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Schiller: Maria Stuart - Einzelne Figuren

Interpretationshypothesen zur Figur des Mortimer

 
 
  Die Figur des Mortimer in Friedrich Schillers »Maria Stuart« ist von vielen Seiten her betrachtet und interpretiert worden. Eine kleine Auswahl von Interpretationsthesen soll zur Auseinandersetzung mit dem Text anregen.
  1. "Mortimer ist einer der Auslöser der Dramenhandlung".
    (Popp 1995, S.81)

  2. "Für den Fortgang der Handlung hätte es der Figur des Mortimer kaum bedurft. [...] Wenn aber doch von einer Funktion des Mortimer im Drama die Rede sein soll, so vertritt er ohne Zweifel - dramatisch gesehen - ein retardierendes Element; er vermag - für eine gewisse Zeit wenigstens - die Hoffnung auf Rettung zu stärken und als heimlicher Verschwörer die drohende Katastrophe aufzuhalten."
    (Scholz (1981)1993, S.65)

  3. "Allein Mortimer [...] konnte die tragische Verschränkung von Aura und Person in der Gestalt der  Maria offenbar machen: das ist die eigentliche Funktion seiner Figur." (
    (Storz 1959, S.334, zit. n.: Scholz (1981)1993, S.65)

  4. "Fragwürdig ist Mortimer bis zuletzt mit seiner Verquickung von himmlischer und irdischer Maria, von Gläubigkeit und  Erotik. Aber mit seinem Freitod bleibt er sich selbst treu [...] und er bewahrt die Freiheit der Selbstbestimmung.
    (Popp 1995, S.30)

  5. "Das Kunsterlebnis war zugleich ein religiöses Erlebnis."
    (Scholz (1981)1993, S.69 über Mortimers Romerfahrungen)

  6. Die Romerzählung Mortimers, die im Übrigen keine konkrete Bedeutung für die weitere Handlung besitzt, hat die Aufgabe, die geistige Welt der Emigranten darzustellen.
    (vgl. Popp 1995, S.81)

  7. In der Rom-Erzählung Mortimers wird eine Weltsicht dargestellt, "in der das Religiöse und das Ästhetische miteinander verschmelzen; in der 'heitren Wunderwelt' der Kunst glaubt Mortimer den Geist der Wahrheit zu erfahren."  (Popp 1995, S.82)

  8. "Die Schönheit Marias hat Mortimer [...] in leidenschaftlicher Liebe zu ihr entbrennen lassen, so dass er alles, sogar sein Leben daransetzen will, sie zu retten. [...] Doch bei aller Leidenschaft fehlt ihm die sittliche Größe." (Neis (1981) 1999, S.65)

  9. Weil das Ideale und das Sinnliche in der Gestalt des Mortimer eine sehr gefährliche Mischung bilden, entspricht die Figur des Mortimer nicht Schillers Vorstellungen von einer harmonischen Totalität von Sinn und Verstand. Dies wird insbesondere durch sein im Zuge der Dramenhandlung deutliches Abgleiten in einen verblendeten Fanatismus sichtbar.
    (vgl. Popp 1995, S.82)

  10. "In Burleighs Charakter wie in dem Mortimers sind symbolisch die beiden Mächte repräsentiert, die ihren Kampf bereits ausgespielt haben. Denn wenn in der erfundenen Figur Mortimers alle Versuche des katholischen Fanatismus zu Marias Befreiung nochmals aufleben, so kommen diese Bemühungen für den Ausgang der Handlung doch nicht ernstlich in Betracht." (Ibel, 9. Aufl, 1982, S.49)

  11. "Sein Selbstmord aber gibt Mortimer einen Teil einer moralischen Autonomie zurück, weil er sich wenigstens dadurch eine Art »Würde« bewahrt. Er demonstriert so eine Vorform der Erhabenheit [...] Mortimer ist frei geworden, im Sinne einer nur negativ bestimmten »Freiheit von etwas«."
    (Leipert 2000, S.79)
      

 
    
   Arbeitsanregungen:
  1. Setzen Sie sich mit  Thesen zur Interpretation der Figur des Mortimer auseinander.

  2. Ziehen Sie dazu die entsprechenden Textbelege heran.

 →Operatorenkatalog des Landes Baden-Württemberg)

 
     
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