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Arthur Conan Doyle

Sherlock Holmes studiert die Körpersprache Dr. Watsons

Lösungsvorschlag

 
 
Die nachfolgende Übersicht stellt einen Lösungsvorschlag zu den Arbeitsanregungen zum Text »Sherlock Holmes studiert die Körpersprache Dr. Watsons« von Arthur Conan Doyle dar.
 
1
Da Holmes anscheinend doch zu keiner Unterhaltung bereit war, stieß ich den Haufen Zeitungspapier beiseite, lehnte mich in meinen Sessel zurück und versank in Gedanken. Plötzlich unterbrach die Stimme meines Freundes meine Überlegungen.
Watson (W)
  • stößt Haufen Zeitungspapier beiseite

  • lehnt sich in seinen Sessel zurück

» versinkt in Gedanken

2
"Du hast recht, Watson“, sagte er, "das ist allerdings eine höchst unsinnige Art, Unstimmigkeiten auszuräumen."
Holmes (H) knüpft an den Gedanken an, den Watson zu diesem Zeitpunkt gehabt haben soll, nämlich: "über deine Lippen ging ein flüchtiges Lächeln, das mir zeigte, wie sich dir auch die lächerliche Seite dieser Methode, internationale Probleme beizulegen"
3
"Völlig unsinnig!“, rief ich. Erst dann kam mir zu Bewusstsein, dass er meine innersten Gedanken ausgesprochen hatte; ich fuhr in meinem Sessel hoch und starrte ihn an.
   "Was sagtest du eben, Holmes? Das übersteigt aber nun doch meinen Verstand."
   Er lachte herzlich über meine Fassungslosigkeit.
   "Erinnerst du dich nicht, wie ich dir vor kurzem eine Stelle aus einer Kurzgeschichte von Edgar Allen Poe vorlas, wo ein geübter Logiker den Gedanken seines Freundes folgt? Du erblicktest darin eine tour de force seitens des Autors und wolltest mir nicht glauben, als ich behauptete, dasselbe täte ich auch ständig?"
   "Aber nein -"
   "Vielleicht drücktest du das nicht in Worten aus, mein Lieber, deine Augenbrauen jedoch ließen keinen Zweifel!
W. erkennt, dass H. tatsächlich seine Gedanken "erraten" hat

H. betont, dass er damit lediglich den Beweis dafür antrete, was er an anderer Stelle gegenüber W. behauptet hatte, als ein ähnlicher Vorgang in einer Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe dargestellt worden sei.

H. verweist auf körpersprachliche Signale (Augenbrauenbewegung)

4
Als ich dich vorhin die Zeitungen beiseite werfen und in Gedanken versinken sah, war ich froh über die Gelegenheit, ihnen folgen und mich vielleicht sogar in die Gedankenkette einschalten zu können, sozusagen zum Beweis, dass ich mit dir Schritt gehalten habe."
   Ich war noch längst nicht zufrieden.
   "In dem Beispiel, das du mir vorgelesen hast“, sagte ich, "zog dein Verstandesmensch seine Schlüsse aus den Handlungen des Mannes, den er beobachtete. Wenn ich mich recht erinnere, stolperte der über einen Haufen Steine, sah zu den Sternen auf – und so weiter. Ich aber habe ganz ruhig hier in meinem Sessel gesessen; welche Hinweise kann ich dir also gegeben haben?"
   "Du unterschätzt dich! Dem Menschen wurden Gesichtszüge gegeben, seine Gefühlregungen auszudrücken – und die deinen sind sehr zuverlässige Diener."
   "Willst du damit etwa sagen, du hast meine Gedanken von meinem Gesicht abgelesen?"
   "Genau das, besonders von deinen Augen. Vermutlich weißt du selbst nicht mehr, wie deine Träumerei begann?"
   "Nein, kaum."
W. und H. unterhalten sich über die Besonderheiten der Körpersprache in Poes Kurzgeschichte (darin: deutliche Gesten als Indikatoren für bestimmte Gedanken)

H. betont, dass er im vorliegenden Fall aber vor allem die Mimik, insbesondere die Blickbewegungen von W. herangezogen habe, um seinen Gedanken zu folgen.

5
"Dann will ich’s dir verraten. Nachdem du die Zeitungen beiseite geworfen hattest – das war’s übrigens, was mich auf dich aufmerksam machte -,
Dass W. Zeitung beiseite schiebt (1), erregt H. Aufmerksamkeit
saßest du eine halbe Minute mit einem ganz leeren Ausdruck da. (» denkt an nichts)
6
Darauf blieben deine Augen auf dem neu gerahmten Bild von General Gordon hängen und an der Veränderung auf deinem Gesicht bemerkte ich, dass du anfingst zu denken.
W. betrachtet neu gerahmtes Bild von General Gordon

Veränderung auf dem Gesicht (welche?)

 »W. fängt an zu denken

7
Aber das führte nicht sehr weit. Dein Blick schweifte hinüber zu dem ungerahmten Bild von Henry Ward Beecher, da – ganz oben auf deinen Büchern.
W.'s Blick schweift hinüber zu dem ungerahmten Bild von Beecher ganz oben über den Büchern
8
Dann blicktest du auf die Wand und damit trat deine Überlegung klar zutage. Du dachtest, wenn das Bild gerahmt wäre, könnte es die leere Stelle dort ausfüllen und mit dem von Gordon korrespondieren,"
   "Du bist mir wirklich genau gefolgt!"
   "Nun, bis jetzt konnte ich kaum fehlschlagen.
W. blickt auf die Wand, an der das Bild von Gordon hing

 »W. denkt, ein gerahmtes Beecher-Bild könnte an dieser Wand in einem Bezug zu dem Gordon-Bild stehen

9
Aber dann kehrten deine Gedanken zu Beecher zurück und du schautest angestrengt auf sein Bild, als wolltest du aus seinen Zügen seinen Charakter ergründen.
W. schaut dann wieder angestrengt (?) auf das Beecher-Bild

 »H. vermutet, dass W. dabei aus den Gesichtszügen auf den Charakter Beechers schließen will

10
Darauf entspannte sich deine Miene,
W. Gesicht wirkt wieder entspannt
11
aber immer noch schautest du unverwandt hin und dein Gesicht wurde geradezu nachdenklich. Du riefst dir die Situation seiner Laufbahn ins Gedächtnis. Mir war durchaus bewusst, dass du dabei seine Mission im Interesse der Nordstaaten während des amerikanischen Bürgerkriegs denken musstest, denn ich erinnere mich noch genau deiner leidenschaftlichen Empörung über die Art, wie er vom aufrührerischen Teil unserer Bevölkerung empfangen worden war. Du hattest dich damals so erregt, dass ich wusste, du könntest nicht an Beecher denken, ohne gleich auch darauf zu verfallen.
W. schaut weiterhin auf das Bild von Beecher

W.s Gesicht wird geradezu nachdenklich (?)

 »W. ruft sich die Umstände der Laufbahn Beechers in Erinnerung

Grundlage der Vermutung von Holmes: früheres Gespräch über Beecher und seine Rolle im Bürgerkrieg

12
Als dann einen Moment später deine Augen vom Bild wegglitten, vermutete ich deinen Geist im Bürgerkrieg
W. wendet seinen Blick von dem Beecher-Bild ab

 »H. vermutet, dass W. mit seinen Gedanken beim bzw. mitten im Bürgerkrieg ist

13
und als ich dann bemerkte, wie sich deine Lippen zusammenpressten, deine Augen funkelten und die Hände zu Fäusten balltest, war ich sicher, dass du an die Tapferkeit dachtest, die beide Parteien in diesem verzweifelten Kampf bewiesen haben.
H. beobachtet 3 Körpersignale gleichzeitig bzw. so nah aufeinander folgend, dass sie im Zusammenhang betrachtet werden können:
W.s Lippen sind zusammengepresst, seine Augen funkeln und seine Hände ballen sich zu Fäusten

 »H. ist sich sicher, dass W. dabei an die Tapferkeit der Soldaten im Bürgerkrieg denkt

14
Doch dein Gesicht wurde trauriger, du schütteltest den Kopf. Du brütetest über die Taktik, den Schrecken und die Vergeudung kostbarer Menschenleben.
W.s Gesicht wird trauriger (?) und zugleich schüttelt er den Kopf

 »W. brütet über Kriegstaktik und die Schrecken des Krieges

15
Deine Hand tastete nach deiner eigenen vernarbten Wunde und über deine Lippen ging ein flüchtiges Lächeln, das mir zeigte, wie sich dir auch die lächerliche Seite dieser Methode, internationale Probleme beizulegen, aufgedrängt hatte.
W. tastet nach seiner Kriegsverletzung (Narbe) und lächelt kurz

 »W. erscheint kriegerische Konfliktlösung lächerlich

16
An diesem Punkt angelangt, konnte ich dir meine Zustimmung nicht verhehlen."
   "Alles vollkommen richtig“, sagte ich. "Aber sogar jetzt noch bin ich verblüfft wie zuvor."
   "Ein simples Experiment, mein Lieber, sei beruhigt!“

(aus: Doyle, Arthur Conan (1976): Ein unheimliches Paket, in: Sherlock Holmes und die Spuren im Moor. Klassische Kriminal-Stories, München: Wilhelm Heyne 1976, S.103 f., auch zitiert bei Eunson 1990, S.140f.)

H. hat sich nicht wirklich aus der Kommunikation zurückgezogen, wie es anfangs scheint, sondern hat nonverbal zugehört und wechselt jetzt wieder in den verbalen Kommunikationsmodus, so als habe tatsächlich eine "Unterhaltung" stattgefunden

Folgende Elemente der Körpersprache werden von Holmes erwähnt:

  • Körperhaltung

  • Mimik, dabei insbesondere Blickbewegungen

  • Gestik

Holmes kann das ganze Verhalten nur deshalb richtig deuten, weil er sein Gegenüber ziemlich genau kennt und weil er auf Erfahrungen zurückgreifen kann, die seine Vermutungen an jenen Stellen des nonverbalen Gesprächs in die richtige Richtung führen können;

     
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