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Friedrich Schiller: Maria Stuart - V,6

Marias Abschiedsszene - einfach zum Lachen?

 
 
  Die Szene, in der Maria Stuart von ihren Getreuen Abschied nimmt (V,6),  ist nach den Erfahrungen, die von Walter Zollin-Wiesbaden (1922) dargestellt werden, nicht einfach zu inszenieren.
 
Wenn ein Schauspieler auf der Bühne, bei offener Szene lachen muss, so dass er den Ernst der Handlung empfindlich stört, ist es so schlimm, wie wenn eine Trauergemeinde am Sarge eines Verstorbenen das Lachen verbeißt, weil ein in der Stadt bekannter Sonderling zum ersten Mal in einem Seidenhut auftaucht und noch dazu einem einem altmodischen. Selbstverständlich ist das Lachen auf offener Szene streng verpönt. Dennoch gibt es auf dem Theater Augenblicke, wo die Strafandrohung versagt [...].
Eine tragische Szene, die merkwürdiger Weise sehr oft "verlacht" wird, ist die Abschiedesszene der Maria Stuart. Die Länge des Abschiednehmens, das oft sich wiederholenden Aufschluchzen der Frauen der Königin, der Gedanke, dass man hier um einen Kopf weint, der in Wirklichkeit nie vom Rumpfe getrennt wird, das unaufhörliche Schneuzen der in Tränen zerfließenden Theaterbesucher, ferner die Trauermusik hinter der Szene, das tiefe "lasst es geschehn" des Paulet und das gewöhnlich noch tiefere "es sei" des Burleigh bewirken hier zwingende Lachmöglichkeiten, die eigentlich nur der verstehen kann, der das Jammern und Abschiednehmen in dieser Szene schon etwa fünfzig bis hundert Mal durchgekostet hat.
(aus: Schwäbischer Merkur, 9.2.1922, zit. n. Grawe (Hrsg.) 1978, S.195)

  

 
   
   Arbeitsanregungen:
  1. Untersuchen Sie die Szene V,6 in Friedrich Schillers »Maria Stuart«: Was könnte den vom Autor beschriebenen Lacheffekt ausmachen?

  2. Können Sie die vom Autor beschriebenen Schwierigkeiten nachvollziehen?

  3. Wie könnte man die Szene inszenieren, ohne dass diese Effekte  eintreten?

 →Operatorenkatalog des Landes Baden-Württemberg)

 
      
  Text V,6 ] Bausteine ]  
     

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