassung der Welt mittels des Verstandes behauptet, sondern die Aufklärung als ein Ziel angestrebt wurde: die Menschen sollten hingeführt werden, eine ihnen von der Natur gegebene Möglichkeit in dem Ausmaße zu nutzen, das ihrem Leben zuträglich ist. Aufklärung wird als eine erzieherische Aufgabe verstanden, die dem Leben des Einzelnen eine weitere Ebene der Betätigung seiner menschlichen Natur eröffnet und der Gemeinschaft durch diese Haltung des dauernden Bemühens um das Richtige eine gültige Ordnung, unabhängig von vorgefassten Meinungen, zu geben versucht. Dahinter steht eine ethische Gesinnung, die die Probleme des Lebens selbständig und in verantwortlicher Weise lösen will. [...]
Nach der Kantischen Definition ist der wichtigste Wesenszug der Aufklärung nicht die theoretische Auffassung des Menschen oder der Welt, sondern der Wille, das Schicksal selbstverantwortlich zu gestalten. Diese klare Haltung hat ihre Richtschnur im Vernünftigen und Naturgemäßen, an dem man einen festen Halt findet. Der Rationalismus der Aufklärung zielt über eine theoretische Welterkenntnis auf eine verantwortliche Daseinsgestaltung, daher der pädagogische Zug. [...] Der Verstand ist das einzige Mittel, die mangelhafte Wirklichkeit zu ordnen.
Man kann heute nicht einfach zur Aufklärung zurückkehren; wohl aber kann zweckhaftes Handeln und sittliche Verantwortung Vertrauen in das eigene wirkungsvolle Tun im Chaos der Umwelt und einen Bereich geordneter und beherrschter Wirklichkeit schaffen. So entsteht eine kleine Insel des Sinnhaften. Die beste erreichbare Ordnung muss geschaffen werden - die gilt von der äußeren und der inneren Wirklichkeit des Menschen.
 
(aus: Herta Zutt, Immanuel Kant, Was ist Aufklärung?, in: Lehrerhandbuch zu Bender, Lesebuch, Stuttgart:  , S.167f.) 
 

   Arbeitsanregungen:

Aufklärung wird immer wieder in Verbindung gebracht mit einer einseitigen Überbetonung des Rationalen.

  1. Wie beurteilt Herta Zutt diesen Sachverhalt unter Bezugnahme auf die Äußerungen Kants in dessen Schrift »Was ist Aufklärung?«
  2. Welche Bedeutung können die Auffassungen der Aufklärung für die Gegenwart nach Ansicht der Autorin besitzen? - Nehmen Sie dazu Stellung.

  

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